05.01.2011

Nina und die Weihnachtsmänner

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Warnung: In dieser Geschichte kommt gleichgeschlechtliche Liebe (FxF und MxM) vor. Wer daran Anstoß nimmt, sollte sie besser nicht lesen.
Empfohlen ab 16


Nina liebte Weihnachten.
Sie mochte es, wenn alle Schaufenster in rot und grün dekoriert waren, wenn es überall Sterne gab und alles glitzerte und leuchtete. Nina mochte ohnehin alles was glitzerte. Mit neun war Weihnachten ein großes, buntes, glitzerndes Ereignis. Der Höhepunkt des Jahres.
Dieses Weihnachten würden sie bei Mamas Großeltern feiern. Mit ihren zwei Onkeln und deren Frauen, mit den drei Cousins und Cousinen, Opa und Oma von Papa. Jeder von denen würde ein Geschenk für sie haben. Sie würde Dutzende davon auspacken dürfen, alle in buntes Papier mit aufgedruckten, goldenen Sternen, grünen Weihnachtsbäumen verpackt und mit große Schleifen verschnürt.
Die Schleifen waren das Schönste daran. Sie würde sie vorsichtig abmachen und später alle im Haar tragen können, wie eine Fee. Weihnachten war toll!
„Nina, komm schon“, ermahnte ihre Mutter sie, als sie vor dem nächsten Schaufenster des großen Kaufhauses stehen blieb und die Rentiere im künstlichen Schnee bewunderte. Jedes Schaufenster hatte eine andere Dekoration und es gab so viel dabei zu entdecken. Nur ihre Mama drängelte, weil sie noch in vier weitere Geschäfte wollte. Dabei war es alles so aufregend und toll, konnte sie es denn nicht verstehen?
„Mama, schau mal, das Rentier hat ein goldenes Geschirr!“, rief Nina zu ihrer Mutter hin, die genervt ein paar Meter weiter im Strom der Menschen stehen geblieben war und ihre vielen Tüten festhielt.
„Nina, ich sage es nicht noch einmal, komm jetzt endlich!“, sagte ihre Mutter mit genervter Stimme. „Wir haben nicht mehr so viel Zeit und ich will unbedingt noch ein Geschenk für Onkel Peter besorgen.“
„Ja“, antwortete Nina enttäuscht, löste sich von der Scheibe und warf dem Rentier noch einen sehnsüchtigen Blick zu. Missmutig stapfte sie hinter ihrer Mutter hinterher.

Weihnachten war toll. Warum nur war Mama so im Stress?
Nina blickte nach oben. Über ihr spannten sich die bunten Lichterketten, glitzerten und funkelten wie echte Sterne am Nachthimmel. Ob sie wohl einen davon erreichen konnte, wenn sie sich nur hoch genug reckte?
Nina versuchte es, sprang während sie lief ein paar mal hoch, aber die Sterne waren zu weit weg.
„Mama?“, fragte sie, wollte sie bitten, ihr einen der Sterne herabzuholen, damit sie ihn in ihrer Hand halten konnte, seine Wärme spüren konnte, sein Licht in ihrer kleinen Faust einschließen konnte. Diesen Stern würde sie mit nach Hause nehmen, ihn vor allen anderen verbergen und ihn nur Nachts , wenn alle schliefen herausholen und sein Licht betrachten. Vielleicht würde er ihr einen Weg in sein verwunschenes Königreich zeigen, wo sie eine echte Prinzessin werden konnte mit Zofen und jeder Menge wunderschöner Kleider.
„Mama?“, fragte sie nach, aber ihre Mutter war plötzlich gar nicht mehr vor ihr.
Um sie her waren plötzlich nur große, dunkel gekleidete Menschen in langen Wintermänteln, die alle mit angespannten, hektischen Gesichter hin und her eilten und sie dabei gar nicht beachteten.
„Mama?“, sagte Nina lauter, sah sich ängstlicher um.
Da waren so viele Fremde, so viele Erwachsene, die sie nicht kannte. Sie hatte ein wenig Angst, denn sie sahen alle gar nicht nett aus, wirkten genervt, hetzten nur so an ihr vorbei.
Unsicher wich Nina ihnen aus, drückte sich mit dem Rücken an die Wand und rief etwas lauter: „Mama?“
Ihre helle Stimme blieb in der Masse der Menschen ungehört. Niemand sah zu ihr hin und Nina gewann den Eindruck, dass plötzlich alles dunkler wurde. Die Sterne über ihr waren weg, leuchteten nicht mehr.

Voll Angst schob sie sich an der Wand weiter vor. Diese großen Menschen machten ihr Angst. Sie durfte nicht mit Fremden reden, also konnte sie auch keinen von ihnen ansprechen, wo ihre Mama hingegangen war. Tränen stiegen ihr in die Augen, aber wenn sie hier weinte, dann würden womöglich diesen fremden Menschen sie bemerken. Auf gar keinen Fall! Das wollte sie nicht.
Sie schob sich weiter, erreichte eine Ecke und trat schnell rückwärts in die kleine Gasse zwischen den Häusern.
Wo war bloß Mama? War sie böse geworden und hatte sie hier allein gelassen? Wie sollte sie jetzt wieder nach Hause finden? Alles war plötzlich so bedrohlich geworden!
Hinter sich hörte sie plötzlich ein leises Lachen und drehte sich hastig um.

Ein paar Meter von ihr entfernt standen zwei Weihnachtsmänner im Schatten. Nina erkannte sie an ihren roten Mänteln mit der weißen, flauschigen Einfassung. Sie hatte heute insgesamt vier Weihnachtsmännern erzählt, was sie sich wünschte. Ein Barbiepferd mit rosafarbener Mähne und beweglichen Beinen, ein Buch in welches sie schreiben konnte, einen ganz weichen Schal und die gleichen Handschuhe, die ihre beste Freundin hatte, damit sie beide allen zeigen konnten, wie gut sie zusammen passten.
Vielleicht konnte einer dieser Weihnachtsmänner ihre Mama wieder herbeizaubern?
Zögernd trat sie näher.
Die beiden Weihnachtsmänner standen ganz dicht zusammen, lachten leise und unterhielten sich offenbar miteinander. Sie hatten ihre weißen Bärte herunter gezogen und ihre Kapuzen zurückgeschlagen. Nina war etwas erstaunt, dass sie beide eher jung aussahen. Zwei junge Männer.
Der eine hatte dunkle Haare und einen kleinen Bart am Kinn, der andere braune Haare und strich dem anderen gerade mit der linken Hand durch die Haare, murmelte dabei leise, zärtlich klingende Worte.

Nina stockte im Schritt. Die beiden sahen eigentlich gar nicht wirklich nach Weihnachtsmännern aus. Eher wie ihr Onkel Robert, der studierte und ihr gezeigt hatte, wie sie an ihrem Computer Bilder malen konnte.
Er war immer sehr nett zu ihr und letztes Mal war er sogar mit ihr die Rutsche auf dem Spielplatz herunter gerutscht. Sehr zum Missfallen ihrer Mutter, die gemeit hatte, für so etwas sei er nun doch shcon zu alt , aber Robert hatte dabei gelacht und ihr verschwörerisch zugezwinkert.

Diese beiden Weihnachtsmänner sahen ebenso alt aus, wie er, fand sie und damit waren sie doch eigentlich viel zu jung für Weihnachtsmänner.
Der dunkelhaarige Weihnachtsmann stöhnte unterdrückt auf, versuchte halbherzig den anderen von sich zu drücken, sagte leise: „Nicht hier! Spinnst du, Chris?“
„Warum denn nicht?“, antwortete der andere und grinste Chris an. „Den ganzen Tag träume ich schon davon, was ich mit dir machen werde, sobald ich aus diesem lächerlichen Kostüm wieder raus bin, Jens.“
Abermals stöhnte Jens leise auf.
„Es ist viel zu kalt hier!“, bemerkte er, vergrub aber im nächsten Moment seine Nase in Chris Haaren und biss sich dabei auf die Lippen. Chris lachte verhalten, biss Jens ganz leicht in sein Ohrläppchen und Nina zog überrascht die Augenbrauen hoch.
„Chris!“, keuchte Jens auf und Nina bemerkte, dass Chris rechte Hand irgendwo unter Jens rotem Mantel verschwunden war und ihn dort offenbar am Bauch streichelte, weshalb Jens auch so wohlig stöhnte. Scheinbar gefiel es ihm sehr gut. Katzen mochten es ja auch, wenn man sie am Bauch kraulte, erinnerte sich Nina.
Gleich darauf hielt sie den Atem an, denn die beiden Weihnachtsmänner da, rieben ihre Nasen aneinander.Sie hatten sich einander zugeneigt und nun küssten sich sehr leidenschaftlich und zärtlich, wie sie es nur bei Mama und Papa oder ihrem Bruder Rene mit seiner Freundin Rieke gesehen hatte.

Tobias, ein Junge aus ihrer Klasse, hatte sie vor einer Woche auch mal geküsst. Aber das war ein Kuss auf die Wange gewesen, nass und überhaupt nicht schön. Sie hatte ihn weggestoßen und war davongelaufen.
Diese beiden jungen Männer hier küssten sich jedoch so, als ob es ihnen gefallen würde, ja als ob sie voneinander gar nicht genug bekommen konnten. Ihr Küssen war wilder, intensiver als Nina es sonst gesehen hatte und fasziniert trat sie noch einen Schritt näher.
„Chris, ich muss noch eine Stunde in diesem Kostüm rumlaufen“, flüsterte Jens mit rauer Stimme, keuchte auf, als Chris ihn angrinste und seine Hand unter dem Mantel sich heftiger bewegte. „Ich kann nicht länger warten“, raunte Chris zurück. „Am liebsten würde ich dich gleich hier flachlegen. Stattdessen werde ich es heute Abend in der Badewanne tun.“
Erneut stöhnte Jens leise auf, krallte sich nun an Chris’ Schultern fest, als ob er sich nicht mehr auf den Beinen halten könnte.
„Ich sehe dich schon vor mir“, flüsterte Chris mit belegter Stimme. „Nackt, nur ein wenig Schaum auf dir. Du spreizt die Beine ganz weit über den Rand, wartest nur darauf, dass ich dich endlich nehmen werde bis du vor Lust ganz laut stöhnen wirst“
Jens stöhnte als Antwort bereits lang gezogen auf und legte kurz die Stirn auf Chris Schulter. Chris lachte leise, zog Jens’ Kopf an den Haaren sanft zurück und küsste den anderen wieder wie zuvor. „Schon gekommen?“, fragte er leise, liebevoll nach. „Ich hoffe, heute Abend hältst du länger durch, mein Liebling.“

„Nina!“, riss eine Stimme selbige aus ihrer verzückten Betrachtung der beiden Weihnachtsmänner und sie wandte sich überrascht um. Da stand ihre Mama und sah zornig und besorgt aus. Nina eilte auf sie zu, froh, dass sie sie wiedergefunden hatte.
„Was machst du hier?“, fragte ihre Mutter ärgerlich und doch eher ängstlich nach. „Du sollst doch immer ganz nahe bei mir bleiben, sonst gehst du mir noch verloren. Es laufen viele böse Menschen hier herum!“
„Mama!“, antwortete Nina erleichtert und strahlte über das ganze Gesicht. „Schau mal Mama!“ Sie drehte sich um und zeigte auf die beiden Weihnachtsmänner, die nun ganz in ihren Kuss versunken waren. „Die beiden Weihnachtsmänner da!“, sagte Nina. „Schau mal, wie toll die sich küssen!“

Ninas Mutter blickte hoch und ihr Gesicht nahm einen überraschten, dann angewiderten Ausdruck an. „Sind die nicht toll?“, fragte Nina begeistert. „Sie küssen sich ganz toll! Ganz lieb sind sie zueinander!“
Ninas Mutter war alles andere als begeistert, schob sich sofort halb vor Nina. „Schämen Sie sich nicht?“, rief sie aufgebracht zu den beiden Weihnachtsmännern hin, die augenblicklich ihre Köpfe zu ihr wandten. „Pervers ist das! Sich so schamlos vor einem kleinen Mädchen zu zeigen! Verboten gehört das, anzeigen sollte man Sie!“
Ninas Mutter war richtig aufgebracht und Nina sah sie erstaunt an.
„Mama, die küssen sich doch nur“, meinte sie ein wenig unsicher geworden. „Die lieben sich doch.“

„Schau da gar nicht hin“, befahl ihr ihre Mutter. „Das ist nichts für dich. Diese Männer sind ganz böse. Männer dürfen sich nicht küssen, so etwas will der liebe Gott nicht“, ereiferte sie sich, warf den beiden verlegen dreinschauenden Männern wütende Blicke zu.
„Sie sollten sich wirklich schämen, sich Kindern so zu präsentieren. Und das als Weihnachtsmann! Unglaublich so etwas! Wo kommen wir denn da hin?“, wetterte Ninas Mutter weiter und Nina trat etwas zurück, musterte stumm die beiden Männer, die noch immer so dicht beieinander standen, sie erschrocken ansahen.
„In was für einer Welt leben wir denn?“, fuhr Ninas Mutter fort. „Weihnachten sollte Ihnen heilig sein!“
„Mama?“, versuchte Nina den Redefluss ihrer Mama zu unterbrechen, zupfte an ihrem Mantel. „Mama!“
Endlich hörte Ninas Mutter mit ihrer Schimpftirade auf und blickte mit rotem Kopf zu ihr hinunter.
„Schatz, wir gehen jetzt ganz schnell weg und du solltest das ganz schnell vergessen!“, sagte sie.

„Aber Mama“, wandte Nina bockig ein. „Die haben sich doch geküsst. Das heißt doch, dass sie sich lieben, oder? Wenn man sich küsst, dann liebt man sich.“
„Nina!“, ermahnte sie ihre Mutter, aber Nina fuhr nun erst recht entschlossener fort.
„Sie haben sich ganz toll geküsst und sie lieben sich!“, beharrte sie. „Weihnachten ist doch das Fest der Liebe sagst du immer! Also warum dürfen die beiden Weihnachtsmänner sich dann nicht liebhaben?“
Ninas Mutter blickte sie mit offenem Mund an, wusste offenbar nicht, was sie darauf antworten sollte.

„Ich finde es wunderschön, dass sie sich so liebhaben!“, stellte Nina lächelnd fest, winkte den beiden Männern freundlich zu. Ninas Mutter griff nach ihr, zerrte sie aus der kleinen Gasse, aber sie riss ich los, rannte zu den beiden Männern hin und baute sich vor ihnen auf. „Nina!“, rief ihre Mutter entsetzt, kam jedoch mit ihren vielen Taschen nicht so schnell hinter ihrer Tochter her.

„Ihr seid ganz süß und ich wünsche mir ganz doll, dass der echte Weihnachtsmann euch genauso viele Geschenke bringt, wie mir!“, sagte Nina strahlend, blickte von Chris zu Jens und fügte noch hinzu: „Und einen leuchtenden Stern, der ganz hell für euch strahlt, damit ihr nicht mehr hier im Dunkeln rumstehen müsst!“
„Danke“, brachte Jens betroffen hervor, als er auf das kleine Mädchen mit den blonden Zöpfen hinab sah.
Chris grinste breit und murmelte belustigt: „Dir wünsche ich auch alles Gute, kleine Faghag!“
Dann küsste er Jens wieder und ließ sich auch nicht davon abbringen, als Ninas Mutter wutschnaubend heran war, ihre Tochter kurzerhand an einem Zopf mit sich schleppte und sich nicht von ihrem lautstarken Protest davon abhalten ließ.

Nina blickte über die Schulter zu den beiden Männern hin, die sich wieder küssten. So innig, so liebevoll, dass sich das Bild in ihre Seele brannte und nie daraus verschwand.

„Möchtest du noch eine Tasse Tee, Süße?“, fragte eine leise Stimme in Ninas Nacken und sie öffnete lächelnd die Augen. „Ja, gerne“, sagte sie, noch ganz in den Erinnerungen gefangen. „Ich bin hier auch gleich fertig.“
Eine Hand strich ihr zärtlich über den verspannten Nacken und sie lehnte sich zurück, genoss die warme, liebevolle Berührung.
„Du sitzt schon wieder seit Stunden vor dem Computer“, meinte die vertraute Stimme hinter ihr. „Wirst du es denn nicht irgendwann mal leid, all diese Geschichten über schwule Männer und Frauen zu lesen?“
Nina lächelte versonnen, schloss mit einem Klick das Browserfenster und drehte sich herum.

„Nein“, meinte sie schmunzelnd. „Ich mag diese Art Geschichten einfach.“ Sie machte eine Pause, in der ihr Blick nach oben wanderte, schlang ihren Arm dann um die schmale Taille vor sich und presste ihre Nase kurz durch den dünnen Stoff in den Bauchnabel.
„So wie dich, Babsi,“, flüsterte sie, erhob sich und küsste ihre Lebensgefährtin ebenso innig und zärtlich, wie die beiden Weihnachtsmänner es dort getan hatten. Babsi seufzte leise zufrieden, fuhr mit ihren Fingern durch Ninas kurzes, blondes Haar.
„Und du bist jetzt mein Stern und leuchtest nur für mich“, raunte sie sanft und kuschelte sich an Nina.
„Lass uns jetzt unser Weihnachten im Bett ausklingen lassen“, schlug sie augenzwinkernd vor und Nina lächelte sie glücklich an, folgte ihr, umklammerte ihre Hand und schwor sich, sie nie wieder loszulassen.

Weihnachten würde für sie immer ein besonderes Fest der Liebe bleiben!

End



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