12.09.2007

Das Duell zwischen Marcel und Andreas

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Es war Highnoon. Die beiden schritten entschlossen auf die staubige Straße, nachdem sie kurz zuvor noch ihr Bier im Saloon geleert hatten. Jetzt standen sich die zwei gegenüber. Marcels Augen verkleinerten sich zu Schlitzen, die Konzentration war in seinem Gesicht deutlich zu erkennen. Andreas hingegen sah nach außen sehr entspannt aus, doch innerlich brodelte es in ihm. Seinen Hut hatte er weit in die Stirn gezogen, seine Arme hingen locker herab, die Griffe seiner Pistolen waren nur Zentimeter von seinen Fingerspitzen entfernt.

Plötzlich flog ein Vogel knapp über den Kopf von Andreas, der kurz zuckte, als er den Windzug des Federviehs verspürte. Durch diese ruckartige Bewegung rutschte der Hut von Andreas weiter herab, so dass er nichts mehr außer dem Inneren seiner Kopfbedeckung sehen konnte. Marcel sah das Schauspiel und krümmte sich vor Lachen. So etwas Witziges hatte er bei einem Duell wirklich noch nie gesehen, und er hatte schon einige davon bestritten.

Marcel lag mittlerweile am Boden und konnte sich nicht mehr einkriegen. Als Andreas den Hut abnahm und seinen Kontrahenten auf der anderen Seite liegen sah, packte ihn die Wut. Wie konnte es jemand wagen, sich so über ihn lustig zu machen. Er warf seinen Hut in den Staub und schritt auf Marcel zu. Er schaute ihn so grimmig an wie es einem Menschen überhaupt möglich war. Das Gelächter seines auf dem Boden liegenden Gegner wurde allmählich leiser und verstummte schließlich völlig. Marcel schien den Ernst der Lage begriffen zu haben. Blitzschnell richtete er sich auf und beide standen sich nun nur zwei Meter von entfernt gegenüber.

Andreas war nun zu allem bereit. Von seinem Kontrahenten bei einem Duell ausgelacht zu werden war das Schlimmste für einen Cowboy und erst recht für so einen gefürchteten wie Andreas. Marcel erkannte die Wut, die in den Augen seines Gegenübers brodelte. Er musste schnell reagieren und durfte nicht mehr viel Zeit verlieren. Er schaute nach links und sah dort die große Regentonne, die vor dem Saloon stand. Sie war nur ca. 5 Meter von ihm entfernt.

Marcel machte zwei schnelle Schritte und schließlich einen großen Sprung um sich hinter der Tonne zu verstecken. Doch bevor er seinen Körper durch das große Fass schützen konnte, hatte Andreas bereits seine Pistole gezogen und einen Schuss abgefeuert. Die Kugel verfehlte Marcels Schulter nur knapp. Andreas konnte das Aufatmen des erleicherteten Kontrahenten hören, während dieser sich mit dem Rücken gegen die Regentonne gelehnt auf den staubigen Boden setzte. Einen Augenblick später durchlöcherte Andreas mit zwei weiteren Kugeln die Tonne, aus der daraufhin das sich darin befindene Wasser floss. Marcel hatte Glück, denn er wurde nicht getroffen. Er zog seine Pistole und schoss 2 mal auf Andreas ohne ihn dabei zu erblicken. Lediglich seine rechte Hand war hinter seinem hölzernen Schutz zu sehen. Die Kugeln zischten nur knapp am Kopf vom immer noch wütenden Cowboy Andreas vorbei. Bevor er wusste wie ihm geschah, fielen zwei weitere Schüsse. Doch auch die trafen nicht das Ziel, auf das Marcel gefeuert hatte. Andreas war immer noch unversehrt und war fest entschlossen, seinem Gegner eine Lektion zu erteilen. Er verhielt sich ganz leise und machte nichts um Marcel zu verunsichern. Irgendwann musste er ja hinter seinem Faß hervorschauen um die Situationslage zu überblicken.

Nach einigen Augenblicken der Stille schaute Marcel mit seinem Kopf hinter der Regentonne hervor. In Bruchteilen von Sekunden flogen ihm zwei Kugeln an seinem Hals vorbei, die ihn nur um Haaresbreite verfehlten. Marcel versteckte sich schnell wieder hinter seinem Schutz und nahm selbst seine Pistole in die Hand um seine zwei letzten Kugeln auf Andreas zu feuern. Er wusste nun nach seinem Blick auf die Straße, wo Andreas stand und schoss wieder ohne sein Ziel zu sehen. Auch diesmal blieb Andreas unversehrt, denn die Kugeln landeten im Sand, da Marcel diesmal die Schüsse nicht hoch genug angesetzt hatte. Marcels Munition war nun verbraucht. Nur Andreas hatte noch eine Kugel im Lauf, die er wohl überlegt nutzen wollte. Er schreitete langsam auf das Fass zu bis er direkt davor stand. Andreas wartete kurz um zu sehen, wie Marcel sich nun verhalten würde. Es gab kein Zurück für seinen Kontrahenten. Er war in der Falle und konnte weder selbst eine weitere Kugel abfeuern noch konnte er fliehen, ohne dass ihn Andreas mit seinem letzten Schuss traf.

Marcel konnte nicht mehr länger warten, da sich die Situation zuspitzte. Er stand blitzschnell auf, so dass Andreas ihn sehen konnte, der genauso schnell seine Pistole in Marcels Richtung hielt und abfeuern wollte. Geistesgegenwärtig schlug der in der Falle Sitzende seinem Gegenüber die Pistole aus der Hand, wobei sich der letzte Schuss löste. Der Revolver landete im Sand und niemand der beiden konnte erkennen, wo die Kugel hinflog.

Die zwei schauten sich mit ungewissem Blick in die Augen. Wie sollte das Duell weitergehen? Keine hatte mehr Munition in seinem Lauf um seinen Gegner niederzustrecken. Andreas, der vorher nie in eine solche Situation geraten war, hatte ein Idee: "Lass uns die Sache hier so entscheiden, wie es zwischen zwei echten Männern angemessen ist. Die Entscheidung wird am Tresen fallen. Wer zuerst vom Hocker fällt, hat das Duell verloren." ...



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