20.04.2009

Tod im Wald

() 2. Platz - Gsf 2009 Krimi Beitrag

Sie lag völlig regungslos da. "Hilfe", rief ich. Kaum hatte der Hilferuf meine Lippen verlassen, hörte ich ein Rascheln im Gebüsch. Ich malte mir Geschichten aus, die nicht gerade zu meiner Beruhigung beitrugen. Ist die Frau ermordert worden, oder war es ein natürlicher Tod, fragte ich mich. Da ich kein Fachmann war, sondern nur ein Spaziergänger, der im Wald diese Leiche gefunden hatte, konnte ich nicht feststellen, welcher der beiden Fälle hier vorlag. Ich konnte weder Blutspuren sehen, noch eine Tatwaffe. Auch Einstichlöcher, Schußwunden oder Verletzungen irgendwelcher Art konnte ich bei der nicht Leiche entdecken.

Plötzlich stand er vor mir. Der Hund war nicht sehr groß, aber es war ein schönes Tier. Sein helles Fell und sein treuer Blick ließen ihn direkt sympathisch auf mich wirken. Handelte es sich bei dem Hund um das Tier der Erdmordeten? Wie konnte ich das feststellen? Der Vierbeiner saß eine Weile auf derselben Stelle und schaute mich ruhig an. Ein schönes Tier ist das, dachte ich mir, wer würde sich jetzt wohl darum kümmern, wenn wirklich die tote Frau seine Besitzerin war? Kaum hatte ich meine Gedanken zu Ende gedacht, beobachtete ich, wie der Hund sich erhob und zu der Leiche ging. Er schnüffelte daran und bellte zwei- bis dreimal, bevor er sich ohne weiteres Zögern auf den Weg machte. Ich folgte ihm.

Er eilte mit recht schnellen Schritten aus dem Wald heraus. Ich hatte arge Probleme, dem Vierbeiner zu folgen. Doch von mal zu mal blieb er stehen und drehte sich um, um zu sehen, dass ich auch folgen konnte. Der Hund musste mir etwas zeigen wollen. Also schritten wir zwei weiter voran, um unser Ziel zu erreichen, der Hund voran und ich immer in seiner Sichweite. Wir durchquerten verschiedene Wohnsiedlungen, bis der Hund schließlich vor einem Haus stehen blieb. War das das Haus der Besitzerin, wohnte hier die Erdmordete vor ihrem Ableben? Ich hätte das ganz leicht feststellen können, in dem ich in den Taschen der Toten nach ihrem Ausweis gesucht hätte. Hätte ich diesen gefunden, dann hätte ich ihren Namen nur noch mit dem Klingelschild abgleichen müssen. Doch ich wollte die Leiche nicht anrühren. Da hätte die Polizei bzw. die Mordkommission garantiert etwas dagegen gehabt. Die Polizei hätte ich eigentlich längst verständigen sollen, doch mir fehlte die Zeit. Ich war zu sehr damit beschäftigt, dem mir sympathischen Hund zu folgen.

Als ich mir die Haustür näher ansah, merkte ich, dass sie nur leicht angelehnt war. Ich ging die drei Stufen hinauf und schob die geöffnete Tür leicht nach innen. "Ist da jemand", rief ich vorsichtig aber in einer Lautstärke, dass man es gut hören konnte. Da ich keine Antwort bekam, ging ich davon aus, dass niemand zu Hause war. Ich schritt durch den Flur und öffnete eine Zimmertür. Ich blickte in den Raum hinein und sah, dass es sich dabei um das Wohnzimmer handeln musste. Dann sah ich den Mann dort sitzen. Er atmete schwer und sein Blick ging ins Nichts. Er schien mich gar nicht bemerkt zu haben, oder es war ihm egal, dass ich hier war.

"Ich wollte sie nicht töten, es war ein Unfall", sagte er schließlich mit leiser zitternder Stimme. "Wer sind sie", fragte ich den Mann. "Ich lebe hier. Ich war gerade noch mit meiner Frau spazieren, als wir uns wieder einmal über irgendeine Kleinigkeit gestritten haben. Dann muss ich die Kontrolle verloren haben und habe sie gewürgt. Ich wollte nicht, dass sie stirbt. Plötzlich lag sie da, regungslos. Sie atmete nicht mehr. Ich habe Panik bekommen und bin nach Hause gerannt. Hier sitze ich nun." - "OK. Lassen Sie uns die Polizei rufen", sagte ich zu dem Mann. "Das müssen wir wohl", sprach der Mann zu mir, der in seinem Sessel nicht wie ein Mörder aussah. Der Mann reichte mir das Telefon und ich tippte die Nummern ein.

Nach dem Telefongespräch warteten wir gemeinsam auf die Polizei. Der Mann fragte mich: "Haben Sie auch eine Ehefrau?" - "Ja", sagte ich, "die habe ich." - "Dann behandeln sie Ihre Frau besser als ich meine", meinte der Mörder, der bereit zu sein schien, die Strafe für seine Tat anzutreten. "OK. Das verspreche ich Ihnen", sprach ich zu dem Mörder, bevor die Polizei eintraf und den Mann abführte.




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