15.06.2011

Die Drogenattrappe

()

Bild zu Der Stift rutschte zischen ihren schwitzigen Fingern hin und her. Jasmin’s Blick huschte durchs Klassenzimmer.Ihre Mitschüler waren in ihre Arbeit vertieft. Keiner konnte sich in ihre Situation versetzen.Wie auch, sie alle lebten ihr normales, steriles Leben, in ihren normalen, sterilen Häusern mit ihren normalen, sterilen Familien.
Schon zehn Minuten sind vergangen, dachte sie hoffnungslos.
Wär’ ich doch nur nicht so naiv gewesen...
Die Wohnzimmeruhr schlug vier Uhr Nachmittag.Sein Blick war fordernd und durchbohrend zu gleich. Ihr Herz schlug mit einmal schneller. ,,Wo hat du es versteckt?“, seine Stimme klang genervt. Krüger ballte die Fäuste. ,,Ich weiß es nicht mehr..., ich...“ ,,Ständig diese Ausreden!“ schrie er und spuckte ihr versehentlich ins Gesicht. Resigniert wischte sie sich über die Wangen, schlug die Hände über ihrem Kopf zusammen und schloss die Augen. So einen Stress konnte sie nicht mehr lange aushalten! Dazu noch die morgige Klassenarbeit in Mathe. Frau Meier war schon streng genug, eine verhauene Note würde sie ihr nicht auch noch durchgehen lassen. Ihr Gedankenstrom war angeregt wie nie zuvor. Musste er sie auch so unter Druck setzen? Reichte es nicht, dass er ihr bis nach Hause folgte, nur um wieder einmal zuhören, dass sie kein Geld hatte?
 Mit den Gedanken wieder bei Krüger, überlegte sie, ob sie es wirklich tun sollte. Immerhin hatte Jasmin schon alles vorbereitet. Auf einmal wusste sie was zu tun war. Mit gespieltem Selbstbewusstsein richtete sie ihren Blick genau auf Krüger und sagte: ,, Ich weiß wieder wo er ist...ich hab ihn in meiner Tasche“. Zufrieden und mit abschätzigem Blick beobachtete er, wie sie sich bückte und die Tasche öffnete. Sie holte eine kleine Tüte mit weißem Pulver hervor, legte sie auf den Tisch und lehnte sich zurück. ,, Geht doch“, er nickte langsam. Es kribbelte ihr überall auf der Haut. Hoffentlich merkt er nichts, betete sie. Während er in die Tüte blickte und versuchte, das Gewicht abzuschätzen, deutete er mit zwei Fingern in Richtung Tür.
Unbeholfen stand sie auf, ging schnellen Schrittes zur Tür und rannte. Rannte was das Zeug hält, rannte, nie wieder würde sie zu ihm zurückkehren. Egal was er ihr bot. Ihre Füße waren taub, wie in Trance rannte sie immer weiter, bemerkte nicht den Schrei, der aus der Richtung Krügers kam, nicht die neugierigen Blicke der Nachbarn. Erst als sie die Haustür zu schlug, holte sie tief Luft und sackte am Boden zusammen.
Eine raue Stimme riss sie aus den Gedanken. Als sie aufblickte, sah sie, wie ein Polizist mit ihrer Lehrerin sprach. Er deutete mit einem Finger in ihre Richtung. Ihr war nun klar, was passieren würde. Krüger hatte die Drogenattrappe durchschaut und sie bei der Polizei angeschwärzt. Alle Augen waren auf sie gerichtet.
Langsam erhob sie sich von ihrem Platz.



Literatur News

Social Media

Letzte Einträge

Mein Werk eintragen!

- neu - bearbeitet

Gsf Buchtipp



Rezension

Aktionen / Gewinnspiele



Mein Gewinnspiel starten

Worthupferl


Mehr Worthupferl? Klick!
nach oben