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Rezension "Das Ende der Geduld"



„Wenn wir nicht rasch und konsequent handeln, wenn wir unsere Rechts- und Werteordnung nicht entschlossen durchsetzen, werden wir den Kampf gegen die Jugendgewalt verlieren.“ Kirsten Heisig

Auf 200 Seiten gelingt es Kirsten Heisig hervorragend diese Forderung gehaltvoll, spannend, bildhaft, schockierend, aber manchmal auch humorvoll um zu setzen.

Die Autorin beschreibt sehr gut geordnet Situationen an Hand von Fallbeispielen, Da wird sehr plastisch das Versagen von Familien, Behörden, Politik und Gerichten heraus gearbeitet. Auf juristische Floskeln und Begriffe wird völlig verzichtet. Die Kapitel sind gut strukturiert und gestatten einen umfassenden Einblick in die Gesamtproblematik, nicht ohne auf Lösungsansätze zu verzichten. Dabei ist besonders der Blick über den Gartenzaun auf andere europäische Großstädte, wie London, Oslo und Rotterdam sehr hilfreich. Kirsten Heisig beschränkt sich nicht auf das Problem der MigrantInnen, sondern weist durchaus plastisch nach, das die Jugendkriminalität ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und auch vor den sogenannten Ur-deutschen Familien der Unter- und Oberschicht nicht halt macht.

Der Leser erlebt in dem Buch eine Reise durch Berlin, das Berlin, dass von der Politik so gern ausgeblendet wird. Sie lässt auch Stereotype nicht zu: „recht Ecke Pankow“ bis zur „linken Ecke Friedrichshain“(34-36). Ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist für Sie zu Recht immer auch ein flächendeckendes Problem. Im Kapitel „Wir sind die Guten-Jugendliche aus besserem Haus“(42) wird das besonders deutlich. Sie will alle gesellschaftlichen Kräfte beteiligen und wachrütteln, manchmal sehr drastisch. Aber zu gleich auch handhabbare Lösungen für alle von den Familien bis zur Politik anbieten (Neukölner Modell 177 ). Diese Lösungsansätze und dass macht das Buch so wertvoll, ziehen sich durch alle Kapitel, erfahren aber am Ende im Abschnitt Empfehlungen(196) besondere Würdigung.

Im Buch wird niemand abgestempelt, beleidigt oder entlarvt. Ursachen werden schonungslos benannt. Es ist aber schon erstaunlich, dass in diesem entlarvenden und teilweise schockierenden Buch Humor und auch lyrische Elemente ( Johns Gedanken „Finsternis“ 41 ) nicht zu kurz kommen. In die Seelen gestrauchelter Jugendlichen und Intensivtäter blicken zu dürfen ist ein unbestrittenes Verdienst der Autorin.

Kerstin Heisig reiht nicht einfach Kapitel aneinander, sondern zieht, nach dem Sie sich der Jugendkriminalität, den Jugendrichtern, den sogenannten Rechten und Linken und Intensivtätern gewidmet hat eine nachvollziehbare Zwischenbilanz (100). Schon erwähnt, aber nochmal verweisen sollte man besonders auf die länderübergreifenden Betrachtungen(154-168) und uns auch die Frage stellen: Warum tun wir uns so schwer von anderen zu lernen, denn nur dann, so Heisig können wir auch erkennen wo wir besser sind ( 175).

Zusammenfassend kann festgestellt werden. Ein wichtiges Buch, das leider nach kurzer Kenntnisnahme offensichtlich von der Politik, allen anderen Entscheidungsträgern und auch von den KollegInnen der Autorin bei Seite gelegt wurde, zu unrecht. Dieses Buch sollte für Juristen, Polizisten, Jugendsozialarbeiter und Kommunalpolitiker Pflichtlektüre sein. Aber auch Eltern, Lehrer und die Jugendlichen selbst sollten zu ihm greifen. Aufwachen, bevor es zu spät ist. Für Kerstin Heisg ist die Zeit der „Kuschelpädagigik“ endgültig vorbei (102-115).

„Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie es in dieser Gesellschaft weitergehen soll. Und wir müssen handeln. Jetzt.“ (10)

Diese Buch verdient die Höchstnote: 5 Sterne (von fünf)

Kirsten Heisig

War bis zu ihrem Tode Ende Juni 2010 Jugendrichterin an Deutschlands größtem Amtsgericht, dem Amtsgericht berlin-Tiergarten.

Kirsten Heisig

Das Ende der Geduld – Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter –

HERDER Freiburg, Basel, Wien 2010 (205 Seiten)

Rezension: Pilatus

Rezensent: Redaktion



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