28.06.2009

falscher alarm

() 3. Platz - Gsf 2009 Krimi Beitrag

FALSCHER ALARM

Draußen war stockfinstere Nacht, nur der Wind peitschte den Regen um die Häuser. Es war Neumond; den Mond konnte man nur erahnen, denn nur ein Schatten war von ihm zu sehen. Die alte Gaslaterne, am Ende der Straße, gab auch nicht viel Licht her und das letzte Haus war in tiefe Dunkelheit gehüllt. Ein paar Schritte weiter begann der Wald, mit seinen eng aneinander schmiegenden Nadelgehölz und seinen nächtlichen, manchmal unheimlich klingenden Tiergeräuschen. Abends war diese Gegend wie ausgestorben. Nicht einmal die Liebespärchen aus dem Dorf, trafen sich hier, obwohl es sehr wohl, dunkel genug war.

In diesem Haus, am Ende der Straße, wohnte Emma John. Sie lebte schon immer hier in dieser Gegend und jeder in dem Dorf kannte sie. Allerdings wurde sie von den Einwohnern gemieden, warum das so war, konnte Emma auch nicht sagen. Sie hatte nie geheiratet und lebte sehr zurückgezogen, mit ihrem rotbraunen Perserkater namens Janosch. Der war nicht mehr der Jüngste, aber Emma John zählte auch schon fast

75 Jahre und so paßten sie ganz gut zusammen. Ab und zu kam sie ins Dorf, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Niemand sprach sie an oder grüßte sie und das war ihr auch recht so. Nur ein einziger Mensch in diesem Ort hatte ihr Vertrauen, das war der Dorf Polizist Leo Wolf. Wie oft hatte sie ihn schon gerufen, wenn sie nachts glaubte, jemanden um ihr Haus herumschleichen zu hören! Leider konnten am nächsten Tag keinerlei Fußabdrücke gefunden werden, obwohl sie sich das bestimmt nicht nur eingebildet hatte. Der Polizist Leo hatte immer Verständnis aufgebracht, was ihre enorme Angst betraf. Wenn es seine Zeit erlaubte, dann stand er mit seinem Dienstwagen vor ihrem Haus und wachte über sie. Am nächsten Morgen erzählte er ihr, bei einer Tasse Kaffee, das es nur die Hasen waren, die sich die Rüben aus ihrem Garten holten. In diesen Nächten, wenn Leo Wolf Wache hielt, konnte sie tief und fest schlafen. Sie mußte nicht alle Läden schließen und ihr Haus verriegeln. Das Mondlicht schien dann zu ihr in das Schlafzimmer und sie konnte den großen Nordstern von ihrem Bett aus betrachten.

Die letzten zwei Wochen war aber keine ruhige Nacht mehr möglich, da Leo Wolf, mit Lungenentzündung im Krankenhaus lag. Eigentlich sollte er heute entlassen werden, aber irgend etwas muß dazwischengekommen sein, denn er hatte sich nicht bei ihr gemeldet. Das Dorf war zur Zeit ohne Polizeischutz und dies machten sich schon die ersten Diebe zunutze. Letzte Woche wurde bereits beim Schuhmacher Herrmann eingebrochen. Alle reparierten und neuen Schuhe nahm der Einbrecher mit, nur die kaputten Waren ließ er zurück. Das war ein schwerer Schlag für den Schuster, da er mit seinem Einkommen noch sein Enkelkind mit ernähren mußte und der Laden nicht versichert war. Jetzt hatte Emma jede Nacht große Angst, das dieser Einbrecher auch bei ihr einsteigen würde. Eigentlich hatte sie nichts im Haus, was sich lohnte zu stehlen, jedoch wußte das der Dieb!

Sie verschloß alle ihre Fensterläden bevor es dunkelte. Das Türschloß bekam noch eine extra Sicherheitskette und der Schlüssel wurde zweimal rumgedreht. Sollte Emma aber doch versehentlich einschlafen, hatte sie zur Sicherheit einen alten Blecheimer mit etwas Wasser gefüllt und direkt von innen, an die Türe plaziert.

So war sie gewappnet für die Nacht; jetzt konnte der Einbrecher ruhig kommen. Als sie zu Bett gehen wollte, war Kater Janosch nirgends zu finden. Ab und zu kam das schon vor, das er sich versteckte und lieber im Schrankfach oder unter dem Sofa schlief. Emma rief nach ihm und lockte mit Leckerle, aber Kater Janosch blieb verschwunden. Sie machte noch einen Rundgang durch das Haus, dann ging sie die steile Treppe nach oben in ihr Schlafzimmer. Dort angekommen, horchte sie noch einmal nach unten , aber alles war still. Alsdann verschloß sie die Türe, überzeugte sich noch, das der Fleischklopfer , welcher im Notfall zur Verteidigung dienen sollte, unter ihrem Kopfkissen lag und ging zu Bett. Gleichmäßig prasselte der Regen auf das Dach und das Geräusch machte Emma schläfrig.

Es war schon weit nach Mitternacht, als es plötzlich im Erdgeschoß einen lauten Knall gab. Sie saß sofort kerzengerade in ihrem Bett und lauschte mit angehaltenem Atem. Wenn das nicht der Einbrecher war, dachte sie und holte ihren Fleischklopfer aus dem Versteck, unter dem Kopfkissen, hervor. Ihr Herz raste vor Angst und am liebsten hätte sie sich, in diesem Moment, unter der Bettdecke versteckt. Wo war nur Janosch, ihr geliebter Kater; Hoffentlich blieb er in seinem Versteck. Sie würde es nicht verkraften, wenn dem Tierchen etwas passierte. Niemand weiß, was in einem Einbrecher vorgeht, wenn er plötzlich, bei seinem Einbruch, von einem Tier gestört würde. Wer weiß, vielleicht verliert er dann die Nerven und bringt ihren geliebten Kater um.

Sie schlüpfte in ihre Pantoffeln und versuchte leise die Schlafzimmertüre zu öffnen.

Es quietschte und Emma hielt sofort inne in ihrer Bewegung. Wo war nur ihre Nachtkerze! Es war stockfinster in dem Raum und von unten kamen immer noch laute Geräusche. Dazwischen konnte sie das Miauen und Fauchen ihres Katers ausmachen.

Er war ein Kämpfer, wahrscheinlich versuchte er den Dieb in die Flucht zu schlagen.

Endlich hatte Emma die Öllampe entzündet, den Docht heruntergedreht und versuchte nochmals die quietschende Türe, so leise wie möglich, zu öffnen. Langsam und leise ging sie zu Treppe und horchte andächtig nach unten. Dann kam dieser Augenblick, den sie nicht so schnell wieder vergessen sollte. Etwas raste in einem affenartigen Tempo, zwischen ihren Beinen durch, hinein ins Schlafzimmer. Emma versuchte noch das Gleichgewicht zu halten, dachte nur noch, oh Gott, dann riß es ihr auch schon die Beine weg und schon kam sie in Fahrt, auf ihrem Allerwertesten, bis zur letzten Stufe.

Ihr einziger Gedanke war Leo Wolf, der Polizist, der sie jetzt nicht vor dem Einbrecher beschützen konnte. Die Hilflosigkeit übermannte sie, diesem Verbrecher wehrlos ausgeliefert zu sein. Der Augenblick dehnte sich zu einer Ewigkeit und langsam ließ das heftige Herzklopfen etwas nach. Alles blieb ruhig und niemand bedrohte sie. Es war immer noch stockfinster um sie herum, aber Emma konnte sich nach dieser Bruchlandung, die ja nicht gerade ruhig verlief, nicht vorstellen, das der Einbrecher geflüchtet wäre.

Die Eingangstür war noch geschlossen, nur der Eimer lag umgekippt am Boden und das Wasser hatte sich über das Linoleum verteilt. Ihr Kater Janosch lebte auch noch, denn er war es, der sie zu Fall gebracht hatte. Am liebsten wäre sie jetzt aufgestanden und hätte alles genauestens inspiziert. Nur das ging im Augenblick nicht, da Emma höllische Schmerzen hatte und nicht in der Lage war, sich viel zu bewegen. So blieb sie still auf der Seite liegen, bis zum Morgen. An Schlaf war sowieso nicht zu denken. Ihr Körper war inzwischen eiskalt geworden und sie hatte höllischen Durst.

 

Leider wurde es auch am nächsten Tag nicht viel heller im Hause von Emma. Alle Fensterläden waren seit letzten Abend dicht verschlossen und ließen kein Licht in das Haus. Ihr Kater Janosch kam die Treppe herunter, kuschelte sich an sie und schnurrte. Er hatte jetzt Hunger und hätte gerne sein Freßchen gehabt. Emma dachte noch mal an die Situation, als sie mit der Lampe in der Hand, die Treppe hinunterstürzte. Gott sei Dank war die Flamme beim Fall erloschen. Nicht auszudenken was noch alles passiert wäre, wenn sich das Öl entzündet hätte. Dann wäre womöglich das ganze Haus abgebrannt, mit ihr und ihrem Kater Janosch. Es gab wohl doch Schutzengel!

So lag Emma noch eine weitere Nacht, mit Schmerzen, auf dem Boden, als sie am nächsten Morgen, Stimmen vor ihrer Haustür vernahm. Oh ja, sie konnte es deutlich ausmachen, eine Stimme war die von Leo Wolf, dem Polizisten. Es klopfte mehrmals an die Türe und Emma rief laut, das sie nicht aufstehen könnte, da sie verletzt wäre. Es wurde ein Schlosser gerufen, der die Türe öffnete. In Kürze war das Haus voll mit Polizisten und Sanitätern. Es wurden alle Fensterläden geöffnet, damit Licht in das Dunkel kam. Emma wurde auf eine Bahre gebettet und mit dem Sanitätsauto sofort in das nahegelegene Krankenhaus gebracht. Der Polizist Leo Wolf, kümmerte sich in der Zeit, solange Emma nicht da sein konnte, um ihren Perserkater Janosch. Sie hatte viele Verletzungen, die sie lange an das Bett fesselten.

Emma konnte das Krankenhaus erst nach langer Zeit wieder verlassen. Die Dorfbewohner, welche sie früher nie gegrüßt hatten, kümmerten sich plötzlich um das Haus von Emma John, verlegten Stromkabel und brachten eine Alarmanlage an. Jetzt brauchte sie keine Angst mehr haben, das Einbrecher bei ihr einsteigen könnten.

Es hat sich inzwischen viel in Emmas Leben verändert. Sie genießt jetzt immer öfter die Aussicht von ihrem Fenster, auch wenn die Dunkelheit den Wald schwarz erscheinen läßt, aber die Sterne und der Mond, die Nacht durchbrechen. Der Dorf Polizist Leo Wolf kommt seit einiger Zeit, fast jeden Abend vorbei, dann machen sie sich eine Kanne heißen Tee und spielen Karten. Manchmal bleibt er auch über Nacht, dann kann Emma wieder beruhigt, so richtig tief und fest schlafen.

Dem Einbrecher Kater Janosch geht es bestens. Wenn Emma ihn ruft, dann kommt er sofort nach oben und legt sich auf ihre Füße.



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