10.10.2013

Warten auf Übermorgen

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Kapitel 2

Viele weitere glückliche Stunden zogen ins Land. Jede auf ihre eigene Art prickelnd und schön. Und einmalig.

Da sie nur Verkäuferin lernen sollte, waren die zwei Jahre schnell vorbei.

Ich fuhr sie zur Prüfung nach Marl und starb 1.000 Tode vor der Tür, bis sie freudestrahlend mit dem Prüfungsbrief in der Hand aus dem Laden kam.

Zwei weitere Jahre zogen ins Land und ich dachte, nachdem ich eine Prüfung als stellvertretenden Filialleiter erfolgreich bestanden hatte, beschlossen wir, das mit ihr irgendwie zu feiern.

Ich lud sie zu einem schönen Wochenende in Berlin ein. Als Hobbyeisenbahner fuhren wir mit dem Intercity dort hin und besuchten alle Sehenswürdigkeit in der frisch vereinten Stadt.

Doch so schön das Wochenende auch war, so ernüchternd war der Tag danach zuhause. Ihr Vater bat mich in die Wohnung, als ich sie abends abholen wollte. Nicht, dass es außergewöhnlich war, dass ich in die Wohnung durfte—nein, außergewöhnlich, weil wir ja eigentlich ins Kino wollten und ihr Vater weiß, dass der Film auch ohne uns anfangen würde.

Leicht irritiert betrat ich das Wohnzimmer. Dort saßen Katja und ihre Schwester mit Mutter. „Das was ich dir jetzt sage, wird dir sicherlich nicht gefallen“ begann er ohne große Umwege zu reden. „Ich habe einen neuen Job im Schwarzwald in Führungsposition und werde dort hin ziehen. Und nach Beratung mit der Familie wird auch Katja mitkommen.“

Sie saß am Tisch, ihre Augen glänzten, als würde dort gerade eine Träne fließen. Und ich stand da und wusste nicht, was ich sagen sollten. „Wann wie was“  stammelte ich.

Wir werden hier die Zelte bereits mitte April abbauen und am 01.05. gegen Mittag fahren.

Es war gerade so, als würde der Intercity, der uns noch glücklich nach Berlin fuhr, gerade durch mein Herz und Magen donnern.

Das kann es doch nicht sein schoss mir in den Kopf und als Katja aufstand und vor mir weinte, konnte auch ich mich nicht mehr halten.

„Bitte lasse uns die letzten sechs Wochen noch genießen als stünde der letzte Tag bevor“ bat sie mich. Der letzte Tag…

Immer wieder aufs Neue hatten wir wunderschöne Abende. Doch je näher der Tag rückte um so mulmiger wurde das Gefühl in meinem Magen.

Dann war es soweit. Wir hatten den 30. April und wir schlenderten über die Frühjahrskirmes im Südpark.
Am Lebkuchenstand kaufte sie mir ein Herz mit der Aufschrift „Für immer dein!“ was ich mir um den Hals hing. Riesenrad, Backfisch, Colabier, Kettenkarussell, Mandeln…   Zumindest konnte ich es darauf zurück schieben, dass mein Magen gerade kollabierte.

„Hey“ flüsterte sie mir ins Ohr, „sollen wir das Feuerwerk auf dem Berg mit dem Bismarckturm gucken?“

Das war doch keine Frage—selbstverständlich!

So standen wir auf diesem Berg, ich dicht hinter Katja und sie eng umschlungen und warteten auf die bunten Lichter am Himmel.

Jetzt ging es los—es dröhnte richtig in den Magen und ich wünschte, dieses Feuerwerk würde niemals enden.

Denn ich weiß—das Ende vom Feuerwerk ist auch das Ende einer großen Liebe.

 






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