15.06.2011

Jeder hat Erholung verdient

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Bild zu Wütend stieß er ihr das Messer ins Herz. Seine Hand zitterte im Leib der jungen Frau. Mit entgeistertem Gesicht sackte sie zusammen, sie rührte sich nicht. Nicht mehr. Das Messer konnte er nicht länger in der Hand behalten, es war, als hätte es eine riesen Last angenommen, Tonnenschwere überfiel seinen Arm. Klappernd fiel es zu Boden. Ohne einen weiteren Blick auf den leblosen Körper verließ er schnellen Schrittes die menschenleere Bar. Als er draußen war durchströmte eiskalte Luft sein schütteres Haar. Er machte sich auf den Weg nach Hause, zu seiner verlassenen Wohnung. Die Wohnung, in der niemand auf ihn wartete. Wer auch? Er hatte niemanden. Keine Familie, Verwandte, Freunde. Oder gar eine Freundin. Ein heftiger Adrenalinstoß durchfuhr seinen Körper. Jede Person, die ihm entgegen kam, schien zu wissen was er getan hatte. Sie alle hatten diesen Blick, er war verachtend und durchleuchtend zu gleich. Er machte immer größere und schnellere Schritte. Sich weiter diesen Blicken auszusetzten konnte er nicht. Diese Kraft besaß er schon lange nicht mehr. Denn es war nicht das erste Mal, dass er sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Er kam vor dem armseeligen Mietshaus an. Der Putz pellte an den kargen Hauswänden ab, an einer Wand befand sich sogar ein Graffiti. Es war wirklich nicht besonders auffällig, da so jedes Haus in dieser Gegend aussah. Er betrat das dunkle Treppenhaus und schlich leise in den dritten Stock. Bei seiner Haustür angekommen, hielt er einen Moment inne. Wie konnte es nur so weit kommen? Er seufzte und atmete tief durch. Langsam öffnete er die schäbige Haustür und trat ein. Es war eine Einzimmerwohnung, die so gut wie gar nicht möbiliert war. In dem Raum befand sich ein Ohrensessel, daneben ein kleines Sofa mit einigen Fettflecken. Es war gleichzeitig sein Bett. In der Mitte stand ein mickriger Couchtisch auf dem sich in Unmengen Müll stapelte. Es war eine dieser typischen, verwesten Mietwohnungen, die man ständig in irgendwelchen Talkshows sehen konnte. Ihnen wurde geholfen, indem eine große Putzkolonne die Arbeit erledigte. Doch dies war die Realität, nicht das Fernsehen. Niemand schien ihm helfen zu wollen oder je den Gedanken daran verschwendet gehabt zu haben. Auf dem Weg zu seinem engen Bad legte er die Klamotten ab. Er ließ sich ein warmes Bad ein und machte es sich gemütlich so gut es ging. Dies war seine einzige Ruhequelle. Nach ein paar Minuten, die ihm wie eine Ewigkeit schienen, nahm er den Schwamm und wusch sich mit eiskaltem Wasser. All die Sorgen wurden weggespült. Er setzte den Schwamm mit immer mehr Druck auf, Schmerzen durchfuhren ihn, aber ihm machte es nichts aus. Die Haut litt sichtlich darunter, sie war rot und spröde. An einigen Stellen schien schon das Fleisch durchzuscheinen. Er wusch und rubbte, Blut lief an seinen Armen runter, sodass das Wasser in der Wanne eine rötliche Farbe annahm. Er konnte nicht aufhören, er war so in Fahrt, dieses Gefühl, er bekam nicht genug davon. Die Bewegungen wurden immer hektischer und extremer, er schien völlig die Kontrolle zu verlieren. Das Wasser schwabbte am Wannenrand über und lief auf dem Boden seinen Weg. Selbst die Wanne rutsche nun leicht hin und her, wobei sie leicht gegen das danebenstehende Regal stieß. Völlig vom Rausch überfallen, bemerkte er nicht, dass dies sein letztes Bad werden würde. Denn: Ein Radio stand unruhig auf dem billigen Regal, das wahrscheinlich nicht aus echten Holz war. Ehe er sich versah, plumste mit dem letzten Stoß gegen das Gestell das elektrische Gerät in die Wanne. Das Licht ging aus und kurz darauf wieder an. Es war ein Radio, das ihm das Leben nahm.



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