14.12.2007

Die Leiche, die selbst zum Friedhof fuhr

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Die Leiche, die selbst zum Friedhof fuhr -- Kurzgeschichte -- Bruno Buike und Jakob Uske, Nov. 1999 / 2005 (aus gemeinsamen Hausarbeiten)

Aufgabe für Klasse 7, Gymnasium, Fach Deutsch: Mach aus einem Zeitungsbericht (hier fehlend) über einen Verkehrsunfall eine Kurzgeschichte, ohne den Namen des Unglücksfahrers zu benutzen.

Auf dem Schulhof spielen Kinder eins von diesen neumodernen Kartenspielen mit Rennwagen: 8 Zylinder, 3200 Kubikzentimeter Hubraum, 230 Stundenkilometer. Gesichter und Ohren sind rot vor Aufregung: Marke Jaguar, 300 Stundenkilometer sticht! Plötzlich geht die Pausenglocke: Die Zeit ist um! "Dunkel war's, der Mond schien helle, als ein Auto blitzesschnelle langsam um die gerade Ecke fuhr." Lehrling B. aus H. bei München erinnerte sich an diesen Kinderspruch, lachte leise und schlich nachts ins Wohnzimmer, wo in Mutters Handtasche der Autoschlüssel war. Wenn dann das Gaspedal bis zum Anschlag durchgetreten ist, da wird sogar ein VW zum Jaguar! Und der Jaguar überspringt rote Ampeln und alle Polizeisperren! Die Nacht ist die Zeit des Jaguars! Da kommt die Durchsage: "Funkspruch an alle! Jagt den Jaguar!" Im Licht der Morgensonne sieht man: Sie haben ihn umzingelt wie bei einer Treibjagd im Urwald. Beim Friedhofszaun! Gesichter und Ohren sind rot vor Aufregung. Aber die Männer sind müde und wollen nach Hause. Warum dann plötzlich zwei Schüsse fielen, wußte später niemand zu sagen. Und der Wind schlug die Totenglocke. Sie legten Lehrling B. aus H. in einen richtigen Sarg und begruben ihn bei München. "Keine weitere Frage!", sagte der Staatsanwalt und klappte die Akte mit dem Unfallbericht zu. Wer aber löst mir das Rätsel, warum Friedhöfe Zäune haben?!?

Kritik der Deutschlehrerin aus 1999: Der erste Punkt, der kritisiert wurde, war: Im Polizeifunk sagt man kaum jemals und wahrscheinlich hört man sogar nie dort: "Jagt den Jaguar!" - vor allem dann nicht, wenn ein VW-Auto gemeint ist. Dieser Kritikpunkt würde "übersetzt" in die klassische Rhetorik und Lehre "vom rechten und richtigen Dichten" lauten: Hier liegt eine nicht-lizensierte Hyperbole vor. Nun, diesen Kritikpunkt lassen wir hier einfach so stehen ... denn eine Änderung würde bedeuten, das "Salz aus der Suppe" zu nehmen ... ohne daß man aus dem Stehgreif wüßte, wie ANDERS zu WÜRZEN wäre ... Der zweite Kritikpunkt bezog sich auf die Abschlussfrage: "Warum haben Friedhöfe Zäune?" Obwohl es an sich als "unfein" oder "unschicklich" gilt oder galt, sich selbst zu kommentieren, erlauben wir uns an dieser Stelle eine Erläuterung wie folgt, obwohl natürlich Witze, die man "erklären" muß, viel von ihrem "Biss" verlieren: Zäune werden benötigt, um etwas abzugrenzen oder zu schützen. Die literarische Überlegung war aber hier: Wer auf dem Friedhof liegt, kann nicht weglaufen - also wäre ein Zaun überflüssig. Wer aber nicht auf dem Friedhof liegt, der wird wohl kaum dorthin wollen - jedenfalls nicht, um dort zu liegen! ALSO wäre ein Zaun wiederum überflüssig! Vielleicht liegt aber in der Lehrerkritik so etwas wie der stillschweigende Vorwurf MANGELHAFTEN REALITÄTSBEZUGES - und wir ergänzen deshalb: Die REALITÄT HEUTE ist, dass Friedhöfe Zäune BENÖTIGEN, nämlich wegen polizeitaktischer Überlegungen, nämlich wenn dort sogenannte "Grufties" ihre "Grusel-Paries" feiern - oder sogar mittelalterliche "Zauberrituale aufführen" oder gar "schwarze Magie" versuchen ...Und HEUTE beobachtet die Polizei zum Beispiel den Südfriedhof in Düsseldorf - auf der Suche nach Drogen-Depots --- Diese Schlußbemerkung ist KEIN SCHERZ, sondern eine Kurzzusammenfassung aus der Polizeiberichterstattung der Tageszeitungen!



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