25.08.2010

Wie eine Gießkanne einen ganzen Wald zum Lachen brachte

() Storyaktion August 2010

Der letzte frische Wind für viele Wochen jagte durch einen herrlichen grünen Wald. Die Bäume wiegten sich im kühlen Nass, den die Wolken mit sich brachten. Sie freuten sich, denn der Frühling schenkte ihnen wohltuende Wärme und Regen damit sie wachsen konnten. Wenn Menschen oder Tiere durch den Wald gingen, sahen sie ihnen zu, wie sie sich an der frischen Luft erfreuten und die Stille des Waldes genossen. Doch still war es in diesem Wald ganz und gar nicht. Die Luft war erfüllt von freudigen Gesprächen zwischen den Bäumen. Jeder Baum war mit jedem anderen Baum durch ihre Wurzeln verbunden. Jeder spürte, was die anderen spürten. So teilten die am Rand stehenden Bäume denen in der Mitte mit, was sie auf den Feldern, die an den Wald angrenzten, sahen. Andererseits erzählten die Bäume in der Mitte von Familien, die auf den kleinen Lichtungen Rast machten und merkwürdige Spiele spielten und dann ihren Müll einfach liegen ließen. Aber das störte sie nicht, denn es ging ihnen einfach nur gut.

Eines Tages kam eine kleine silberne Gießkanne zu dem Wald und fing an aufgeregt hin und her zu tanzen, bis einer der Bäume sie endlich bemerkte. Zunächst verstand der Baum nicht, was die Gießkanne sagte, denn sie sprach zu leise. Er krümmte seinen Stamm um näher an sie heranzukommen. Da wiederholte die Gießkanne ihre Worte: „Hallo lieber Baum. Ich bin hier um euch meine Hilfe anzubieten.“

„Deine Hilfe anbieten? Ich wüsste nicht wie du uns helfen könntest kleine Gießkanne.“

„Nun ...“ sprach die Gießkanne weiter „... es wird immer heißer. Ich dachte, ich könnte euch kühles klares Wasser bringen, wenn ihr es braucht.“

„Du? Du willst uns gießen? Siehst du nicht die Wolken über uns? Sie bringen uns viele Male mehr Wasser, als du in deinem ganzen Leben tragen könntest.“ sagte der Baum.

„Was hatte er gesagt?“ fragten die anderen Bäume des Waldes. So wiederholte der Baum die Worte der Gießkanne. Zunächst rührte sich kein Blättchen im Wind, bald aber brachen alle im Wald in ein großes Gelächter aus.

„Nie werden wir deine Hilfe brauchen kleine Gießkanne.“ sagte der Baum und ignorierte sie. Die kleine Gießkanne erzählte noch von seinen vielen Freunden auf der ganzen Welt, die sofort zu Hilfe eilen würden, aber ihre Stimme war zu dünn um das Lachen der Bäume zu übertönen. Enttäuscht ging die Gießkanne zurück zu ihrem Schlafplatz in einem Dorf ganz in der Nähe. Jeden Tag sah sie von ihrem Zaun aus zu dem herrlichen Wald hinüber und erfreute sich an dessen Anblick. Es wäre so schade, wenn ihm etwas passieren würde. So machte sie sich jeden Tag auf den Weg zum Wald um ihre Hilfe anzubieten, aber jedes Mal begleitete Gelächter ihren Heimweg.

Der Sommer zog übers Land. Seit Tagen war nicht das kleinste Wölkchen am Himmel zu sehen und der Wind hatte sich aufs Kilometer weit entfernte Meer verzogen. Wie jeden Tag ging sie zu dem Baum und bot ihre Hilfe an. Der Baum schüttelte sich und ließ ein paar braune Blätter zu Boden fallen.

„Danke, aber wir brauchen dich nicht. Du bist einfach zu klein. Und wir alle glauben daran, dass es bald wieder Regnen wird.“

Warme Nächte wechselten sich mit heißen Tagen ab, doch noch immer war keine Wolke zu sehen. Die Gespräche der Bäume drehten sich um ihre Sehnsucht nach kühlem Wasser. Der Boden trocknete aus und das Grundwasser zog sich tiefer ins Erdreich zurück. Selbst die langen, kräftigen Wurzeln der größten Bäume waren zu kurz um daran zu gelangen. Ihr Mark trocknete aus, an die Blätter gelangte kein Saft mehr und sie wurden ganz braun bis sie sich schließlich von den Ästen lösten. Aber noch immer wollten sie nicht von der Gießkanne Hilfe annehmen. Sie machte sich große Sorgen um ihren geliebten Wald und dachte schon daran, sich heimlich heran zu schleichen und ihr Wasser zu spenden. Aber sie wusste, sie würden sie nur weiterhin verspotten und ihre Hilfe ablehnen.

Eines Tages jedoch, war es so heiß, dass nicht nur das letzte Wasser in den Bäumen verschwunden war, sondern eine kleine Flamme die trockenen Blätter am Rand des Waldes erfasste. Wieder kam die Gießkanne vorbei, doch der Baum sagte: „Es ist doch nur eine kleine Flamme außerhalb des Waldes. Die tut uns genauso wenig, wie du uns helfen kannst.“

Aus der kleinen Flamme wurde eine größere. Sie erfasst nicht nur die trockenen Blätter am Rande des Waldes, sie kroch auch weiter in den Wald hinein. Schon bald brannten fallen gelassene Äste und dann stand der erste Baum in Flammen. Die Bäume daneben wedelten vergeblich mit ihren Ästen, aber es waren keine Blätter daran, die Wind erzeugen konnten. Der brennende Baum schrie vor Angst und Schmerz. Sein Leib färbte sich schwarz und wurde ganz schrumplig. Panik verbreitete sich so schnell wie ein Lauffeuer. Die kleine Gießkanne beobachtete von ihrem Zaun aus das Geschehen und eilte sofort zu dem Wald.

„Kleine Gießkanne! Auch wenn du uns nicht mehr helfen kannst, danke ich dir für dein Angebot. Es war so töricht von uns es abzulehnen.“

Die kleine Gießkanne freute sich über das Eingeständnis des Baums und rief seine Freunde herbei. Schon bald kamen dutzende Gießkannen aus dem Dorf herbei und gossen ihr Wasser über den Flammen aus, rannten zurück um frisches Nass zu holen das sie sofort zum Wald brachten. Mit der Zeit vermehrte sich ihre Anzahl, denn die Gießkannen aus fernen Dörfer und sogar großen Städten gesellten sich zu ihnen. Die Bäume konnten nicht einmal mehr ihre Anzahl schätzen, so viele waren es. Es verging kaum ein halber Tag, da hatten die Gießkannen das Feuer eingedämmt und die Flammen wurden immer kleiner. Die Nacht brach schon herein, als das letzte Flämmchen ihren Lebenshauch verlor. Erschöpft ließen sich die Gießkannen zu Boden fallen. Diejenigen Bäume, die noch übrig waren schüttelten genüsslich ihre Äste und zogen das Wasser gierig in sich auf. Als sie sich jedoch umsahen, stellten sie mit Erschrecken fest, wie wenige von ihnen die Flammen überstanden hatten. Traurigkeit breitete sich aus, aber auch tiefste Dankbarkeit und Bewunderung für den Mut und den Einsatz der vielen kleinen Gießkannen. Sie entschlossen sich, nie wieder mehr so lange zu warten, wenn sie Hilfe brauchten.



Weitere Werke von Kinnie


Literatur News

Social Media

Letzte Einträge

Mein Werk eintragen!

- neu - bearbeitet

Gsf Buchtipp



Rezension

Aktionen / Gewinnspiele



Mein Gewinnspiel starten

Worthupferl


Mehr Worthupferl? Klick!

Verwandte Leseranfragen

Keywords

  • Stichwörter

  • Kinnie
nach oben