27.07.2011

Die Frau vom Weihnachtsmann

() Lovestoryaktion 2011

Heute will ich endlich einmal ein Geheimnis lüften. Ich bin die Frau vom Weihnachtsmann.

Sie glauben das nicht, weil Sie schon längst den Glauben an den Weihnachtsmann verloren haben? Nun, dann haben wir jetzt ein Problem. Wenn es den Weihnachtsmann nämlich nicht gibt, dann hat er auch keine Frau und dann gibt es mich nicht. Aber ich bin Realität. Einmeterfünfundsiebzig. Und bin als Frau vom Weihnachtsmann standesamtlich genehmigt und beurkundet anno1979, kurz nach Weihnachten in Oberursel bei Frankfurt. Klar, hab ich das schriftlich! Hat alles seine Richtigkeit. Was denken Sie denn! Ich würde doch nicht in wilder Ehe mit einem Weihnachtsmann leben und das auch noch freiwillig zugeben.

Aha, jetzt kommen wir schon weiter. Sie fangen an zu grübeln. Kann das wirklich möglich sein? Gemach, gemach. Keine Panik. Die Geschichte ist ganz einfach und hat absolut nichts Unglaubwürdiges an sich. Um sie zu erzählen, müssen wir aber weit zurück in meine ersten Kinderjahre.

Zu uns kam jedes Jahr der Weihnachtsmann. Eine hochaufgeschossene, schlanke, männliche Gestalt mit einem jugendlichen Gesicht und einem weißen Wattebart. Dass er keinen Bauch hatte, wie es sich eigentlich für den Weihnachtsmann gehört, das machte uns Kindern nichts aus. Allein der Bart und der rote Bademantel reichte als Legitimation. Und wenn wir alle ehrfürchtig unsere Gedichte aufgesagt hatten, die wir Wochen vorher nur für ihn eingeübt hatten, dann wurde es gemütlich. Der Weihnachtsmann setzte sich in die Familienrunde und, da ich das einzige Mädchen unter lauter Brüdern war, kam mir die Ehre zu, auf seinen Knien zu sitzen und an seinem Bart herumzuzupfen. Und ich fand schon im diesem zarten Alter, dass die Knie des Weihnachtsmannes ein guter Platz für ein kleines Mädchen waren. Meine Brüder haben mich um dieses alljährliche Privileg beneidet. Nun, allzu lange dauerte es eh nicht, irgendwann fingen wir Kinder an, über die wahre Identität des weihnachtlichen Besuches nachzudenken. Es herrschte unter uns Geschwistern seltene Einigkeit darüber, dass Onkel Herbert nicht in Frage kam, der war kleiner. Und – wie das im Leben so spielt – in dem Moment, wo man Dinge hinterfragt, sind sie Vergangenheit. Der Weihnachtsmann kam nicht mehr. Und wir vergaßen die ganze Sache.

Als ich viele Jahre später im Dezember 1979 mit meinem frisch Angetrauten das Standesamt in Oberursel verließ, gestand er mir, dass ich schon früher immer zu Weihnachten auf seinen Knien gesessen und ihn so hinreißend angehimmelt hätte.



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