05.01.2012

Leben und Tod Kurzgeschichtensammlung

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Bild zu Der Autor:

Stefan Lamoury wurde 1982 im Ahauser Krankenhaus geboren, sein letztes Buch Leben und Tod erschien zuerst im Ebook Format und anschließend als gedrucktes Buch bei Books – on Demand. Schon während seines Studiums veröffentlichte er erste Kurzgeschichten in Zeitschriften und in diversen Ebook Verlagen. Darüber hinaus wurde das Buch von der Presse rezensiert.

So schwarz wie der Umschlag ist auch der Inhalt. Westmünsterland Zeitung am 09.05.2007

Stefan Lamboury zeigt mit seinem Werk Leben und Tod, dass er der neue Stern am Literaturhimmel ist , sagt Mr Wong.

Zum Werk:

Die Greenwoods ziehen mit ihrem Sohn in ein geheimnisvolles Schloss, schon bald wird ihr Sohn von einem bösartigem Geist heimgesucht, der ihn an den Rand der Verzweiflung treibt.

Sally ist schwer krank, ihr Mann steht ihr während der schweren Zeit zur Seite, doch die Stunde ihres Todes rückt näher.

Karin erhält von einem Unbekannten markabere Päckchen und schon sehr bald muss sie feststellen, dass es sich um mehr als nur einen bösartigen Scherz handelt.

Hanna ist wegen Verbrechen während des Nationalsozialismus zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden, als sie unerwartet wegen guter Führung vorzeitig entlassen werden soll, fasst sie einen folgenschweren Entschluss.

Als Mike von seiner Firma entlassen wird, sinnt er auf Rache in seiner Wut begeht er einen folgenschweren Fehler.

Als Nadine an einem kalten Novemberabend von einer Freundin zurück nach Hause fährt, wird sie von zwei Fremden angesprochen, die sie nach dem Weg fragen. Ihre Hilfsbereitschaft wird ihr Leben für immer verändern.


Leseprobe:

Ein geheimnisvoller Unbekannter

Es kam mit der Morgenpost: ein ganz normal aussehendes Paket in braunem Packpapier und verschnürt mit derber Doppelschnur. Es unterschied sich in nichts von den Tausenden anderer Pakete, wie sie die Postboten tagtäglich austragen. Mit diesem aber hatte es eine besondere Bewandtnis – eine ganz besondere. Das Paket erhielt keinen Absender, lediglich Karins Name und Adresse waren angeben.

Karin war Anfangs ein wenig verdutz, sie konnte sich keinen Reim darauf machen, wer ihr ein Paket schicken könnte? Sie holte ein Messer aus der Schublade und begann langsam die Schnur zu zertrennen. Nachdem die Schnur zertrennt war öffnete Karin aufgeregt das Frachtgut. Hastig klappte sie die Deckel zur Seite. Sie konnte vor Aufregung sogar ihren Herzschlag spüren. Im Inneren befand sich ein DINA4 Blatt, welches säuberlich zusammengefaltet war. Karin nahm den Zettel heraus, und faltete ihn auseinander. Auf dem Papier stand in roter Schrift:

Überraschung!

Sie legte den Zettel beiseite und sah hinein, doch was Karin erblickte versetzte sie in Entsetzen. In dem Paket befand sich eine tote Ratte. Karin hielt sich die Hand vor dem Mund, um einen Schrei zu unterdrücken, anschließend nahm sie das Paket wie auch den Zettel und warf alles in den Müll. Als Karin, wieder ins Haus ging, klingelte das Telefon.
Nachdem sie den Hörer abnahm, meldete sich am anderen Ende eine Stimme die sagte:
„Warum wirfst du mein Geschenk in den Müll?“
Karin war nach dieser Nachricht ein paar Sekunden wie gelähmt, dann antwortete sie:
„Wer sind Sie und was wollen Sie von mir? Ich werde die Polizei rufen.“
Karin hörte aber nur ein monotones Tuten am anderen Ende des Hörers. Sie legte auf und wählte ein paar Sekunden später die Nummer der Polizei.
Kurz darauf meldete sich auf der andren Seite eine Stimme die sagte:
„Polizei Notruf was kann ich für Sie tun?“
„Karin Bauer mein Name, ich werde belästigt.“
„In wie fern werden Sie belästigt?“
„Ich habe heute ein anonymes Paket erhalten. Da- da drin befand sich eine tote Ratte mit einem Zettel auf dem Überraschung stand.“
„Hat Sie jemand angegriffen?“
„Nein aber nachdem ich das Päckchen wie auch die Ratte entsorgt hatte, bekam ich einen anonymen Anruf, irgendjemand beobachtet mich. Er hat mich gefragt warum ich sein Geschenk in den Müll geschmissen hätte?“
„Hat man Sie körperlich angegriffen?“
„Nein.“
„Dann können wir leider nichts unternehmen.“
„Bitte Sie müssen mir helfen, bitte schicken Sie mir ein paar Beamten vorbei.“
„Ohne eine konkrete Straftat, können wir Ihnen niemanden schicken.“
„Draußen läuft ein Verrückter rum und Sie wollen mir erzählen Sie können nichts unternehmen?“
„Solange keine Straftat vorliegt nein.“
„Vielen Dank für Ihre Hilfe und dann heißt es immer die Polizei dein Freund und Helfer.“
Mit diesen Worten knallte Karin den Hörer auf.
Am nächsten Morgen erhielt sie erneut ein Paket ohne Absender.
Wieder öffnete Karin langsam mit einem Messer das Paket, auch in diesem befand sich ein weißer Zettel. Auf diesem stand:

Deine Zeit läuft ab.

Die Nachricht ließ Karin das Blut in den Adern gefrieren. Unter dem Zettel befand sich eine Puppe, die aussah wie sie selbst. Man hatte der Puppe die Haare abgeschnitten und das Gesicht war anscheinend von einem Messer oder ähnliches völlig entstellt worden.
Ein Auge war ausgestochen worden. Karin nahm die Sachen und warf sie in den Müll. Einen Augenblick später klingelte erneut das Telefon. Als sie den Hörer abnahm, meldete sich eine Stimme die sagte: „Warum wirfst du mein Geschenk in den Müll? Dafür wirst du bezahlen.“
Panik stieg in Karin auf, sie zitterte am ganzen Körper, fing an zu weinen und rief:„Ich werde die Polizei rufen!“
Doch am anderen Ende war niemand mehr. Plötzlich hörte sie ein Klirren. Karin drehte sich um, jemand hatte das Wohnzimmerfester eingeschlagen. Scherben und Glassplitter lagen quer verteilt auf dem Fußboden. Ein großer Mann von kräftiger Statur stand in ihrem Wohnzimmer, er war schwarz gekleidet, sein Gesicht hatte er mit einer Skimaske verhüllt. In der rechten Hand hielt er ein Messer.
„Jetzt bist du dran du Schlampe.“ , sagte der Mann.
Für einen Moment war Karin wie gelähmt, ihr Gesicht wurde kreidebleich, doch dann rannte sie in Richtung Haustür. Ihr Herz raste in der Brust, sie schrie um Hilfe, während der Einbrecher ihr folgte. Karin schaffte es die Haustür zu erreichen, kalter Angstschweiß lief ihr von der Stirn. Ihr Verfolger erreichte sie, packte sie mit einer Hand an den Haaren und zog sie an sich heran. Karin stand Todesängste aus, ihre Kehle war wie zugeschnürt, ihr Herz schien für einen Moment auszusetzen. Er setzte ihr das Messer an den Hals. In Sekundenbruchteilen lief Karin ihr gesamtes Leben noch einmal wie in einem Film vor Augen ab. Irgendwie gelang es ihr dem Täter einen Tritt gegen das Schienbein zu verpassen. Der Mann ließ das Messer vor Schmerz fallen. Wie im Trance griff Karin nach der Waffe und jagte es ihm mit voller Wucht in die Brust. Er fing an zu taumeln, gab einen schmerzenden Laut von sich, bis er mit einem dumpfen Aufprall zu Boden fiel, wo er regungslos liegen blieb.


Ende

Hanna saß auf ihrem Bett in der Gefängniszelle. Sie hielt Michaels letzten Brief in der Hand und las ihn sich immer wieder durch. Er war inzwischen also verheiratet. Eine Träne lief sanft ihre Wange hinunter und befeuchtete das Papier. Wenn sie an ihre Vergangenheit zurückdachte, hatte sie absolut keinen Grund stolz auf sich zu sein. Tausende von Menschen wurden durch ihre Hilfe in den Tod geschickt, Juden, Zigeuner, Behinderte und politische Gefangene. Aber was änderte das jetzt noch. Sie konnte es nicht mehr rückgängig machen. Morgen würde man sie entlassen, aber wer wartete denn auf sie. Eine Familie hatte sie nicht und ihre große Liebe war inzwischen mit einer anderen Frau verheiratet. Niemand wartete auf sie. Sie liebte ihn immer noch, doch er war vergeben. Michael hatte eine andere Frau das wusste sie aus seinen Briefen. Michael war der Einzige, der ihr in den vergangen Jahren Halt gegeben hatte. Ihre Liebe zu ihm war der Grund warum sie überhaupt noch am Leben war. Ohne ihn hätte sie sich schon längst das Leben genommen. Sie hatte geträumt, dass er sie beide nach der Entlassung auswandern würden, irgendwo hin in ein anderes Land wo keiner sie kannte und wo man ihr nicht dumme Fragen wegen ihrer Vergangenheit stellen würde. Doch ohne Michael hatte das jetzt alles keinen Sinn mehr. Es war keine Minute in diesem kalten Gemäuer vergangen, an denen sie nicht an ihm gedacht hatte. Doch jetzt war alles aus. Er war verheiratet, dass wusste sie schon lange. Sie konnte es nicht mehr verdrängen. Sie hatte sich eingeredet, Michael würde draußen auf sie warten. Erst jetzt wurde ihr klar dass dem nicht so war, er hatte eine Frau, niemand wartete auf sie. Keiner wollte wirklich was von ihr wissen. Alles sahen in ihr nur die dämliche Analphabetin, die während der NS Zeit Menschen auf grauenvolle Weise hingerichtet hat. Hanna war sich sicher, dass viele Menschen sie gerne tot sehen wollten. Welche Zukunft hatte sie denn? Verdammt noch mal warum musste ihre Vergangenheit sie ausgerechnet zu dem Zeitpunkt einholen, wo alles so gut am laufen war. Sie hatte endlich jemanden gefunden, jemanden der es ernst mit ihr meinte, der mit ihr glücklich werden wollte und dann das, ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt musste ihre Vergangenheit sie einholen.
Hanna holte einen Strick hervor, den sie unter ihrer Matratze versteckt hielt. Sie nahm das Seil in die Hand und lies es langsam immer wieder durch ihre Finger gleiten. Am Ende der Schnur befand sich eine Schlinge. Sie überlegte ob sie ihrem Leben ein Ende setzten sollte. Schon lange vorher war ihr der Gedanke gekommen, doch ihre Liebe zu Michael hatte sie am Leben gehalten. Doch jetzt wo er vergeben war spielte das alles keine Rolle mehr. Hanna stieg auf den Tisch in ihrer Zelle und öffnete das Gitterfenster, eine leichte Brise umwehte ihr Gesicht. Sie holte einmal tief Luft, schloss die Augen und genoss die dieses kleine Gefühl von Freiheit. Ja für Hanna war die frische Luft immer ein kleines Gefühl von Freiheit gewesen. Alles hatte man ihr genommen, ihre Liebe zu Michael, ihre Würde ihre Freiheit einfach alles. Aber den Tod konnten sie ihr nicht nehmen. Nur wenn sie Tod war würde Sie wirklich frei sein, absolut frei. Frei wie ein Vogel im Wind. Langsam befestigte Hanna das Ende des Seils an die Gitterstäbe, anschließend überprüfte sie ob es auch stabil genug war. Dann steckte sie ihren Kopf durch die Schlinge und zog sie fest zusammen. Ein letztes Mal ließ sie einen Blick durch den Raum gleiten. Michaels letzten Brief hielt Hanna während der ganzen Zeit in ihrer linken Hand. Jetzt ließ sie ihn fallen. Das Papier segelte langsam zu Boden. Hanna schloss die Augen, ein letztes Mal sog sie die Luft des Raumes ein. Sie machte einen Schritt nach vorne.

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