15.04.2011

Nachts um drei

Die verpasste Straßenbahn ()

Dass ihr so etwas noch einmal passieren würde, hätte sie nicht gedacht. Das ist eigentlich ein Erlebnis, das man hat, wenn man sich mitten in der Pubertät befindet und durch jugendlichen Leichtsinn in diese verzwickte Situation hinein gerät. So etwas erlebt man, wenn man in allen Bereichen unerfahren ist und trotzdem mit dem Risiko spielt. Doch sie ist keine 15 mehr. Sie hat mittlerweile ihr dreißigstes Lebensjahr seit fast einem Jahrzehnt überschritten, wenngleich sie auch viel jünger aussieht und von attraktiver Erscheinung ist, mit der sie schon so manchem Mann den Kopf verdreht hat.

Alles Jammern und Lamentieren nützt nichts. Sie ist nun mal in die Situation geraten, also gilt es nun, das Beste daraus zu machen. Es ist 3 Uhr nachts und sie hat soeben die letzte Straßenbahn verpasst. Vielleicht hätte sie doch nicht so lange vor dem Schaufenster ihres Lieblingsdamenmodeladens stehen sollen. Obwohl sie die Situation natürlich nicht angenehm findet, sieht sie darin allerdings auch eine Chance. Sie findet, dass ihr Leben in den letzten Jahren recht unspektakulär verlaufen ist und beschloss deshalb zu Silvester, im neuen Jahr mal etwas Verrücktes machen zu wollen. Gewöhnlich verbringt sie die Abende vor ihrem PC auf gesichtsbuch.kom. Doch das soll jetzt ein Ende haben. In diesem Jahr will sie mehr erleben, mehr unternehmen, über das es sich zu berichten lohnt. Zu dieser frühen Morgenstunde ist sie nun bereit, einen Anfang zu machen und ihre guten Vorsätze in die Tat umzusetzen.

Sie beschließt, in die berüchtigte Hafengegend der Stadt zu gehen und dort die verruchteste Spelunke zu betreten, die es dort gibt. Dort würde sie das Verrückteste tun, was man sich überhaupt vorstellen kann. Sie will sich in die Mitte des Raumes stellen und laut rufen: "Eine Runde Kakao für alle!" Wie würden die Gäste zu so fortgeschrittener Stunde darauf reagieren? So manch einer hat sicherlich schon das eine oder andere hochprozentige Getränk zu sich genommen und hat sein Herz vermutlich mittlerweile auf der Zunge liegen. Sie weiß, dass es mutig ist. Doch trotzdem ist sie fest entschlossen, die Aktion durchzuziehen.

Nachdem sie fünf Minuten Fußweg hinter sich gebracht hat, steht sie vor der Spelunke, die alles andere als einladend aussieht. Mutig öffnet sie die Tür und übertritt die Schwelle zur vermeintlichen Hölle...






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  • Straßenbahn, verpassen, Pubertät, Damenmodegeschäft, Silvester, Vorsätze, Spelunke, Kakao, Aktion, Fußweg, Hölle
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