07.09.2008

Das Leben aus der Feder

Im Norden ()

4. Januar:

Die Familie im Norden hat mich sehr herzlich empfangen. Die Bekannte meine Mutter ist eine der nettesten Personen, die man sich vorstellen kann. Sie kümmert sich um mich, als wenn ich ihr eigenes Kind wäre. Auch ihr Ehemann ist sehr freundlich zu mir. Er ist das genaue Gegenteil meines Vaters. Gewalt und Missgunst scheint es in dieser Familie nicht zu geben, es ist alles so harmonisch um mich herum. Heute Abend haben wir die feinsten Sachen gegessen, die ich mir nur in meinen kühnsten Träume habe vorstellen können. Es gab Lachspasteten und ein erlesenes Pilzgericht. Die Familie scheint sehr wohlhabend zu sein.


5. Januar:

Die Freundin meiner Mutter nahm mich heute Morgen mit zum Markt. Sie kaufte mir die schönsten Kleidungsstücke, die dort angeboten wurden. Außerdem suchte sie für mich wunderschönen Schmuck für meine Ohren und für meinen Hals aus. Ich konnte gar nicht glauben, dass die Ohrringe und die Kette wirklich für mich sein sollten. Schließlich kaufte mir die nette Frau auch noch 2 schöne Fingerringe. Mit der Kleidung und dem Schmuck auf meiner Haut fühle ich mich wie neu geboren. Ich möchte sie am liebsten gar nicht ablegen, wenn ich gleich ins Bett gehe.


6. Januar:

Während wir heute am Mittagstisch saßen, wollte ich etwas über meine Mutter erfahren. Als ich nach ihr fragte, wurde das Ehepaar plötzlich so seltsam. Die beiden schauten ganz verlegen in ihre Suppe und versuchten vom Thema abzulenken. Was soll das alles? Was ist mit meiner Mutter geschehen, dass sich die zwei netten Personen so verändern, wenn man über sie spricht? Wieso reagiert mein Vater so erzürnt darauf, dass ich meiner Mutter so ähnlich sehe? Ich bin noch verwirrter und trauriger als vor meiner Ankunft. Ich will endlich dahinter kommen, was meiner Mutter widerfahren ist.


7. Januar:

Ich habe mich heute Abend in dem großen Garten der Familie auf eine Bank gesetzt. Eigentlich hatte ich vor, über alles nachzudenken und mir das Verhalten der Leute in meinem Umfeld zu erklären. Doch dazu kam ich nicht, denn während ich so dasaß und geradeaus schaute, sah ich plötzlich in der Ferne am Waldrand eine Hütte, die an das große Grundstück grenzt. Wie von Geisterhand geführt stand ich auf und ging zu dem kleinen Holzhäuschen. Ich öffnete die knarrende Tür, ging hinein und sah sofort die aufgewühlte Erde. Der Grund der Hütte war nicht mit Holzbalken oder Ähnlichem bedeckt, sondern bestand aus Waldboden. Vor kurzem musste noch jemand hier gewesen sein, denn die Erde war noch frisch.

Ich nahm mir einen Spaten, der an der Wand lehnte, und hob ein Loch aus, wobei kurz zuvor an derselben Stelle erst eines zugeschüttet worden sein musste. Nach etwa 10 Minuten Arbeit stieß ich auf einen harten Gegenstand. Nach weiteren 40 Minuten hatte ich das Hindernis freigelegt. Es war eine Metallkiste, in der problemlos eine erwachsene Frau Platz finden konnte. Meine Fantasie begann, Purzelbäume zu schlagen. War das der Grund, wieso die Bekannte meiner Mutter und ihr Mann sich so seltsam benahmen, wenn ich das Thema ansprach, was mich am meisten auf dieser Welt interessierte? Hatten die beiden wirklich meine Mutter hier vergraben?

Ich öffnete die Kiste. Sie war leer. Das einzige, was ich darin fand, war ein altes und verrottetes Stück Stoff, dessen Alter ich auf etwa 25 Jahre schätzen würde. Das ist genau die Zeit, die meine Mutter nun tot sein soll.






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