12.02.2010

Das Monster des Heavy Metals

Das Gitarrenduell ()

Nachdem das Monster von seinem Motorrad gestiegen war und die Band zusammen mit den Fans headbangend zelebrierte, hörte es abrupt während des dritten Songs auf, seine wilde Mähne zu schütteln. Es erhob seine rechte Handfläche und streckte sie der Band, die das Zeichen sofort richtig deuten konnte, entgegen. Das Monstrum wollte, dass die Band aufhörte zu spielen, was sie unmittelbar danach auch geschlossen tat. Plötzlich herrschte eine unheimliche Stille im Saal. Was würde nun geschehen? Das Monster drehte sich zu mir und zeigte ohne jeden Zweifel mit seinem rechten Zeigefinger genau auf mich. Mit tiefer furchterregender Stimme fauchte der überraschende Gast des Konzerts: "Gitarrenduell!"

Das war nicht unbedingt das, was ich mir in meinen kühnsten Träumen gewünscht hatte. Ein Gitarrenduell gegen das Monster des Heavy Metals höchstpersönlich konnte man schließlich nur verlieren und wer weiß, was ich als Strafe für meine Niederlage erleiden würde. Gitarrenduelle kannte ich bisher nur von der Playway-Station meines besten Kumpels. Beim Spielen des Moduls 'Legendary Rock'n'Roll Heroes' hatten wir zwei uns schon so manches Duell geliefert, jedoch war das Heavy Hetal Monstrum garantiert aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als mein bester Freund, der dazu immer noch sternhagelvoll war, wenn er seine Spielstation aus seinem verstaubten Schrank kramte. Außerdem würde mich nun kein Duell auf Plastik-, sondern eines auf richtigen elektrisch-metallischen Gitarren erwarten. Leider beschränkten sich meine gitarristischen Fähigkeiten auf ein Minimum. Meine einzigen praktischen Erfahrungen erstreckten sich auf den Besuch eines VHS-Anfängerkurses, bei dem ich mehr schlecht als recht meine angerostete Wandergitarre malträtierte.

Ich folge dem Monster auf die Bühne, wo es mir eine der Ersatzgitarren meiner großen Idole Motorbrett reichte. Mein Gegner nahm sich ebenfalls eine Gitarre von einer der diversen Ständer und begann kurz später, das Duell zu eröffnen. Trotz seiner großen und dicken Finger legte mein Kontrahent ein unglaublich filigranes auf ausgetüffteltes Solo auf's Parket, was die Zuschauer ehrfurchtsvoll mit reichlich Beifall belohnten. Mir war klar, dass ich dem nichts entgegensetzen konnte, war mir aber darüber bewusst, dass die Menge nun auch von mir etwas erwartete.

Verzweifelt versuchte ich, mich an den C Dur-Akkord aus dem VHS-Kurs zu erinnern und als ich glaubte, den richtigen Fingersatz gefunden zu haben, schlug ich mit dem Plektron, das ich mir zuvor vom Klebestreifen eines Mikrofonständers abgezogen hatte, alle Seiten an. Was ich und die anderen Anwesenden daraufhin hörten, war alles andere als ein C Dur. Mein Akkord klang eher wie einer aus den abgefahrenen Songs der Anfangszeiten der legendären Band 'Fat Sabbat'. Die Zuschauermenge schien zum größten Teil aus Fans dieser Kultband zu bestehen. Nachdem der Akkord verklungen war, schaute ich in offene staunende Münder. Manche, die noch etwas von sich geben konnten, brachten nur ein knappes "Oh!" oder "Wow!" hervor. Ich schien das Publikum offensichtlich beeindruckt zu haben.

Das war auch dem Monster aufgefallen. Es wollte aber nicht wahrhaben, dass es jemanden gab, der ihm in einem Gitarrenduell das Wasser reichen konnte. Es spielte daraufhin ein so schnelles und technisch perfektes Gitarrensolo, wie ich es zuvor noch nicht gehört hatte. Dabei lief in meinem CD Player rund um die Uhr nichts anderes als Hard Rock und Heavy Metal, bei denen es vor Soli nur so wimmelte. Trotz der unglaublichen Vorführung des Monsters hielt sich der Applaus der Zuschauer, die noch sichtlich von meinem Akkord beeindruckt waren, diesmal in Grenzen.

Nun war ich wieder an der Reihe. Diesmal wollte ich ein D moll greifen, doch wieder klang der Akkord nicht nach dem, was ich zu spielen beabsichtigt hatte. Erneut musste ich mich total vergriffen haben und klang wiederum eindeutig nach Fat Sabbat. Die Menge hielt mich ohne Zweifel für einen großen Gitarrenhelden und brach in Begeisterungsstürme aus.

Das Monster konnte es nicht glauben, dass ich der große Gitarrenstar sein und es geschlagen haben sollte. Es ließ die Gitarre fallen und fing sofort wie ein kleines Kind an zu weinen. Mein besiegter Gegner hielt sich die Hände vor sein Gesicht und flennte hemmungslos vor sich hin.

Ein weinendes Monster des Heavy Metals? Damit hätte ich nie gerechnet. Ich spürte sofort Mitleid in meinem weichen Rockerherzen. Wie konnte ich das Monster trösten, was für Möglichkeiten gab es, es wieder aufzurichten? Würde ein Dauerlutscher wie bei einem kleinen Kind helfen und wenn ja, wo würde ich auf einem Heavy Metal Konzert so schnell einen Lolly herbekommen?






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