12.11.2009

Deutschlands SupersängerIn

Das Warten ()

Susi saß nervös in dem Vorraum und rutschte auf der Lederbank, auf der auch zwei andere Kandidatinnen saßen, hin und her. Sie hatte sich vor zwei Monaten für diesen Vorentscheid beworben. Nun war der große Tag endlich da, an dem sie ihr Gesangstalent der Jury präsentieren durfte. Sie hatte soviel für 'Deutschlands SupersängerIn' geübt, dass sie zwischendurch zeitweise heiser war. Aber dagegen halfen Salbeibonbons und Kräutertees, so dass ihre Stimme zum entscheidenden Zeitpunkt glockenklar klang.

Heute musste sie ihre Nervösität in den Griff bekommen, sie musste sie unbedingt besiegen. Schon in der Schule hatte sie vor Klausuren und Tests immer große Angst und konnte sich auch nicht erklären, dass sämtliche Maßnahmen, die sie dagegen vornahm, nicht fruchteten. Weder Talismänner noch meditative Sitzungen vor den Prüfungen konnten Susis Nerven beruhigen. Aber das interessierte sie zu diesem Augenblick überhaupt nicht, denn es ging jetzt nur darum, exakt für die 3 Minuten ihres Auftritts die Ruhe selbst zu sein. Ihre Stimme durfte nicht zittern. Sie musste sicher klingen, so dass die 4 Jurymitglieder ihr die begehrte Karte aushändigten, deren Besitzer an der Zwischenrunde teilnehmen durften.

´Bi...bi...bist du auch so nervös?´, fragte Susi ihre Sitznachbarin. Kaugummikauend schaute das extrem gepiercte dunkelhaarige Mädchen zu ihr und sagte mit einer Seelenruhe: ´Ne, überhaupt nicht, ich weiß ja, was ich kann. Übrigens ist die Vorgehensweise sowieso folgende: Sie lassen immer abwechselnd einen weiterkommen und einen nicht. Das kann ich eh nicht beeinflussen.´ Susi schaute das Mädchen verdutzt an und traute ihren Ohren nicht. Sollte es wirklich so sein, wie sie sagte.

Während Susi anfing, über diese Theorie nachzudenken, öffnete sich die Tür. Ein großer junger Mann schritt traurig heraus. ´Ich hab's nicht geschafft´. Er erntete mitleidige Blicke der anderen, während er das Gebäude sichtlich enttäuscht verließ. Eine junge blonde Frau, die sehr trendy aussah, stand in der Türschwelle zum Vorführungsraum und rief den Namen von Susis Sitznachbarin aus. Siegessicher stand diese auf und verschwand flugs in dem Zimmer.

Susis Herz pochte immer schneller. Sie schaute sich im Vorraum um und ihr wurde bewusst, dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis sie an der Reihe war. Die meisten der Bänke waren bereits leer. Nicht nur dieser Umstand, sondern auch die Tatsache, dass die Sonne bereits unterging, wie Susi durch eines der Fenster beobachten konnte, ließ auf ein baldiges Ende des Tagescastings schließen. Sie atmete ein paar mal tief durch. Dann öffnete sich die Tür. Lustig sprang das selbstbewusste dunkelhaarige Mädchen aus dem Raum der Wahrheit heraus und hielt begeistert die Karte in die Luft, die ihr ein Wiederkommen garantierte.

Die blonde Frau kam wie gewohnt bis zum Türrahmen und verlas den nächsten Namen von der ihr vorliegenden Liste: Susi Meier bitte! Das Herz rutschte ihr in die Hose. Mit zitternden Beinen erhob sie sich von der Bank und wankte unsicher in Richtung Tür...






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