10.10.2013

Warten auf Übermorgen

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Kapitel 1

Der 30. April—ein schöner Samstag Morgen bei herrlicher Frühlingssonne im Herzen des Ruhrgebietes. Auf den Grashalmen im Landmarkenpark mit dem Bismarckturm leuchtet der junge Morgentau.
Über den Weg durch diese Landschaft zum Aussichtspunkt mit dem Turm läuft ein Mann. Leicht gebeugt, die Haare ergraut. Bessere Zeiten hat er schon gesehen. Auf jeden Fall aber glücklichere Zeiten.

Sein Blick ist auf dem Boden fixiert. Nur ab und zu nimmt er sein Smartphone in die Hand und wirft einen flüchtigen Blick auf das Display. Dan verschwindet es wieder in seine Jackentasche.

Wie lange dieser Mann schon nicht mehr hier war. Er kann sich nicht mehr daran erinnern. Wohl aber an einen ganz besonderen Tag. Der letzte Tag im  April vor genau 30 Jahren.

Da stand dieser Mann mit seiner ersten großen Liebe an diesem Turm und sah dem Feuerwerk der Frühjahrskirmes zu.

Diese Jugendliebe hieß Katja und der Mann—der bin ich.

 

Vor über dreißig Jahren war ich gerade mit meiner Ausbildung als Kaufmann fertig und als Angestellter dort im Betrieb weiter tätig.

Eines Tages kam sie die Treppe zum Verkaufsraum herunter, zusammen mit unserem Juniorchef, der sie vorstellte als Katja, die hier ihre Ausbildung machen wird.

Mit einem strahlenden Lächeln und leuchtenden braunen Augen schaute sie in der Runde und ich muss gestehen, vermutlich lachte sie mich ein wenig aus, weil ich sehr wortkarg dort stand und vergaß, mich vorzustellen. Ich hatte gerade eine Beziehung beendet und habe auch schon hübsche Frauen gesehen. Aber ihr Anblick war nicht von der Art „Du bist aber eine Hübsche“ sondern „Das ist sie!“

In den folgenden Tagen nutzte ich jede Gelegenheit, mit ihr ein paar Worte zu wechseln und nach fast einer Woche schaffte ich es dann, sie nach Hause zu fahren.

Mit der Zeit entwickelte sich eine richtig tolle Freundschaft zwischen uns, die sich auch nicht davon beirren lies, als ich zur Bundeswehr musste. Nebenbei jobbte ich noch ein wenig und sie kam auch ganz gut voran mit der Ausbildung.

Eines Abends fuhren wir zwei nach Essen um dort eine Pizzeria zu besuchen. Sie saß mir gegenüber und diese Augen von ihr blickten mich an. Wir stießen mit Rotwein an und beschlossen ewige Freundschaft! Diese ewige Freundschaft besiegelten wir mit einem Kuss. Der Anfang einer wunderbaren Beziehung und Freundschaft.

Das Wochenende gehörte immer uns und ich half ihr bei der Ausbildung wo es nur ging. Selbst auf der Arbeit schmunzelte man über unser Liebesglück. Doch damit konnten wir leben. Ja, Leben konnten wir. Egal ob es Feiern waren oder einfach nur irgendwo spazieren gehen. So zum Beispiel im Park mit diesem Turm.

Eines Nachts liefen wir zwei bei Regen diesen Weg entlang. Eine gespenstische Magie hatte der Mond, der schaurig durch die Regenwolken schien. Völlig durchnässt kamen wir an diesem Turm an. Hier, im strömenden Regen, nass bis auf die Haut, kamen wir uns plötzlich so nah wie noch nie zuvor.

Der Regen prasselte auf unser Gesicht. Unsere Hände berührten die nasse Kleidung aber wir genossen diesen Moment. Das war nicht Liebe—das war Leidenschaft.

 






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