29.11.2010

Universe Of Sound

() Gsf Science Fiction 2010

Musik ist Freude, Musik ist Emotionen. Musik führt zu Sympathien, wenn jemand anderes dasselbe empfindet wie man selbst, wenn die geliebten Frequenzen das Trommelfell erreichen. Musik ist aber auch Abneigung. Man möchte mit so manchem Zeitgenossen nicht im selben Raum sein, wenn er seine Lieblingslieder hört. Doch nicht genug damit, dass man nicht nur seine Musik nicht mag. Häufig verbindet man auch einen gewissen Charakter mit dem Hören einer bestimmten Musikrichtung. Deshalb bleibt es nicht dabei, dass man mit den Andersartigen nicht den Raum teilen möchte, irgendwann möchte man noch nicht einmal mehr in der selben Stadt wohnen. Später möchte man mit ihnen nicht mehr in einem Land leben, am besten sollte sie sogar viel Wasser von uns trennen. Sie sollen auf einem anderen Kontinenten leben, aber am liebsten natürlich auf einem eigenen Planeten.

Es war also unvermeidlich, dass sich über die Jahre die Menschen voneinander trennten, bis es schließlich für jede Musikrichtung einen Planeten gab. Kannte man seine eigene musikalische Neigung, so kannte man auch den für einen selbst bestimmten Himmelskörper. Dort musste man sein Dasein fristen und konnte seine Lieblingsinterpreten, die natürlich auch auch auf den ensprechenden Planeten lebten, huldigen. Auf der Erde lebten die Schlager- und Volksmusikfans, auf dem Mond die Oldiefans und auf der Venus die Freunde der Pop- und Rockmusik. Die Hartgesottenen lebten auf dem Mars, wo sie den stahlharten Klängen von Black Sabbath und Co. lauschten. So lebten die Menschen viele viele Jahre voneinander getrennt auf ihren Planeten, ohne dass es zu irgendwelchen Ausschreitungen oder kriegsähnlichen Handlungen kam, denn sie waren glücklich mit ihrer Musik und ihres Gleichen. Doch eines Tages sollte dieser Umstand ein Ende haben. Wir schrieben das Jahr 2352, es war das Jahr, in dem Dirk Rändler 6 Jahre alt wurde.

Mutter Rändler fühlte schon bei seiner Geburt eine leichte Detonation der Macht des Heavy Metals, die vom Planetenmittelpunkt bis zu ihr vordrang. Doch Vater Rändler meinte stets, dass seine Frau, genauso wie viele andere Marsianer, die die Erschütterung zu diesem Zeitpunkt auch spürten, sich das nur eingebildet hätte. Allerdings wurde der große Metalfan eines Besseren belehrt, als er eines Morgens im Bett neben seinen geleerten Whiskeyflaschen lag und Klänge hörte, die ihm gänzlich unbekannt waren. Eine unerträgliche penetrante Melodie malträtierte seine Trommelfelle, so dass Vater Rändler sich auf der Stelle übergeben musste, was nicht an dem übermäßigen Konsum von Hochprozentigem lag, denn den war er bereits seit Jahren gewohnt. Sein Magen rebellierte schon lange nicht mehr dagegen, sondern forderte den Alkohol sogar. Was den langhaarigen Vater quälte, waren vielmehr diese widerlichen schmalzigen Frequenzen, die ihm arg zusetzten. Ihm blieb nur eine Möglichkeit. Er musste den Ursprung dieses Elends ausfindig machen.

Also bewegte sich der dickbäuchige tinitusbelastete Mitdreißiger durch seine Behausung, bis er schließlich vor Schock erstarrte, als er die Quelle des Elends entdeckt hatte. Er stand wie eine Salzsäule mit entsetztem Blick in der geöffneten Kinderzimmertür und sah, wie sein Sohn mit einem Kamm, welchen er als Mikrofonersatz mißbrauchte, im Bett saß und die gräßlichsten Tonfolgen und Textzeilen von sich gab, die sich ein Lebewesen vorstellen konnte. Vater Rändler wusste nicht, dass es sich bei dem Gehörten um deutschen Schlager handelte, denn er lebte seit seiner Geburt auf diesem Planeten und dort sieht das Gesetz bei einem Abspielen oder Selbstmusizieren dieser Musikrichtung eine harte Strafe vor. Darüber hinaus würde auch kein ernstzunehmender Marsbewohner so etwas Abartiges hören oder selbst kreieren. Also ist dem Metaller während seines gesamten Lebens niemals so etwas Verwerfliches in Sachen Musik untergekommen. Rändlers Sohn war offensichtlich das verkommenste Geschöpf, das diesen Planeten bewohnte. Sein Musikgeschmack war der beste Beweis dafür. "Neeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiin... Mein Sohn!", schrie Vater Rändler vor Enttäuschung und Entsetzen und sackte in sich zusammen. Währenddessen trällerte sein Sohn Dirk weiter die abscheulichsten Melodien, die man sich nur vorstellen konnte.

Niemand auf dem Mars konnte sich erklären, wie so ein Phänomen möglich war. Es kam schon mal vor, dass einem Kind Bands wie 'Cradle of Filth' oder 'Kreator' zu hart waren, aber dann blieb ihnen ja immer noch der gute alte Heavy Rock. Aber dass ein Sohn zweier eingefleischter Metaller das Verderben der Schlagermusik in sich trug, war fast unmöglich. Eine solche genetische Fehlentwicklung hatte es auf dem roten Planeten noch nie gegeben. Ein strenges Handeln war dringend notwendig, so dass das höchste Gericht noch am selbem Morgen tagte, an dem das oben beschriebene Unheil seinen Lauf nahm. Nach stundenlangen Verhandlungen wurde beschlossen, dass Dirk Rändler solange in eine Zelle mit schalldichten Wänden gesperrt werden sollte, bis er von seinem widerwärtigen Schlagerdämonen befreit werden konnte. Ursprünglich war ein lebenslanger Verweis auf die Erde vorgesehen gewesen, doch das fanden Dirks gepeinigte Eltern eindeutig zu hart. Auf diesem verruchten Planeten wäre er ständig mit dieser Abart von Musik konfrontiert und damit seine Verwirrungen noch verstärkt worden. Man musste ihm eine Chance geben, geheilt zu werden. Der Schutz seiner Mitmenschen, die unbedingt von dieser Musik verschont werden mussten, war davon abgesehen aber auch sehr wichtig. Also sperrte man den sechsjährigen Rüpel in die schalldichteste Zelle, die man auf dem gesamten Planeten zur Verfügung hatte.

Auf der Erde verfolgte man derweilen die Marsnews, die man sich auf gewissen illegalen Seiten im Megapowernet anschauen konnte. So erfuhren die Erdlinge von Rändlers Talent, wunderschöne Schlagertexte schreiben und herrlich singen zu können, denn in den News wurde ein kleiner Ausschnitt Dirk Rändlers Präsentationen aus seinem heimischen Kinderzimmer gesendet. Die Erdbewohner waren sich alle einig. Sie mussten ihn befreien und auf die Erde holen. Solch ein Jahrhunderttalent durfte nicht hinter dicken Mauern dahinsiechen. Die Schlager- und Volksmusikfans wollten ihn in seiner vollen Pracht live erleben und bewundern, während er die schönsten Melodien in Kombination mit den herrlichsten romantischsten Texten, die überhaupt denkbar waren, von sich gab. Um ihr Ziel zu erreichen, sahen sie nur eine Möglichkeit. Ein Krieg war unvermeidlich.

Zu Tausenden begaben sich die Erdenbewohner in ihre hochmodernen Raumschiffe und starteten in Richtung Mars. Mit ihren ausgeklügelten Radarsystemen konnten sie schnell ausmachen, wo sich das Subjekt ihrer Begierde befand. Doch die hartgesottenen Metaller hatten längst mitbekommen, was ihre Feinde vorhatten. Sie hatten sich zu Abertausenden um die Hochsicherheitszelle herum postiert und mit ihren Raumschiffabschussvorrichtungen bewaffnet auf die Erdlinge gewartet. Siegessicher, wie sie waren, hatten sie allerdings nicht damit gerechnet, dass die Besucher mit feindlicher Absicht, die gefährlichste Waffe einsetzen würden, die sich ein Mensch vorstellen konnte.

Als sie in Sichtweite des Gefängnistrakts waren, zündeten die Eindringlinge ihre Geheimwaffe. Der Kapitän des Mutterschiffs drückte auf den besagten roten Knopf und das Unheil nahm seinen Lauf. Außen an dem Raumschiff waren gigantische Boxen installiert, aus denen nun in einer ohrenbetäubenden Lautstärke Klänge entwichen, denen keiner der Marsianer standhalten konnte. Dieser grauenhafte unmenschliche Angriff in Form vom Abspielen widerlichstem deutschen Schlagers ließ alle Marsianer in einer Reichweite von mehreren Kilometern abrupt erstarren. So war es ein Leichtes für die Erdenbewohner, dem ebenfalls in eine Salzsäule verwandelten Wächter die Schlüssel zu entnehmen und somit ihren Schlagerheroen zu befreien. So flogen die Glücklichen mit Ihrer Beute von dannen und waren auf dem Mars seitdem nie mehr gesehen.

Die Bewohner des roten Planeten brauchten unglaubliche Mengen an brettharter Metalmusik, um sich von dem Erlebten wieder einigermaßen zu erholen. Einige Marsianer sollen heute noch unter Spätfolgen des Schlagerhorrorangriffs leiden. Währenddessen singt der mitterweile etwas in die Jahre gekommene Dirk Rändler immer noch wöchentlich vor ausverkauften Häusern und begeistert die Menge mit seinen Songs.

Fazit: Was man auch versucht, gegen Schlager ist kein Kraut gewachsen!



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