12.02.2010

Das Monster des Heavy Metals

Das Konzert meines Lebens ()

Um 18 Uhr schellte, wie jeden Tag, der Wecker. Ich spürte sofort, wie anders als sonst ich mich fühlte. Auf dieses Datum hatte ich Monate lang gewartet. Das Aufstehen fiel mir zu dieser frühen Stunde gar nicht so schwer wie sonst, was aber auch an meiner Zurückhaltung am Abend zuvor gelegen habe konnte. Statt üblicherweise drei Kästen Bier, leerte ich gerade mal ein mickriges Kästchen. Daher waren die Kopfschmerzen an diesem herrlichen Tag nicht so stark wie üblicherweise.

Mein Bad benutzte ich nur selten, und zwar nicht nur aus dem Grund, weil es darin seit Jahren recht penetrant roch, sondern weil ich einen Aufenthalt darin als ziemlich überflüssig ansah. Ein richtiger Rocker musste riechen, nicht nur nach Alkohol, sondern auch nach anderen Ausdünstungen. Also durchwühlte ich lediglich meine langen fettigen Haare und zog meine mit von der letzten Schlägerei getrocknetem Blut verzierte Lederjacke über das Longsleeve, in dem ich bereits die zurückliegende Nacht verbracht hatte. Nachdem ich schließlich noch einen großen Schluck aus der Flasche mit dem hochprozentigen Wodka genommen hatte, ging es endlich los. Ich schwang mich auf mein geklautes Hollandrad und fuhr zum besten Konzert meines Lebens, meinem ersten Konzert der besten Band aller Zeiten. Ihr Name war 'Motorbrett'.

Als ich am Veranstaltungsort ankam, schloss ich mein Fahrrad mit mehreren Schlössern ab, damit es mir nicht von solchen düsteren Gestalten wie ich es war gestohlen wurde. Ich lief ein paar Schritte und konnte schon bald die Leuchtschrift der umfunktionierten ehemaligen Industriehalle bewundern. In großen Lettern stand 'Testrix' über dem Eingang. Das Gebäude war weder von außen, noch von innen ansehnlich, aber mir war das, im Gegensatz zu anderen Besuchern, eigentlich ziemlich egal, da ich diesen Zustand von meiner eigenen Wohnung nur zu gut kannte. Ich fühlte mich hier also quasi wie zu Hause, mit dem Unterschied, dass ich am bevorstehenden Abend die Band meiner Träume nicht wie üblich in meinem Wohnzimmer von CD, sondern hier im Testrix live hören und darüber hinaus sogar sehen würde.

Nach einer halben Stunde Anstehen und einer weiteren viertel Stunde Warten auf die Vorband begann schließlich das heißersehnte Konzert. Die Vorgruppe namens 'Deihart' war nicht annähernd so gut wie die Musikgötter Motorbrett, aber mit reichlich Alkohol waren sie noch einigermaßen zu ertragen. Nach 45 Minuten räumten sie endlich die Bühne, damit meine großen Idole die Bretter, die die Welt bedeuteten, betreten konnte. Vorher gab es allerdings noch eine lästige Umbaupause, die meine Nervösität ins Grenzenlose steigerte.

Nach weiteren fünf Minuten wurde dann urplötzlich das Licht ausgeschaltet. Jetzt war es soweit. Der größte Augenblick meines dreißigjährigen Lebens stand kurz bevor. Gleich würde die Band meiner Träume auf die Bühne kommen und mit ihrem wahnsinnigen Opener 'Meet The Bitch' die Halle rocken, wie sie noch nie zuvor gerockt wurde. Mein Puls hatte mittlerweile eine Höhe erreicht, wie er in der Geschichte der Menschheit zuvor sicherlich noch nie gemessen wurde. Das Gegröhle und die Freudenschreie der Menschenmassen waren ohrenbetäubend. Wie laut musste die Band erst sein, damit man deren musikgewordene Genialität in allen Nuancen wahrnehmen konnte?

Man hörte ein Grollen und Fauchen. Ich hatte in meinem Leben noch nie so ein täuschend echtes Intro gehört. Dann ertönte ein Geräusch, als wenn die Mauer zu meiner rechten eingestürzt wäre. So einen perfekten, täuschend echten Sound konnte man nur bei Motorbrett erwarten. Doch was war das? Wo schauten die Leute plötzlich alle hin? Wieso wendeten sie plötzlich ihre Blicke von der Bühne ab und sahen nach rechts? Wo kam der Staub her und wieso blickten alle so erschrocken drein? Ich beschloss, meinen Kopf ebenfalls in die Richtung zu drehen, in die all die anderen Zuschauer auch schauten. Was ich dann sah, konnte ich nicht glauben. Ich kannte dieses Lebewesen nur aus legendären Erzählungen in meinem Rockerclub, jedoch hätte ich es nie für möglich gehalten, dass es wirklich existiert. Doch jeglicher Zweifel war nun unangebracht, denn es stand direkt vor mir, das Monster des Heavy Metals!!!






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