10.10.2013

Warten auf Übermorgen

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Kapitel 6

Wie es der Zufall so wollte, war der 30.04. mein erster Arbeitstag. Dafür durfte ich aber am 01.05. zuhause bleiben.

Nach wenigen Tagen Einweisung in die Sicherheit und den Vorschriften des Flughafen durfte ich dann mit meinem Kollegen Dietmar mitfahren.

Dietmar war 58, erzählte nicht viel Privates und erklärte nur ruhig und sachlich die Betankung von Flugzeugen.

Gegen Mittag stellten wir uns mit dem Tankwagen etwas abseits vom Vorfeld und warteten auf einem neuen Auftrag per Funk.

„Ich mache gerne so mystische Spiele wie Karten legen und Zukunft vorhersagen“ sagte er ungefragt. „Suuuper“ war meine ironische Antwort.

„Okay, dann gib mir mal deine Hand und ich sage dir was über deine Vergangenheit“ und zog dabei an meiner rechte Hand.

Auf ihr drückte und streichelte und drehte er nur so herum um tat so, als würde er gerade die Titelseite der Bild studieren.

„Gut, fangen wir an“ klang oberschlau von ihm, „du wirst auf jeden Fall ein hohes Alter erreichen, weil in deiner Familie Alle alt werden und geworden sind.“ „Oha, woher weiß der das?“ dachte ich mir so. 

Meine Uroma wurde 97, Uropa 94, Opa 76 und Oma ist vor kurzen mit 92 gestorben. 

Er erzählte mir noch viele Dinge die mich verblüfften und erzählte mir was zu meiner Ehe. „Deine Ehe wird wie eine Achterbahnfahrt sein. Sie wird Höhen und Tiefen haben, schöne Momente und weniger schöne. Aber sie wird wie eine Achterbahnfahrt irgendwann abrupt beendet sein.“ 

Das musste ich erst mal sacken lassen… 

Katja hingegen zog in die erste gemeinsame Wohnung und am 31.12. kam Tochter Janina zur Welt. Sie kümmerte sich rührend um Wohnung und Tochter während Andreas halt seine Arbeit machte und einmal die Woche ins Fitness Studio fuhr. 

Somit hatte der Alltag Katja schnell eingeholt. Nur zwei Monate später kam bei uns Tochter Sabine zur Welt und Katja erfuhr es per Telefon. 

Das war dann auch fürs Erste das letzte Mal, dass ich ihre Stimme gehört habe. Andreas fand es blöd, dass wir telefonierten und auch Tina rollte mit den Augen, wenn sie den Namen Katja hörte. 

Mein Job hingegen war ein Glücksgriff. Zwar musste ich auch am Wochenende und abends arbeiten, doch wenn die Lohnabrechnung kam, schoss gleich ein  leichtes Grinsen ins Gesicht. 

Unsere Planung ging weiter und wir wollten auf jeden Fall ein Geschwisterkind. Wir suchten uns in unserer Stadt eine schöne 4,5—Raum Wohnung die wir ja dank meinem Lohn und der Nebentätigkeit von Tina an einer Tankstelle ganz leicht finanzieren konnten. 

Doch bis es soweit war, gingen noch Monate ins Land und kurz vor Weihnachten—Sabine war 33 Monate alt—klingelte das Telefon.

„Hallo, Katja ist hier!“  klang die vertraute Stimme. „Wir sind über Weihnachten in deiner Nähe. Sollen wir vielleicht kurz rum kommen? Würde dich gerne wieder sehen!“ 

Obwohl Tina nicht gerade Luftsprünge machte, freute auch sie sich über den Besuch. Janina und Sabine standen neben einander und spielten mit den Sachen, als würden sie sich schon Jahre kennen.

Auch waren beide Mädchen dunkelhaarig und trugen zufällig fast die gleichen Sachen.

Auf einem Foto, was ich machte, sagte Tina einmal zu mir „Das könnten Geschwister sein!“ und zweifelte ein wenig an meine Treue. 

Bei diesem netten Abend kam dann auch noch zur Sprache, dass beide Mädels bald ein Geschwisterchen bekommen werden. 

Wir lachten und freuten uns gemeinsam.

Nachdem wir dann diesen tollen Abend beendeten, war der Abschied nicht mehr so schwer wie damals beim Polterabend. 

Katja stieg in den Wagen und ich stand auf dem Balkon. Sie blickte lange zu mir hoch und ich sah in ihre Augen. „Freunde für immer!“ 

Das sind wir immer noch und werden es bleiben. 






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