10.10.2013

Warten auf Übermorgen

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Kapitel 7

Wir bekamen einen sehr schönen Winter und feierten Weihnachten mit Sabine, die ja nun auch mehr von dem Ganzen mitbekam.

Der Bauch von Tina wurde immer runder so dass man schon bald mit der freudigen Nachricht rechnen durfte.

Doch es zogen noch weitere Wochen hin und dachten schon, ein Karnevalskind zu bekommen. Doch den Rosenmontagzug konnten wir noch zu dritt ansehen so dass ich auch am Dienstag wieder ganz normal nach Düsseldorf fuhr.

Dann irgendwann der Funkspruch: „Komm bitte langsam ins Tanklager, mache die Papiere in Ruhe fertig und fahre nach Hause. Deine Frau hat eben angerufen, dass die Wehen einsetzen!“

In Ruhe—der ist ja lustig am anderen Ende im Büro…

Nachdem ich geduscht hatte, fuhr ich auf direkten Wege ins Krankenhaus, wo mein Schwiegervater mich bereits begrüßte.

Meine Frau lag bereits im Kreissaal und kurioserweise die selbe Hebamme wie bei unserer Tochter.

Mit einem fröhlichen Blick streichelte sie den Bauch von Tina und sagte „So Mädel, um 18:00 Uhr habe ich Feierabend, bis dahin ist die Sache hier durch!“

Sie war eine Ruhrpottfrau durch und durch und daher lachten wir darüber.

Um 18:09 Uhr war unser Sohn geboren. Ich durfte Bastian baden und vorher die Nabelschnur durchtrennen was für mich ein sagenhafter Moment war. 

Markus hieß der Sohn von Katja, der nur 6 Wochen nach Bastian zur Welt kam… 

Katja entwickelte sich immer mehr zur Hausfrau und Supermutti während sich Andreas die Abende vor dem PC mit Kumpels vergnügte.

Das also war Familienglück.

Immer öfter blieb Katja abends alleine und meldete sich bei einem Chatportal im Internet an. Sie nannte sich Locke32 und irgendwann rief sie mich mal wieder an um zu fragen wie es mir geht. Dabei erwähnte sie dieses Portal. Natürlich meldete auch ich mich dort an und so konnten wir immer zwischendurch schreiben und uns auf den Laufenden halten. 

Sie schickte Fotos von sich und den Kids und auch ich versorgte sie mit heimischer Information. Im Grunde genommen blieben wir unserem „Freunde für immer“ treu und lebten unser Leben. Sie dort unten, ich hier im Ruhrgebiet.

Trotz intensiven Schreiben blieb es ein eher sporadischer Kontakt denn ich hatte nicht so die Zeit für Internet wie sie.

Irgendwann schlief die ganze Sache wieder ganz ein.

Doch immer mehr musste ich zwischendurch an sie denken. Ich wurde älter, habe aber vom Leben noch nicht viel gehabt.

Meine Modellbahn wurde abgebaut und reduzierte sich auf eine Sammlung in einer Holzvitrine im Flur. Während Tina Kristallfiguren sammelte und von einer Börse zur nächsten fuhr, war ich mit den Kids auf den Bahnhöfen im Umkreis unterwegs um wenigstens ein wenig Bahnfieber zu spüren. 

Essen Hauptbahnhof, 17:02 Uhr. Mit meinem Sohn wollte ich ein Foto der neuen Intercity—Lok machen, die eben im Bahnhof einfuhr. Klick, Bild gemacht, glücklich und warten wie der Zug aus dem Bahnhof fährt.

Als ich auf das Zuglaufschild sah, kam ein Grinsen ins Gesicht. Da stand in schwarzen Lettern auf weißen Grund doch tatsächlich TUTTLINGEN. Wer das Lied „Ich war noch niemals in New York“ kennt, weiß, wie ich mich in diesem Moment fühlte.

Ich war noch niemals in Tuttlingen... 






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