20.04.2009

Per Anhalter

() 1. Platz - Gsf 2009 Krimi Beitrag

Mein Stift glitt, kaum hörbar, über das glatte Papier meines Dienstberichts des vortages. Ich hatte ihn beinahe zu Ende geschrieben und vor mir lagen noch rund sechs Stunden Dienst. Doch es war alles wie immer. Auf der Polizeistation am Rande der kleine Stadt Sonora in Texas war es ruhig, die warme Sommersonne fiel durch die offene Tür auf den hellen Holzboden. Es war Juni, der siebenundzwanzigste um genau zu sein.
Ich kritzelte meinen Namen unter den Bericht und heftet ihn ab. Dann trat ich in die Sonne vor der Polizeistation in die belebte Water Ave und beobachtet einige Kinder auf der anderen Straßenseite. Sam fuhr mit seinem Eiswagen vor und verkaufte seine Waren an die umhertobenden Kinder. Als er getan hatte, wozu er er seinen Wagen in die Straße gelenkt hatte, stieg Sam wieder ein und fuhr in die nächste Straße, um die nächsten Kinder, die er antraf mit Eis zu versorgen. Eine tägliche Prozedur, an der niemand rütteln wollte. Sam machte seine Gewinn und die Kinder waren glücklich.
Ich kehrte in die Station zurück und drückte den Knopf der Kaffeemaschine. Ich winkte Mrs. Longsdeen, die mit einer großen Einkaufstüte beladen den Gehweg entlang auf ihr viel zu teueres Apartment zu lief und dabei gekonnt den spielenden Kindern auswich.
Ich setzte mich mit meiner Kaffeetasse in den Sessel hinter meinem Schreibtisch und lauschte den Motorgeräuschen des vorbei fließenden Verkehrs.
Ich genoss das Leben in Sonora, es war ruhig hier. Eigentlich geschah hier nur selten etwas, und wenn etwas geschah, dann war es nichts Weltbewegendes.
Ich hatte bisher während meiner Dienstzeit nur Weniges zu klären, einen kleinen Autounfall in der Martin Street, eine vermisste Katze in einem Mehrfamilienhaus in der First Street und einmal war eine ältere Dame in der Orient Avenue eine Treppe herabgestürzt.
Bei all meinen Erfahrungen als Polizist, hätte ich niemals erwartet, dass ich bei meinem allmittaglichen Kaffee in eine Situation schlittern würde, die mir alles abverlangt, doch so sollte es sein.
Susen, meine Partnerin, kehrte gerade aus ihrer Pause zurück als das Telefon in der Station klingelte. Ich nahm ab
"Sonora Police Department, Jake Harrison."
"Hallo.....ich brauche Hilfe!"
"Wie heißen Sie?"
"....ich...ich brauche Hilfe...."
"Wo sind Sie?"
"Davis Road... am Fluss... bitte helfen sie mir"
Dann hörte ich das vertraute Tuten einer unterbrochenen Leitung. Das Display des Telefons zeigte keine Nummer an. Susan trat zu mir an den Tisch und erkundigte sich nach dem Inhalt des Telefonats. Ich wiederholte genau was die Stimme am Telefon gesagt hatte. Ich konnte die Stimme keinem Geschlecht zuordnen und aus irgendeinem Grund beunruhigte mich das sehr, da die Person am anderen Ende der Leitung durch und durch panisch geklungen hatte.
"Susan, sei doch so lieb und bring mir die Landkarte. Ich möchte nach sehen, wo der Fluss die Davis Road kreuzt."  Susan nickte und reichte mir eine Landkarte von Sutton County. Mit dem Finger fuhr in den Devils River von Süden nach Norden ab und stieß etwa 5 Meilen von der Polizeistation entfernt auf den Punkt,in dem sich die Davis Road zum ersten Mal mit dem Fluss kreuzte. „Susan, komm wir fahren mal hin und schauen was los ist!“, sagte ich entschlossen und zog meine Autoschlüssel vom Tisch. Susan nahm ihre Polizeijacke aus ihrem Spint und folgte mir.


„Warte kurz Jake, ich gebe Stu noch bescheid, dass wir ausrücken, für den Notfall sollte jemand in der Station sein!“ Ich nickte und setze mich in den Wagen. Es dauerte nicht lange bis Sue aus der Station hechtete und an die Fahrertür trat. „Sieht aus als könne Stu nicht kommen, Mary bekommt grade ihr Baby, Mike und Terry hatten in der Nachtschicht einen Autounfall auf der Hauptstraße zu regeln, diese beiden fallen also auch aus, Elenore ist noch in Eldorado und wird vor heute Abend wahrscheinlich nicht hier sein… worauf ich eigentlich hinaus wollte: Sieht aus als müsstest du in der Davis Road alleine nach dem Rechten sehen, ich bleib in der Station.“

„Gut, wir bleiben in Funkkontakt!“ „Pass auf dich auf!“ Dann ließ ich den Motor an und legte den Rückwärtsgang ein. Ich blinkte und fuhr mit einem kurzen Blick auf die Straße in die belebte Water Ave ein. Ein Gewitter zog auf und ich war gezwungen das Licht einzuschalten. Kurz nachdem ich die Stadt nach Norden verlassen hatte, begann es auf der Höhe des Golfplatzes zu regnen. Ich passte die Geschwindigkeit des Wagens an die Sichtverhältnisse an. Es dauerte länger mein Ziel zu erreichen als ich erwartet hatte. Als ich ausstieg und nach meiner Taschenlampe griff um die Gegend abzuleuchten, erkannte ich augenblicklich, was die Panik bei der Person am Telefon ausgelöst hatte. Ein Kleinfamilienwagen war über die Straße direkt in den Fluss gefahren, nur der Kofferraum ragte aus dem Wasser. Ich eilte zum Fluss hinab und riss an den Türen des Wagens, doch die Türen waren verklemmt. Im Wagen saß eine Frau auf dem Beifahrersitz und zwei Kinder auf der Rückbank. Der vordere Teil des Wagens war mit Wasser vollgelaufen. Die Frau bewegte sich nicht mehr. Die Kinder saßen bis zur Brust im Wasser, waren aber soweit ich sehen konnte bei Bewusst sein. Ich hämmerte gegen die Tür. Nach einigen Rufen gelang es mir, die Kinder auf mich aufmerksam zu machen. Ich rannte zum Wagen zurück und rief über Funk nach Sue. Ich verstand nur schwer, was sie sagte, der Empfang war gestört. ich hatte keine Hilfe. Ich nahm eine Brechstange aus dem Kofferraum meines Wagens, die ich nur wenige Tage zuvor einer Jugendgang abgenommen hatte und zerbrach damit die Fenster in den Hintertüren. Mit Not gelang es mir die Kinder zu beruhigen.
„Wie heißt ihr?“, fragte ich das ältere Mädchen.

„Mein Name ist Sara, und das ist mein Bruder Samuel“, schluchzte sie. „Okay Sara und Samuel alles ok bei euch? Habt ihr Schmerzen?“ „Es ist so unheimlich kalt!“, sagte der Junge und zitterte dabei am ganzen Leib. „Was ist mit Mami?“, fragte das Mädchen schluchzend. Damit deutete sie auf die Frau auf dem Beifahrersitz. „Ich kümmere mich gleich um sie, zuerst hole ich dich und Samuel aus dem Auto.“ Damit lehnte ich mich in das Wageninnere und riss an den Gurten, die die Kinder an den Sitz fesselten. Ich zerrte und riss solange bis sich der Gurt löste und Sara aus dem Wagen klettern konnte. Ich zerschlug auch auf der Fahrerseite das Fenster der Hintertür und befreite den Jungen. Ich brachte sie zum Wagen und wickelte Sie in die Decken meines Erste Hilfe Kastens ein. Ich setzte die Beiden auf den Rücksitz des Polizeiwagens und schaltete den Motor an, damit die Standheizung die unterkühlten Kinder aufwärmte. Ich versuchte noch einmal einen Notruf abzusetzen, doch noch immer war die Leitung massiv gestört. Ich eilte zu dem Wagen im Fluss zurück. Das Fenster der Beifahrertür ließ sich unter Wasser nicht zerschlagen, ich musste Hilfe anfordern. Ich eilte zum Wagen zurück und überprüfte noch einmal das Funkgerät und entschied mich, nach dem dieses nicht funktionierte zum Golfplatz zu fahren und von dort aus den Hilferuf abzusetzen. Ich setzte mich hinters Steuer und fuhr zum Golfplatz. Etwa eine Meile vom Unfallort entfernt, stand ein Mädchen mit erhobenem Daumen an der Straße, es trug dunkle Kleidung und ich hätte es fast übersehen, als das Mädchen hinter mir plötzlich schrie: „Halten Sie an! Das ist meine Schwester Lauren!“ Ich hielt, zögerlich sah mich das Mädchen an. Ich erkannte, dass sie sich nicht traute in den Wagen eines Polizisten einzusteigen, ich lehnte mich über den Sitz und öffnete die Beifahrer Tür. „Dein Name ist doch Lauren, oder?“, fragte ich, das Mädchen nickte schüchtern. Sie war etwa 17 Jahre alt und hatte wie ihre Geschwister dunkelblondes Haar. Erst jetzt hatte ich Zeit die Kinder richtig anzusehen, die beiden, die bereits bei mir auf dem Rücksitz saßen, waren dünn und sahen abgemagert aus. Sara war etwa 10 Jahre und Samuel um die 6. Sie hatten eingefallene Wangen und auch nur sehr blasse Haut. „Komm, steig ein, wir fahren zum Golfplatz und rufen einen Krankenwagen!“, sagte ich und Lauren stieg auf den Beifahrersitz.

Die Fahrt zum Golfplatz war ruhig, niemand sagte etwas. Als wir die Auffahrt zum Golfplatz hoch fuhren, murmelte Lauren: „Danke, dass Sie meine Geschwister gerettet haben.“ „Das ist mein Job!“, sagte ich. „Steigt bitte aus, wir werden euch drinnen erstmal einen Tee besorgen!“ Ich parkte den Wagen nicht weit von der Tür entfernt. Lauren nahm die beiden Kinder am Arm und eilte mit ihnen die Treppe zur Tür des Golfclubs hinauf.



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Kommentar von Guest:
(21.04.2009 um 15:40 Uhr)

klingt aufregend, ich hoffe, dass ist noch nicht das Ende




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