25.01.2010

Unsere Geständnisse

Geständnis eines Musikproduzenten ()

Es hat mir lange auf dem Herzen gelegen, aber nun muss es endlich mal raus. Ich hoffe, ich werde erleichtert sein, nachdem ich das, was nun folgen wird, von mir gegeben habe. Ich habe zwar nach dem Gesetz kein Verbrechen und auch keinen Mord begangen, trotzdem fühle ich mich so schuldig, wie sich wohl ein Verbrecher oder Mörder fühlt, also nenne ich das nun Folgende Geständnis, obwohl das Wort Offenbarung wohl an dieser Stelle auch angebracht wäre.

Während meiner ganzen Karriere habe ich mich verstellt und den großen Macker gespielt. Es war größtenteils sehr anstrengend, mein Unvermögen zu vertuschen, um ein Vielfaches anstrengender als das Produzieren meiner 'Musik'.

Ehrlich gesagt habe ich überhaupt keine Ahnung von Musik. Ich habe niemals Noten lesen gelernt und das Wort Musiktheorie kenne ich eigentlich auch nur aus dem Lexikon. Gerade mal 3 Akkorde beherrsche ich, mit denen ich all meine Hits produziert habe. Man dreht hier und da mal einen Ton um, was mit der heutigen Computertechnik sehr einfach ist. Durch die unterschiedlichen Texte fällt dann gar nicht auf, dass ich eigentlich immer ein und dasselbe Lied produziere, jedoch für jede Aufnahme erneut ordentlich Kohle scheffele.

Apropos Texte: Mein Englisch ist wirklich grauenhaft. Schon in der Schule war ich immer einer der Schlechtesten in diesem Fach. Außerdem gebe ich mir noch nicht einmal Mühe mit den Texten. Ich schreibe sie meistens zwischen dem Verzehr zweier Pausenbrote. Ich wundere mich schon sehr darüber, dass ich im englischsprachigen Ausland soviel Erfolg habe. Irgendwie scheinen die Leute gar nicht so auf den Text zu achten. Wahrscheinlich fasziniert sie nur der Beat, der bei jedem Stück zu 100 Prozent identisch ist.

Es ist mir ehrlich gesagt schon peinlich, dass ich trotz meiner Unfähigkeit soviel Geld mit der Musik verdient habe. Ich fahre dicke Sportwagen, besitze mehrere Villen sowie Feriendomizile und trage ausschließlich Markenkleidung. Wenn ich interviewt werde oder in irgendeiner Talkshow sitze, spiele ich immer den großen Macker, aber im Grund bin ich doch nur ein kleines Würstchen.

Es tut mir im Nachhinein sehr leid, wie ich so manchen Menschen behandelt habe. Ich habe Musiker angeschnauzt, die in meinem Studio Instrumente für mich eingespielt haben. Im Gegensatz zu mir verstanden sie etwas vom Fach. Es gab nicht den geringsten Anlass, sie dumm anzumachen. Ich hätte sie sogar loben sollen, aber das hätte nicht zu meinem Image gepasst. Deshalb habe ich das Gegenteil getan.

Ich möchte mich bei all meinen Fans, die das hier lesen, vom tiefsten Herzen für alles entschuldigen, was ich euch angetan habe. Wieso hört ihr überhaupt meine Musik? Ich verstehe euch nicht. Sie hat doch nicht den geringsten Anspruch. Es tut mir so leid, dass ich euch euer mühsam verdientes Geld aus der Tasche gezogen habe. Bitte kauft nichts mehr von mir. Die CDs sind keinen einzigen Cent wert.

Puh, das hat gut getan! Das musste endlich mal raus. Ich konnte diese Last nicht weiter mit mir herumtragen. Ich werde mich aus dem Musikgeschäft zurückziehen und mich morgen bei der Bundesagentur für Arbeit melden. Vielleicht haben die einen Job für mich, der eher meinen Fähigkeiten entspricht. Einem Freund, der in einem ganz anderen Bereich tätig ist, muss ich unbedingt auch solch ein Geständis empfehlen. Er ist auch in einer ähnlichen Lage wie ich. Er fühlt sich, so wie ich, als Betrüger und muss auch dringend mal etwas los werden. Ich werde ihn dazu ermutigen, denselben Schritt zu tun, den ich getan habe.






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