16.08.2009

Freiheit

() 3. Platz - Gsf 2009 Love Story Beitrag

Ich war nervös. Das stehen an meiner rechten Bauchseite wurde immer stärker, doch ich konnte meinen unregelmäßigen Atem nicht unter Kontrolle halten. Ich biss die Zähne zusammen, verzerrte vor Schmerz mein Gesicht und rannte immer noch weiter. Ich lief einfach weiter, als wüsste ich nicht, was mich am Ende erwartet. Als hoffte ich, dass es kein Ende gäben würde. Es kam mir so vor, dass das Laufen meine ganzen Gedanken beanspruchte, da mein Kopf komplett leer war. Zum Glück wussten meine Beine den Weg, den ich sehr oft benutzte. Sie führten mich durch lauter Straßen und Gassen. An zahlreichen Geschäften und Restaurants lief ich vorbei. Dann wurde es mehr grün. Es gab mehr  Bäume, die nah aneinander gewachsen waren und dessen Blätter im Frühling einen schönen kräftigen Farbton angenommen hatten. Die frische Luft beruhigte mich und ich wurde langsamer - es war eher ein schnelles gehen. Meine Klamotten klebten auf meiner Haut und erst jetzt spürte ich den unangenehmen Schweiß. Ich atmete tief ein und aus, das meinen Körper gut tat. Denn die unerträglichen Schmerzen am Bauch wurden gemildert.

Ich war in einem Art kleinen Wald mit einem langen Pfad, das von kleinen Kieseln und großen Steinen bedeckt war. Links und rechts reihten sich die dicken Bäume mit ihren langen knochigen Ästen. Wenn hier und da eine Stelle frei war, wurde es durch einen Sitzbank oder einen Blumenbett bedeckt. Ich sah schon einen Rosengebüsch, meine Lieblingsblume. Dort konnte man leicht den großen Fußabdruck in der Erde erkennen, weil unglücklicherweise ein paar Rosen unter der schwere Sohle gelitten hatten. Sie waren am Stängel geknickt und hingen leblos nach unten. Hier war es so ruhig und friedlich, dass ich für einen kurzen Moment meine Sorgen vergaß. Mit gespitzten Ohren hörte ich den Vögeln zu und versuchte eine Melodie herauszuhören. Leise summte ich vor mich hin und ging den langen Pfad entlang.

 Doch leider war es nur ein kurzer Moment und meine Probleme holten mich schneller ein als mir recht war. Ich hatte große Angst, sodass mein Herz verrückt spielte. Ich war mir ganz sicher, dass die Leute in meiner Nähe das wilde Pochen hören konnten. Mein Blut raste durch meinen Körper, als würde in mir drinnen ein großes Chaos herrschen. Chaos- so konnte man auch meine Gefühle umfassen. Zumal hatte ich Angst und war traurig. Ich wusste nicht, wie das hier enden sollte. Was wen ich enttäuscht werde? Diese Ungewissheit machte mich nervös und deprimiert. Immerhin begabte ich mich auf verbotene Ebene. Doch anderseits gab es dieses kribbeln in meinem Bauch. Kitschig gesagt, fühlte es sich an wie tausende von Schmetterlingen, die vor Aufregung hin und her flatterten. Ich war so beschäftigt meine Gefühle zu ordnen, dass ich ihn nicht bemerkte. Groß und schlank, wie ich ihn kannte, wartete er ungeduldig auf mich. Seine blonden Haare waren zerzaust, dass ihn frecher wirken lies. Doch seine sanften blauen Augen bestätigten das Gegenteil. Ich war mir sicher, dass ich sein besorgtes Gesicht bemerkt hatte, doch er versuchte flüchtig ein Lächeln zu bringen. Schüchtern ging ich langsam auf ihn zu, da wir uns seit langem nicht mehr gesehen hatten.  Ich erkannte erst auf den zweiten Blick die Rose, die er in der Hand hielt. Ich versuchte vergeblich ein Lächeln zu verkneifen, als ich mich an das Rosengebüsch erinnerte. Er sah meine Zufriedenheit als Beweis an und streckte mir die Rose entgegen. „ Ich wusste, dass es dir gefallen würde.“ Ich blieb vor ihm stehen und nahm die Rose. Der Duft der Blume war ziemlich stark, dessen Geruch mich locker verführen konnte.

Mit einem strahlenden Lächeln blickte ich auf und in der einen Sekunde lief alles sehr schnell. Er packte mich ruckartig an der Taille und schmiegt seine Wange an meiner. Ich stimmte zu, indem ich meine Hände um seinen Nacken schlang. Dabei lies ich ausversehen die Rose fallen, doch das störte uns nicht. Wir waren viel zu sehr konzentriert, als das es uns auffallen würde. Mein Körper beruhigte sich in seinen starken Armen. Ich war entspannt und mein Atem lief regelmäßig. Das änderte sich schlagartig, als er seine Lippen bewusst auf meine näherte. Es war ein leidenschaftlicher Kuss, dass mich sehr berührte. Wir spielten uns nichts vor und öffneten unsere Gefühle. Seine Liebe, die er  für mich empfand, konnte ich nicht nur an diesem Kuss erkennen. Sein Körper bebte, fast kam es mir so vor  als würde er zittern. Jede seiner Muskeln, die mich berührten, waren angespannt. Mein Herz raste und ich hörte deutlich das pochen. Doch diesmal war es mir nicht unangenehm. Im Gegenteil, er sollte hören wie hingezogen ich mich zu ihm fühlte und was er in mir auslöste. Er legte seine Lippen nochmal auf meine und gab mir einen kurzen Kuss und schaute mich an.

Ich konnte meine Augen nicht von seinen abwenden. Diese himmelsblauen Augen verführten mich und ich blickte verträumt rein. Er hatte es bemerkt, denn mit einem Lächeln schüttelte er mich leicht zu recht. Was er wohl in meinen dunkelbraunen Augen sah? Jedenfalls streichelte er sanft meine Wangen und fuhr mit den Fingerspitzen durch meine schwarzen Haare. Er verbarg seine Nase in meinem Haarschopf um den sinnlichen Duft zu riechen. Wir standen eine Zeit lang verschlungen da und erst als ein kalter Wind uns erreicht, merkten wir, dass der Tag den Abend zuneigte. Das Gute daran war, dass er noch fester seine Arme um meinen zierlichen Körper schlang. Die Wärme, die von ihm auskam, durchströmte meinen ganzen Körper. „ Mein Engel, womit habe ich dich nur verdient?“ Seine tiefe und ruhige Stimme versetzte mir ein kribbeln im Bauch. Ich schmiegte mich enger an seiner Brust und stellte vergnügt die gleiche Frage ihm. Als Antwort seufzte er nur zufrieden.

 Ich war endlos glücklich mit ihm. Obwohl ich am Anfang sehr verzweifelt war. Doch zum Glück hat sich meine Angst nicht bestätigt. Zwischen zwei verschieden Kulturen kann doch eine ehrliche Liebe entstehen. Trotz verschiedener Denkweise und Glauben, verstanden wir uns immer besser und respektieren uns gegenseitig. Obwohl das für mich ein Verbotener Weg war, wusste ich, dass ich mit ihm an meiner Seite stark bleiben würde. Viele Regeln waren dagegen, doch ich blieb bei meiner Liebe. Zum ersten mal an diesem Tag war ich froh, dass es doch ein ende in dem langen Pfad gab.

Ein weiterer Wind, der diesmal viel stärker war, wehte durch die Gegend. Ich konnte das leichte brausen hören und plötzlich streifte etwas an mein Gesicht. Die Rosenblätter konnten am Boden nicht stand halten und wurden vom Wind mitgezogen und flogen an uns vorbei.

So musste sich wohl Freiheit anfühlen.

 

 



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Ihr Kommentar ...


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Kommentar von _sevilay_:
(05.11.2009 um 19:01 Uhr)

Die Handlung ist frei erfunden aber die Kernaussage der Geschichte, basiert aus meinen Leben. Also ist die Geschichte teilweise aus einer wahren Begebenheit.

Kommentar von droegi:
(04.11.2009 um 11:08 Uhr)

Hast du die Geschichte selbst erlebt, sevilay, oder ist sie deiner Phantasie entsprungen?

Kommentar von Lord_Pinguin:
(17.08.2009 um 03:13 Uhr)

Das ist wirklich eine sehr schöne Kurgeschichte. Respekt! Das ist die echt sehr gut gelungen!




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