09.12.2009

Liebes Tagebuch,
es ist Juli. Aber es ist heute kein schöner Tag. Ich habe mich mal wieder mit meiner Mutter gestritten und der Himmel scheint meine Tränen zu weinen, die schon lange versiegt sind. Ich kann für meine Mutter keine Trauer mehr empfinden, sie hat sich so stur für meinen Vater entschieden dann muss sie jetzt auch damit leben.
Ich bin den letzten Schritt auf sie zu gegangen, ich bin nun nicht mehr bereit noch einen einzigen Schritt auf sie zu zumachen, soll sie bleiben wo sie ist, wenn es sie glücklich macht bitte.
Was ich schreibe klingt ein wenig genervt, ist ja auch kein Wunder, ich sitze grade an einem Bahnsteig mitten im Nirgendwo unter einem Dach, das nciht wirklich dicht ist und warte auf den Zug, der schon seit einer Stunde zuspät kommt. Verdammt ich hasse warten... ich habe mein Lebenlang gewartet, auf den richtigen Moment, auf den richtigen Anlass aber nichts ist richtig, wenn man wie ich ist...

"Entschuldigen Sie bitte, ist der Platz da neben ihnen noch frei?"
Sarah sah von ihrem Tagebuch auf und sah direkt in zwei tiefe blaue Augen, die so berauschend schön waren, dass sie ihren Stift auf den Bodenfallen lies.
"Ähhm... ja natürlich!", antwortete sie und bückte sich nach ihrem Stift. Der Kerl mit den tollen blauen Augen tat dasselbe und sie stießen mit den Köpfen aneinander.
"ich merke schon sie haben einen ganz schönen Dickschädel", sagte er freundlich, als er Sarah den Stift reichte, die vollkommen rot angelaufen war.
Als er merkte, wie peinlich ihr die Situation war, fuhr er sich mit seinen langen Fingern durchs Haar und fragte schließlich: "Warten sie auch auf den Zug?". Srah die um Atem rang, fand ihre Stimme wieder, atmete aber zur Sicherheit erst nocheinmal durch um sicher zu gehen, dass sie nicht brach.
"Ja, aber ich bin des Wartens überdrüssig ich werde mir wohl ein Hotelzimmer nehmen und morgen weiter fahren.", sagte sie vor sich hin, überschlug aber bereits im Kopf die Zahlen und bemerkte, schneller als ihr lieb war, dass sie sich eine Nacht in einem Hotel garnicht leisten konnte. "Ach vergessen Sie es. Ich hab nicht genug Geld dabei, mir bleibt wohl nichts anderes als zu warten."
Sie sah den Mann an, er war vielleicht gerade einmal fünfundzwanzig Jahre alt, groß und maskulin gebaut, hatte hellbraune Haut, und Augen, ja Augen so tief wie der Ozean und ebenso blau. Er hatte dunkelbraune Haare und dieses unverschämt attraktive Lächeln, mit dem er sie musterte.
Was er wohl sah wenn er sie so ansah?
Sarah kannte ihr Spiegelbild und ihr gefiel es niht besonders. Sie hatte Schulterlanges pechschwarzes Haar und sumpfgrüne Augen, die sie hinter ihrer Brille versteckte, obwohl sie die nur zum lesen brauchte, hatte sie sich angewöhnt sie immer zu tragen. Sie hatte sich heute nicht einmal geschminkt, weil sie wusste ihre Mutter würde daran herummeckern. Sie war schlank, zu schlank würden manche sagen, aber das kümmerte sie nicht. Im Moment aber kümmerte sie der Blick, den der Mann ihr zuwarf.
"Wollen sie mit mir einen Kaffee trinken gehen, das wird sie aufwärmen.", fragte er freundlich und warf ihr dabei diesen unheimlich iefen Blick zu, den sie sonst nur von Hunden kannte und ihr keine andere Wahl ließ als ja zu sagen.
Nur etwa fünf Minuten später, fand sich Sarah ohne wirklich zu wissen wie sie hierhin gekommen war, in einem kleinen romantischen Kaffee einige hundert Meter vom Bahnsteig entfernt.
"Sie haben mir ihren Namen noch nicht verraten", bemerkte sie, als sich der Mann ihr gegenüber setzte.
"Daniel, und ihrer ist Sarah nicht wahr?", sagte er mit diesem Lächeln, dem sicherlcih jede Frau direkt verfiel. "Wie kommen sie darauf?", fragte sie diesmal etwas neugieriger. "Der Name stand auf ihrem Stift", gab er zurück und zwinkerte der Kellnerin zu, die natürlich so wie Sarah es erwartet hatte sofort weich wurde, ihm verlegen zu winkte und dann mit ihrem Block in der Hand an den Tisch schlurfte um die Bestellung ihres Traumprinzen aufzunehmen. Sie ignorierte Sarah dabei völlig und erst als Daniel Sarah direkt fragte, was sie denn wolle, wandte die Kellnerin den Blick von ihm ab.
"Einen Kaffee bitte, mit Milch ohne Zucker!", bestellte Sarah ohne zuvor auch nur in die Karte gesehen zu haben. Für mehr reicht das Geld nicht, ermahnte sie sich.
"Sie haben faszinierende Augen", sagte Daniel plötzlich und Sarah, die erst annahm es sei ein Scherz, gab kalt zurück: "Haben sie denn schonmal in den Spiegel gesehen und ihre Augen angeschaut?" Daniel lachte darauf hin laut herraus: "Sie gefallen mir, Sarah!" Und natürlich hatte Sarah direkt mit ihrer Fassung zu kämpfen. Man ist der Typ charmant. "Sie warten auch auf den Zug? Verreisen sie geschäftlich?", fragte sie und überschaute schnell die Kleidung, die der Mann trug. "Nein, ich war geschäftlich hier in der Gegend unterwegs und habe sie da so alleine sitzen sehen. Einer meiner Geschäftspartner, meinte dass die Züge erst heute Abend wieder fahren würden, weil einige Bäume bei dem Sturm gestern Nacht auf die Gleise gefallen seien." Mist haben wir wirklich einen Sturm herauf beschworen? Sarah wusste, dass sie sich nicht verraten durfte, die Menschen reagierten normal sehr ungehalten auf die Tatsache, dass sie und ihre Mutter Wind und Wetter beeinflussen konnten. "Erst Abends, ach herrje und das obwohl kein Sturm vorher gesagt war?" "Ja, das war schon sehr merkwürdig, aber naja es kann ja wohl niemand am Wetter etwas drehen und wenden, unsere Technik hat einfach versagt!", sagte er und innerlich zitterte Sarah nun. Wenn ihr wüsstet was manche Leute können, würdet ihr nicht alles auf die Technik schieben ihr würdet uns ausnutzen, so wie es mein Vater mit meiner Mutter seit Jahren macht.
"Sie sehen so gedankenverloren aus, wartet jemand auf sie?", fragte er mit einem Funken an Neugier, der Sarah unheimlich war. "Ja, meine Schwester wartet, aber ich habe ihr bereits eine Nachricht zukommen lassen, dass ich später komme!"
"Es wartet also kein Mann auf sie, wollten sie das damit sagen?", diesmal war das Lächeln des Mannes noch breiter und machte ihn noch attraktiver.
"Ja so könnte man es auch sagen", schmunzelte Sarah und nippte an ihrem Kaffee. "Aua" fluchte sie und bließ über ihren Kaffee, "ist der heiß verdammt noch mal"
Daniel lachte, er lachte aus tiefer Seele, das spürte Sarah und das Gefühl, war so berauschend, dass sie auch los lachte. Dieser Kerl ist wirklich süß. Aber ich seh ihn wahrscheinlich nie wieder, wenn ich in den Zug eingestiegen bin. Was solls ich genieße jetzt einfach die Zeit mit ihm, vielleicht lenkt er mich ja ein wenig ab.
"Was haben sie hier in der Gegend verloren Sarah?", fragte er diesmal, obwohl Sarah wusste, dass es nicht die Frage war, die er stellen wollte und die sie hören und beantworten wollte, sagte sie: "Ich habe meine Mutter besucht. Sie lebt Nordöstlich von hier in einer kleinen Waldhütte, abgeschiedene Gegend, aber sie will es nun einmal so. Ich wollte sie überreden mit mir zu meiner Schwester zu kommen, aber sie beharrt nun mal auf ihre Hütte und so bin ich hier gelandet im nirgendwo bei Sturmregen und Zugverspätung." Sie nippte wieder an ihrem Kaffee diesmal war er kühler und wärmte sie bei jeden Schluck ein wenig mehr auf. Sie und Daniel redeten noch ein wenig über alles Mögliche. Es tat gut, sich ablenken zu lassen, das wusste Sarah und Daniel schaffte genau das, er lenkte sie ab, beruhigte sie und den inneren Sturm der in ihr tobte.
"Ich geh mal kurz auf die Toilette", sagte Sarah und stand auf. Ihr Handtasche ließ sie an em Stuhl hängen, auf dem sie gesessen hatte.
Als sie zurück kehrte, sah alles unverändert und perfekt aus. Ein Mann der auf sie wartete, das Szenarion war so rührend, dass sich ein warmes Gefühl in ihrem Bauch aufbaute. Daniel leerte seine Kaffee und bezahlte für sie beide, dann begleitet er sie an den Bahnsteig zurück.
"Sie hätten nicht für mich bezahlen müssen!", sagte Sarah. "Ich wollte es aber gerne!"
Daniel nahm ihr Gesicht in beide Hände. Dann beugte er sich langsam zu ihr vor und strich mit dem Daumen sanft über ihre Lippen. Das warme Gefühl in Sarah Bauch dehnte sich aus, nahm sie vollkommen ein und durchbrach ihren letzten Widerstand. Sie sank in Daniels Arme und küsste ihn leidenschaftlich.
Erst als der Zug einfuhr lösten sie sich von einander. Ich werde ihn nie wieder sehen, aber dieser eine Moment genügt mir dachte Sarah und verabschiedete sich von ihr. "Lebwohl", sagte sie mit trauriger Stimme.
"Wir sehn uns wieder Sarah, glaub mir!", sagte er und schlang noch einmal seine Arme um sie. "Vesprich nichts, was du nicht halten kannst", murmelte sie als sie sich abwand.
"Das tu ich nie Wetterfee!", rauschte seine Stimme an ihr Ohr, als sie in den Zug stieg und sich die Wagontür hinter ihr schloss. Als sie sich umwandt, war er verschwunden. Sie fühlte sich, als hätte sie einen wndervollen Traum hinter sich. Als sie einen Platz in einem einigermaßen leeren Abteil gefunden hatte, zückte sie ihr Tagebuch. Sie öffnete es bei ihrem letzten Eintrag und schmunzelte, bei den Zeilen, die dort in roter Tinte geschrieben waren:

Liebe Sarah,
der Sturm gestern Nacht war so wunderschön und seine Schönheit wurde nur durch die Wetterfee, die ihn hervor gerufen hat übertroffen.
Ruf mich an, wenn du angekommen bist, ich kann es kaum erwarten deine Stimme wieder zu hören. ##########
Und denk immer dran, du und deine Familie sind nicht alleine, es gibt noch andere Geister, ich muss es wissen^^
Ich bin ein Sturmgeist und ich habe mich in dich und deine Stürme verliebt.

Daniel


Sarah schmunzelte, als sie die liebvolle Nachricht gelesen hatte. Dann blickte sie von ihrem Tagebuch auf und sah ihm direkt in die Augen.
"Wusst ichs doch, dass du mir gefolgt bist", sagte sie und schenkte Daniel ihr bezauberndstes Lächeln



Literatur News

Social Media

Letzte Einträge

Mein Werk eintragen!

- neu - bearbeitet

Gsf Buchtipp



Rezension

Aktionen / Gewinnspiele



Mein Gewinnspiel starten

Worthupferl


Mehr Worthupferl? Klick!
nach oben