18.03.2010

Der schwarze Turm

Kapitel 1 ()

Alwer stand am Rand der Ebene. Ein Frösteln durchzog seinen dürren Körper als er das Ödfeld sah. Nichts wuchs hier mehr. Sogar die Welt schien ein wenig dunkler als irgendwo sonst zu sein. Das hier mal ein wunderschöner Mischwald stand, der im Frühling ergrünte und im Herbst in den schönsten Farben schimmerte, schien eine Ewigkeit her zu sein. Jetzt zog das Nichts ein. Der Boden war nicht mehr nutzbar und ein widerlich, irgendwie künstlicher Gestank erfüllte die Luft. Selbst in der größten Stadt, die durch menschliche Exkremente verseucht war, war die Luft noch angenehmer. In der Mitte dieses Felds stand ein Turm, so hoch wie ihn noch kein Mensch zuvor erblickt hatte. Selbst der höchste Turm der Stadtmauer passte dreimal in diesen. Von Alwers Hütte ganz zu Schweigen. Er war schwarz, seine Außenhülle schimmerte eigentümlich und aus dem Kamin kam ein weißer Dunst, wie es kein Holzkohleofen imstande war zu erzeugen. Kaum ein Mensch wagte sich an diesen Ort. Man sagte, der Teufel selbst habe diesen Turm erbaut um die Menschen in ihr Verderben zu stürzen.

Alwer hielt nicht viel von Religion und Mystik. Es war sein Beruf als Inspektor die Dinge nüchtern zu betrachten und die scheinbare Zauberei zu entlarven. Doch dieser Turm jagte selbst ihm Angst ein. Aber bis jetzt gab es noch keinen Fall, den er nicht lösen konnte. So wird es auch dieses Mal sein. Das war sein Motte, welches ihn noch nie im Stich ließ.

So bewegte er sich, unnatürlich langsam, auf dieses gewaltige Bauwerk zu. Als er näher kam konnte er erst richtig die Ausmaße des Turms ausmachen. Selbst der Durchmesser war gigantisch und daneben schien ein Teil einer Kugel desselben Materials aus dem Boden zu ragen. Ganz nah am Turm kam Alwer zum Stehen. Er spürte den Schweiß seinen Nacken herunter laufen, denn nun kam der Moment, vor dem es ihm so sehr graute. Die Analyse des Materials. Zögerlich streckte er die Hand aus. Seine zitternden Finger ließen sich nur schwerlich ganz ausstrecken um die Wand zu berühren. Die Atmung ging immer flacher, bis er die Luft schließlich ganz anhielt um die letzten Millimeter zu überbrücken. Dann spürte er wie seine Fingerspitzen mit etwas Kaltem in Kontakt traten. Erschrocken riss er die Augen auf, ohne zu registrieren, dass er sie zuvor ganz zugekniffen hatte. Er ging noch näher heran und fuhr mit der ganzen Hand über die Fläche vor ihm. Die andere Hand suchte die Klinge seines Schwertes, das an seiner linken Seite hing und erspürte dieselbe Kälte, nur war das Material des Turms ungleich glatter. Mit den Knöcheln klopfte er an die Wand, die einen hohlen, hellen Klang zur Antwort zurücksandte. Kein Zweifel, der Turm bestand aus Metall in einer Form, wie es noch nie ein Mensch zuvor gesehen, geschweige denn hergestellt hatte. Trotz dieser befremdlichen Tatsache, nistete sich eine gewisse Erleichterung in seinem Herzen ein.

Nun konnte Alwer seine Nachforschungen beginnen. Er maß den Durchmesser des Turms, schätzte die Höhe ab, besah sich die Wölbung daneben und schrieb seine spärlichen Erkenntnisse in sein Notizbüchlein. Als die Sonne den Mittagsstand erreichte, befiel ihn das drängende Bedürfnis nach Hause zu gehen um seine Gedanken zu ordnen.

Der Weg nach Hause war lang. Zeit genug um noch einmal seine Vorgehensweise zu überdenken. Auch wenn ihm dieses unnatürliche und unmenschliche Bauwerk den Schreck in die Gliedern fahren ließ, so war seine berufsbedingte Neugier doch ungleich größer. Zuerst würde er zurückkehren um Hinweise auf den Erbauer zu finden, wenn dies denn möglich sein würde, dann musste er Zeugen befragen, die vielleicht jemanden in der Nähe gesehen haben. Das dürfte eigentlich nicht so schwer sein. Schließlich waren sicherlich viele Menschen am Bau dieses Ungetüms beteiligt. Aber Alwer unterschätzte niemals die Macht des Aberglaubens, der die Leute dazu brachte, eher zu schweigen, als bei irgendwelchen bösen Geistern in Ungnade zu fallen. Das würde viel Überredungskunst und Einfühlungsvermögen kosten. Bis dahin sollte er genügend Hinweise gesammelt und Verdächtige ausfindig gemacht haben um den Fall lösen zu können. 






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