10.10.2013

Warten auf Übermorgen

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Kapitel 3

Die letzte leuchtende Blume schoss in den Himmel, dann zwei Kanonenschläge und es wurde still. Unheimlich still sogar. 

Ich setzte mich auf eine Bank und Katja setzte sich wortlos neben mich. Lange starrten wir zu Boden denn wir beide wussten, dass es nun heißt, Abschied nehmen.

Plötzlich schoss ihr eine Idee in den Kopf. Sie rief: „Wie lange sind wir nun ein Paar?“ Ich schaute sie an und sagte eher fragend „Vier Jahre!?“    „Genau“ rief sie noch ein wenig lauter. „Und in dreißig Jahren werden wir zwei uns hier an dieser Stelle wieder treffen. 30 und vier. 30.04.!“

 Ich war begeistert von ihrer Freude in der Stimme aber auch wehmütig, denn dreißig Jahre sind eine Zeit. So alt war ich nicht einmal. 

Hand in Hand gingen wir von diesem Turm zum Auto. Meine Hand zitterte, als ich den Schlüssel ins Zündschloss steckte.

Die letzte gemeinsame Fahrt. Ein letztes Mal diesen Wagen starten und die schönste Frau der Welt auf dem Beifahrersitz haben. 

Mir brach gerade das Herz, doch weil ich wusste, dass auch sie nicht glücklich über diese Entscheidung war, sprachen wir nicht darüber. 

„Bitte rufe mich an, sobald du dort Telefon hast!“ bat ich sie. 

Vor der Tür ihrer Eltern nahm ich sie noch einmal fest in den Arm und küsste sie lange und zärtlich. Ich hielt ihre Hand beim Aussteigen und sagte ihr leise: „Bis in dreißig Jahren—ich liebe dich und werde dich immer lieben!“  Sie sah mich an und sagte: „Freunde für immer!“ 

Wie ich die Fahrt zu mir nach Hause überstand, weiß ich nicht. In der Nacht lag ich noch lange Zeit wach und dachte an die vergangenen Jahre nach. Hätten wir eine Chance gehabt, wenn sie hier geblieben wäre? Nein—ich denke mal nicht, denn wir waren zu jung und zu wild. 

Aber ich werde sie ja bald wieder sehen. An einem 30.04. in nur dreißig mal 365 Tage. Es gibt schlimmeres. 

Nein, im Moment gibt es nichts Schlimmeres. Was ist schlimmer als ein gebrochenes Herz obwohl wir uns lieben? 

Am nächsten Morgen ging ich auf eine Ausstellung für Modelleisenbahnen. Meine Gedanken aber waren bei ihr.

Ob sie jetzt gerade ins Auto steigen? Ob sie schon auf der A430 sind? Ob ihr Vater sich das doch überlegt hat? 

Ich lief ohne Ziel über diese Ausstellung und fühlte mich einsam. So ein Gefühl hatte ich noch nie in meinem Magen.

So leer—so einsam. 

Doch ich musste lernen, nach vorne zu sehen und mich wieder auf das Alltagsleben freuen. So schwer wie es mir auch immer fallen wird. 

Nach der Ausstellung fuhr ich durch ihre Straße. Dort, in der Wohnung, wo wir immer glücklich waren, sind nur noch leere Fenster ohne Leben dahinter. 

Das war für mich nun das Endgültige— sie wohnt nicht mehr hier. 

Über viele Umwege fuhr ich nach Hause und hoffte, dass irgendwann mal der Anruf kommt, dass sie angekommen ist und es ihr gut geht. 

Ich wartete drei Wochen. Als eines Abends das Telefon ging, war es aber nicht sie sondern ein Kollege.

„Hey, du alter Sack—heute ist Neue Deutsche Welle Party im Henry“ rief er in den Hörer. „Mach dich fertig und komm mit!“

Klar, mal wieder etwas Anderes sehen wird mir sicherlich gut tun.

 






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