12.09.2007

Geschöpfe der Nacht

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Die 17-jährige Anna saß wie jeden Abend auf dem Fenstersims in ihrem Zimmer und träumte vor sich hin.

Sie träumte von einem anderen Leben. In der Schule wurde sie ständig von allen gehänselt, dort war sie ein Einzelgänger. Niemand wollte was mit ihr zu tun haben, man nannte sie Streberin. Und das alles nur, weil sie immer die richtigen Antworten wusste.

Sie starrte in die Dunkelheit, registrierte die sich bewegenden Schatten der Bäume, wenn der Wind durch die Blätter blies. Sie fragte sich ob es in dieser Dunkelheit ein anderes Leben gab. Vereinzelte Sterne erstrahlten am Himmel. Ihre langen dunklen Locken umspielten ihr hübsches Gesicht, und doch sah man die Verletzlichkeit in ihren Augen. Sie war so allein. Ohne Freunde, ohne jemanden der sie liebte oder den sie hätte lieben können. Auch ihre Eltern hatten nie Zeit für sie, Geschäfte gingen vor.

Auf einmal bemerkte Anna auf der anderen Straßenseite einen jungen Mann der zu ihr herübersah. Er bewegte sich nicht, doch in dem sanften Laternenlicht konnte Anna seinen muskulösen Körper, der in enganliegenden schwarzen Kleidern steckte, erkennen. Er schien sie zu beobachten. Ohne ersichtlichem Grund fing ihr Herz an schneller zu schlagen. Für einen Moment schlug sie die Augen nieder, als sie wieder auf die Straße blickte, war der junge Mann verschwunden und die Einsamkeit umschloss Anna wieder einmal.

Am nächsten Tag regnete es in Strömen. In der Schule war Anna wie immer allein und saß in den Pausen eingeschüchtert in einer Ecke des Pausenraums. Als endlich die letzte Schulstunde zu ende war, machte Anna sich auf den Weg nach Hause. Langsam lief sie über den Feldweg, als plötzlich einer ihrer Schulkameraden sie mit einem Stoß in den Schlamm warf. Anna fing an zu weinen, wollte einfach nicht mehr. Wollte nur noch weg.

Abends fasste sie endlich eine Entscheidung, Sie wollte nicht noch so einen Tag mitmachen. In Ihrem strahlend weißem Nachthemd stieg sie auf das Dach. Sie blieb am Rand stehen und schaute hinab. Dort unten wartete die Erlösung. Anna merkte nicht wie ihr die Tränen über ihr Gesicht liefen. Sie schloss die Augen und trat ins Nichts.

Auf einmal fühlte sie sich umarmt, Sie wurde ganz fest an einen warmen, muskulösen Körper gedrückt. Und eine Stimme flüsterte „Keine Angst, jetzt wird alles gut“ Im nächsten Moment fühlte sie einen kurzen stechenden Schmerz an ihrem Hals. Dann wurde die Welt schwarz.

Als sie wenige Momente später die Augen wieder aufschlug, fand sie sich auf einer Waldlichtung wieder. Ihr Sehvermögen war viel intensiver, sie konnte kleinste Details, wie Insekten, auf dem Erdboden ausmachen. Und das obwohl es stockfinster war. Auch Ihr Gehör war viel intensiver. Sie konnte hören, wie jemand durch die Büsche schlich. Im nächsten Moment sah sie, wie der junge Mann, der Sie schon einmal beobachtet hat, zwischen den Holunderbüschen heraustrat. Er sagte „Hab keine Angst kleine Anna, nun bist du frei und kannst tun und lassen was du möchtest. Wir werden für immer zusammen bleiben! Nie wieder wirst du alleine sein.“

Anna fühlte die kleinen Male an Ihrem Hals, dachte an Ihr gesteigertes Seh- und Hörvermögen und Begriff. Sie war nun ein Geschöpf der Nacht. Sie strahlte den jungen Mann an. Dieser ging langsam auf sie zu und nahm sie zärtlich in den Arm. Sie spürte die weichen zarten Lippen auf ihren, als die beiden zu einem innigen Kuss miteinander verschmolzen.

Als sich zwei liebende Geschöpfe der Nacht entflohen sie in die Dunkelheit …



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