10.10.2013

Warten auf Übermorgen

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Kapitel 9

Im Leben von ihr ging es nicht mehr weiter. Während Andreas pausenlos PC und Kumpels um sich hatte, war Katja zum Hausmütterchen mutiert.Irgendwann gab ein Wort das Andere und das Ergebnis war, dass Andreas ausgezogen ist und zu seinen Eltern ging.

In 600km saß die Frau meines Lebens alleine mit zwei Kinder und war fertig.

Natürlich spendeten meine Worte ein wenig Trost, aber das war nicht genug. Ich erzählte ihr, wie es derzeit bei mir zuhause aussieht und auch über Ralph.

Es tat mir weh, sie traurig zu hören und sie nicht in den Arm nehmen zu können. 

Eines Tages hatte ich Spätschicht und fuhr mit dem Tankwagen zu einem Flugzeug, als mein Handy ging. Sabine war dran und wollte mir gute Nacht wünschen. Dann gab sie das Telefon an meinen Sohn weiter und fragte noch, ob ich denn Mama sprechen wollte. „Das geht nämlich nicht, weil sie mit Ralph was Trinken gegangen ist. Ich soll dir aber sagen, sie ist mit Manuela (unserer Nachbarin) zur Pommesbude.“ plauderte mein Töchterchen nur so drauf los.

Ich merkte, wie meine Halsschlagader anfing, zu pulsieren.
Also schmiedete ich Plan B. Zwei Tage später hatte ich immer noch Spätschicht, doch so gegen 20 Uhr wurde mir plötzlich so übel, dass ich nach Hause fuhr.

Und dort überraschte mich nicht, dass ein vertrautes Auto aus der Nachbarstadt vor unserer Tür stand.
Ich parkte mein Auto in der Seitenstraße und ging durch den Hintereingang ins Haus.

In der Wohnung traf ich Tina und Ralph in leicht verfänglichen Situation.

Ich schlug mit der Faust in sein Gesicht und schrie in an: „Trikots beflocken? Du Arsch hast die ganze Zeit meine Frau beflockt!“

Ich rannte die Treppe runter und rief noch im Hausflur: „Ich will die Scheidung!“ 

Die Scheidung sah so aus, dass meine Tochter bei mir blieb und mein Sohn zu meiner Ex. Zusammen mit Ralph machen sie nun ein auf Happy Family.

Während mein Arbeitsleben weiterging, allerdings nur auf Frühschicht, war ich noch gleichzeitig 100% - Papa und Hausmann. Störte mich ja nicht weiter, denn mir blieb noch genug Geld zum leben.

Mit Katja telefonierte ich fleißig weiter und schrieben über ein neues Chatportal. An einem langen Wochenende, wo Sabine auch noch zur Mama wollte, fuhr ich zum ersten Mal nach Tuttlingen.

Katja holte mich am Bahnhof ab und wir gingen in ihrer Stadt spazieren und abends essen.
Es war schön, sie wieder zu sehen. Wir sprachen über die letzten Jahre und über die Höhen und Tiefen die wir hatten.

Ich boxte ihr auf den Oberarm und sagte „Wir hätten damals heiraten sollen, dann wäre uns Vieles erspart geblieben!“

Sie lachte mich an und sagte nichts weiter dazu.

Am Sonntag, als wir zum Bahnhof gingen, erzählte sie mir nebenbei, dass sie Thorsten kennen gelernt hat. Thorsten wäre ein super Typ, hat ein eigenes Haus und sprach sogar von Heirat.

„Das willst du dir doch nicht wieder antun!“ fragte ich fast empört. Sie lachte mich nur an und umarmte mich, bevor ich den Zug nach Hause einstieg. 

Wir telefonierten in der ganzen Zeit mehrmals die Woche und immer wieder sprach sie von Thorsten und auch, dass er eben manchmal ein wenig komisch ist.

Und dann kam irgendwann die Nachricht: „Thorsten und ich wollen heiraten!“

Ich konnte erst mal nichts darauf sagen und fragte sie, ob sie es sich denn reichlich überlegt hatte.

Aber der Termin stand und sie teilte mir Datum und Uhrzeit mit, denn „Freunde für immer“ sind auch bei der Hochzeit dabei.

Als sich Katja und Thorsten das Ja—Wort gaben, saß ich zuhause vor dem PC und dachte an sie. Irgendwie wünschte ich, dass sie im letzten Moment noch nein sagt, aber das tat sie nicht.

Statt dessen kam eine SMS von ihr zwei Tage später, mit der sie mir sagen wollte, was für ein Arsch ich bin und wie enttäuscht sie war, an ihrem freudigen Tag nicht dabei gewesen zu sein.

„Katja, ich konnte nicht! Ich habe dich zwei mal verloren, ein drittes mal hätte ich nicht ertragen!“ Ich wäre gerne Andreas gewesen—ich wäre gerne Thorsten gewesen! Statt dessen sitze ich hier alleine mit meiner Tochter und bin einfach nur ich. 

Nach dieser SMS war Funkstille. Kein Anruf, keine SMS, kein Chat. 

Keine Katja.

 






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