10.07.2009

Cupido

() 1. Platz - Gsf 2009 Love Story Beitrag

Mein Herz schlug bis zum Hals, unregelmäßig und unheimlich laut. Ich hatte Angst, es würde mich verraten, als er so dicht bei mir stand und mir mit seinem umwerfenden Lächeln meine bestellte Cola über die Theke reichte. Wie sehr wünschte ich mir in diesem Moment, als ich mich abwenden musste, dass er meinen Namen kennen und mir einen schönen Abend wünschen würde. Aber mein Wunsch wurde nicht erfüllt und mit trüben Gedanken kehrte ich zu meinen Freunden an den Tisch zurück, den wir zur Feier des Tages reserviert hatten.
Die Feierlichkeit des Tages, wie sollte es auch anders sein, war die Verlobung meiner besten Freundin. Die Liebe umgab uns alle, auch wenn nicht in derselben Form, war sie doch allgegenwärtig und wir alle haben sie an diesem Abend gespürt.
„Erzähl uns doch mal, wie hat er dich gefragt Jana?“, drängte Simone, eine neugierige junge Frau, die wir alle nach kurzer Zeit ins Herz geschlossen hatten. „Ich erzähl es euch gleich Mädels, aber erst muss ich noch auf die Toilette! Kommst du mit Amy?“, fragte Jana aus heiterem Himmel und zu perplex um nein zu sagen, stand ich auf und folgte ihr.

 Außer Hörweite der Anderen fragte sie leise: „Wie lange willst du ihn denn noch anstarren und hoffen, dass er sich erinnert?“ Ich sah sie mit großen Augen an. Mich wunderte es kaum, dass Jana es ansprach, sie beobachtete die Menschen in ihrem Umfeld immer sehr genau und sah es mir an, dass ich vor Kummer am liebsten zersprungen wäre.
„Ich kann es nicht, du weißt es doch!“, jammerte ich vor mich hin, als ich versuchte gegen die aufwallenden Tränen anzukämpfen.
„Aber du musst es tun… wie willst du sonst je wieder glücklich werden?“
"Genügt es denn nicht, dass du glücklich bist?“, raunte ich.
„Du fragst, ob es genug ist, dich so zu sehen? Mein Glück für deines, war das dein Bewegrund, ihn zu bitten seinen letzen Liebespfeil zu opfern?“
Ich erschauderte. Alle Gedanken, an das was ich getan hatte, was ich ihm angetan hatte, hatte ich tief in meinem Herzen mit all den Gefühlen verschlossen, die noch vor so kurzer Zeit mein Leben, mein Glück gewesen waren.
„Amy, nein, Amareille, du kannst nicht so weiter leben. Vielleicht ist er nun auch nur ein Mensch, ein normaler Mensch wie du und ich, aber die Liebe wird ihn dennoch an dich binden. Du hast dich doch in ihn verliebt, in seinen Charakter, sein Wesen, du hattest nicht geahnt, dass er ein Cupido war und doch hast du ihm dein Herz geschenkt und ihm seines geraubt!“, flehte Jana. Ihre Stimme war so voller Mitleid, aber das machte es noch schwerer, gegen den Strom der Gedanken und Erinnerungen anzukämpfen.

Ich erinnerte mich an unsere erste Begegnung. Ich hatte der Verwalterin des Hauses, in dem ich seid 2 Jahren wohnte versprochen dem neuen Mieter das Haus zu zeigen und ihm alles zu erklären, da sie selbst bei dessen Ankunft ihre Schwester in Italien besuchte. Ich stand im Garten an der Wäscheleine und hing meine frisch gewaschene Bettwäsche auf, als er mich ansprach: „Entschuldigen Sie bitte, ich suche eine Amareille Stevens.“ 
Er sähe gut aus, sei groß, habe dunkle Haare eine nette Stimme, hatte sie gesagt, er sei charmant und aufrichtig. Als sie mir von dem Mann erzählte, hatte ich ihr nicht glauben wollen, ein aufrichtiger, gut aussehender, charmanter Mann, klang in meinen Ohren wie eine Illusion. Aber nun musste ich mir eingestehen, dass er genau das nicht war eine Illusion. „Entschuldigung, wissen Sie nun wo ich die Dame finden kann?“, fragte er nochmals und riss mich wie aus einer Trance.
„Ich war abgelenkt, mein Name ist Amareille Stevens, sie können mich aber auch gerne Amy nennen.“
„Schön Sie kennenzulernen Amy.“
„Warten Sie bitte einen Moment, ich zeige ihnen gleich die Wohnung, ich muss nur schnell dieses Leintuch aufhängen.“
„Ich helfe Ihnen.“
„Danke“
Als wir da zusammen das Leintuch auf die Wäscheleine hängten, strahlte er neben mir eine solche Vollkommenheit aus, dass ich mir am nächsten morgen nicht mehr so sicher war, ob ich nur von ihm geträumt hatte. Aber am nächsten Morgen, begegnete mir dieser vollkommene Mensch wieder im Treppenhaus. Mit schweren Kisten bepackt, wankte er die Treppe hinauf zu seiner neuen Wohnung. Überwältigt, alleineschon von dem Gedanken, dass dieser Mensch im selben Haus wie ich wohnte, zog ich mich an und eilte zur Arbeit um Jana von dieser Neuigkeit zu erzählen. Aber als ich Jana die erfreuliche Neuigkeit erzählen wollte, empfing sie mich mit einem Wall aus Tränen und unverständlichen Worten. Es dauerte eine Weile, bis ich endlich wusste, was geschehen war. Janas große Liebe hat sie verlassen... aus geschäftlichen Gründen. Das machte mich wütend. In meinen Augen waren geschäftliche Gründe, keine Gründe, die man vor eine Beziehung stellen musste. Vorallem hatte ich  nicht von Ralph erwartet, dass er soetwas tun würde. Ohne Jana dann von meinem neuen Nachbarn zu erzählen, machte ich mich nach der Arbeit auf nach Hause.
"Sie sehen gestresst aus!", empfing mich der junge Herr am Briefkasten. "Die Arbeit?", erkundigte er sich. "Nein, nein, nicht die Arbeit, diesmal nicht!", antwortet ich kopfschüttelnd, dann murmelte ich: "...die Liebe.."
Noch am selben Abend, klingelte der junge Herr, Martins war sein Nachnahme, an meiner Wohnungstür. "Entschuldigen Sie Amy, aber bei mir die Küche noch nicht funktionsfähig und da dachte ich mir, dass ich sie heute Abend doch zum Essen einladen könnte.", sagte er, als ich öffnete. Ganz euphorisch von dem Gedanken heute statt zu kochen, mit dem netten neuen Nachbarn essen zu gehen, sagte ich zu. Er versprach mir mich gegen acht Uhr abzuholen und dann ins Italienische Bistro um die Ecke zu gehen.
Als wir im Bistro waren, erzählte er mir viel, wo er zuvor war (Spanien), wie alt er war (29), aber er erwähnte mit keinem Wort, welcher Arbeit er nach ging. Aber genau das und noch vieles anderes wollte ich von ihm erfahren.
Als ich ihn nach diesem Abend, einige Tage nicht mehr gesehen hatte, entschloss ich mich die Initiative zu ergreifen. Ich wollte ihn einladen, ins Kino, nichts besonderes.Aber wie so oft lag ich mit dieser Einladung genau daneben. "Romeo und Julia?", fragte er ein wenig misstrauisch. "Ja, ein romantisches Drama, willst du mich ins Kino begleiten?". "Gerne".  Nach dem Film, war er stumm, sehr stumm, er sagte nichts, sah mich nicht an. "Was ist los?", fragte ich ihn, obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich es wirklich wissen wollte.

"Wie kann man die Liebe nur so verklausulieren? William wollte sicherlich nicht, dass man aus seinem wo filligranen und wunderschönen Werk soetwas macht.", empörte er sich.


 



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