21.02.2011

Der Partymord

() Krimi- und Thrilleraktion 2011

Inspektor Stretzler war froh, als er nach einem harten Tag endlich im Bett lag. Er freute sich auf eine geruhsame Nacht und war bereit, sich auf eine Reise in die Traumwelt einzulassen, als plötzlich das Telefon klingelte. Er ahnte schon, dass ihm ein weiterer nächtlicher Einsatz bevorstehen und er somit weiteren Schlafdefizit ansammeln würde. Manchmal wünschte er sich, einen anderen Beruf mit festen Arbeitszeiten gewählt zu haben. Andererseits liebte er auch das, was er tat und deshalb war er sehr gespannt darauf, was ihm seine Assistentin am anderen Ende der Leitung gleich berichten würde.

Mit den Worten "Hallo Johanna. Was gibt's denn um diese Zeit?" begrüßte er seine Gesprächspartnerin, die sofort mit ihrer Berichterstattung begann: "Ein ungewöhnlicher Mord bei einer Party in dem besseren Teil unserer Stadt. Ich bin schon hier. Franzosenstraße 19 bei Hönicke." - "Ok, Darling. Ich bin gleich da." Obwohl Inspektor Stretzler keinerlei Verhältnis außer des beruflichen zu seiner Kollegin pflegte, benutzte er schon mal Worte wie 'Schatz' oder 'Darling', während er mit ihr sprach. Johanna hatte nichts dagegen. Die beiden kannten sich schon seit 9 Jahren und wussten genau, wie sie ihren Partner einzuschätzen hatten.

Der Inspektor tauschte seinen Schlafanzug mit den Sachen, die er sich für den nächsten Morgen zurecht gelegt hatte und verließ das Haus. Er stieg in seinen noch recht neuen Wagen, mit dem es sich, wie gewohnt, recht zügig durch die Straßen seiner Heimatstadt bewegte. Nach 10 Minuten Fahrt erreicht er das Haus, dessen Haustür offen stand. Ein Polizeibeamter stand davor. Stretzler begrüßte seinen Kollegen, der seinen Gruß erwiderte und dem Inspektor sagte, dass die Wohnung, in dem der Mord geschehen war, sich im vierten Stock befand. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Soviel Bewegung zu nächtlicher Stunde konnte nun wirklich nicht gut tun.

Stark schnaufend begrüßte Stretzler Johanna, nachdem er die 96 Stufen gemeistert hatte. "Da bist du ja endlich", sagte Johanna und führte ihren Kollegen zu der Leiche im Badezimmer. "Wirklich schade um die schöne Frau" waren die Worte, die der Inspektor sich nicht verkneifen konnte, als er die Ermordete auf den Fliesen liegen sah. Kommentarlos überging Johanna diese Bemerkung Stretzlers und übermittelte ihm wichtige Details, die sie in der Zeit, in der sie auf ihn wartete, herausgefunden hatte: "Die Tatzeit muss etwa gegen 23.30 Uhr gewesen sein. Die junge Dame wurde offensichtlich von hinten erstochen." - "Wo finde ich den Gastgeber der Party", fragte der Inspektor seine Assistentin, die ihm daraufhin mitteilte: "Alle Gäste sitzen im Wohnzimmer und sind verständlicherweise ziemlich schockiert."

Richard Stretzler ging ins Wohnzimmer und fragte, wer von den Anwesenden Herr Hönicke wäre. Ein Mann um die 1,80 mit dunklem kurzen Haar stand auf und sagte leise: "Das bin ich."
"Wieviele Leute hatten sie eingeladen?" lautete die erste Frage, die der Kriminalbeamte dem Mieter der Wohnung stellte. "20 waren es", antwortete dieser ohne zu zögern.
"Ist jemand nicht gekommen?" fuhr Stretzler die Befragung fort. "Nein, alle sind da. Ich habe jeden einzelnen Gast an der Tür empfangen. Alle sind erschienen und es ist auch noch niemand gegangen, weil Ihre Kollegin gesagt hat, dass keiner die Wohnung verlassen soll", meinte Herr Hönicke mit nun schon etwas lauterer Stimme.
"Es ist üblich in solchen Fällen", sagte Stretzler, "denn schließlich könnte sich der Mörder ja noch in der Wohnung befinden. Erzählen Sie uns bitte, wie Sie das Geschehene erlebt haben."
Der Gastgeber schaute ins Leere und schilderte, was noch kurz zuvor in seiner Wohnung geschehen war: "Wie üblich haben sich einige Gäste im Wohnzimmer und ein paar andere in der Küche aufgehalten. Ich habe zum Zeitpunkt des Mords auf der Couch gesessen. Alle waren gut gelaunt, haben etwas getrunken und sich unterhalten. Plötzlich haben wir einen lauten Schrei gehört, der durch Mark und Bein ging. Schnell war uns klar, dass das laute Geräusch nur aus dem Badezimmer kommen konnte. Ich bin aufgestanden und habe ins Bad gerufen, was denn los sei. Es hat jedoch keiner geantwortet. Auch beim zweiten Nachfragen haben wir keinerlei Geräusche aus dem Bad gehört. Ich habe also versucht, die Tür zu öffnen, doch sie war von innen abgeschlossen. Dann haben wir beschlossen, die Tür aufzubrechen, was uns nach ein paar Versuchen auch gelungen ist."
"Und weiter?" fragte Inspektor Stretzler den Gastgeber der Party.
"Dann haben wir sie da liegen sehen", fuhr Herr Hönicke fort. "Sie lag auf dem Bauch und hatte ein Messer im Rücken. Wir waren alle total geschockt. Ich habe dann, als ich wieder einigermaßen klar denken konnte, die Polizei angerufen. Die ist dann auch sehr schnell erschienen. Ihre Kollegin von der Mordkommission hat nur ein paar Minuten später geschellt."
"Ist Ihnen noch irgendetwas Erwähnenswertes aufgefallen?", waren die Worte Stretzlers, mit denen er weitere wichtige Informationen aus Hönicke herausbekommen wollte.
"Nein, nichts", sagte der Befragte, "ich kann mich an gar nichts weiter erinnern, was Ihnen noch weiterhelfen könnte."
Der Inspektor wollte gerade das Gespräch beenden, da unterbrach Herr Hönicke sein Vorhaben: "Doch! Moment! Im Bad war das Fenster geöffnet, als wir Sandra gefunden haben. Ich bin gleich hingegangen und habe es geschlossen."
"Das sagen Sie jetzt erst", entfuhr es dem Mund des Inspektors in lautem Ton. "Johanna! Zähle ganz schnell die Gäste durch! Es müssten zwanzig sein."

Die Assistentin des Kriminalinspektors stellte keine weiteren Fragen und begann damit, die Anwesenden, die sich allesamt im Wohnzimmer befanden, laut zu zählen: "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun... zehn, elf, zwölf, dreizehn, vierzehn, fünfzehn, sechzehn, siebzehn, achtzehn, neunzehn... Neunzehn! Das sind alle... alle Gäste der Party."
"Zwanzig!", schrie der Inspektor plötzlich, "es müssten zwanzig sein. Einer fehlt! Er ist durch das Badezimmerfenster geflohen. Wer war das? Wer fehlt hier gerade?"

Alle Gäste guckten sich verdutzt an. Plötzlich meinte Herr Hönicke: "Wo ist Jochen? Ist Jochen nicht mehr da?"
Allen war nun klar, dass Joch höchstwahrscheinlich Sandras Mörder gewesen sein musste. Er war offensichtlich durch das Badezimmerfenster geflohen und musste, angesichts der Tatsache, dass die Party im vierten Stock stattfand, ein ausgezeichneter Kletterer gewesen sein.

"Ich brauche dringend ein Foto oder eine Personenbeschreibung von diesem Jochen", sagte der Inspektor für alle Anwesenden gut hörbar.
"Ich habe Fotos auf der Party gemacht. Auf einem ist bestimmt auch Jochen zu sehen", gab eine junge Frau von sich, die in der hinteren Ecke des Raumes stand und bereits die Tasten auf ihrem Handy drückte, um ein Foto des vermeindlichen Mörders auf ihr Display zu bekommen. "Hier ist eins", waren ihre nächsten Worte. Kaum hatte der weibliche Partygast den Satz ausgesprochen, hatte der Inspektor ihr das Mobiltelefon bereits aus der Hand gerissen. Er stürmte aus der Wohnung und rannte die Treppen herunter. Seine Kollegin Johanna folgte ihm nicht weniger schnell.

"senden Sie das Foto an die Zentrale. Die sollen dort eine Fahndung einleiten. Wir sehen uns schon mal in der Gegend um", sagte Inspektor Stretzler zu dem Polizisten vor der Haustür, nachdem er und Johanna unten angekommen waren und sich beide das Foto auf dem kleinen Bildschirm des Handies genaustens angeschaut hatten. Stretzler gab dem Beamten das Telefon und machte sich mit seiner Kollegin auf den Weg. Was darauf folgte, war eine Fahrt durch alle Straßen der Umgebung, waren sie auch noch so klein.

Nachdem die beiden Suchenden gut 50 bis 60 Minuten unterwegs waren, während der Inspektor fuhr und seine Assistentin nach dem jungen Mann namens Jochen Ausschau hielt, einigten sich beide darauf, die Aktion zu beenden.
"Unsere Kollegen werden ihn schon finden. Außerdem wissen wir ja noch nicht einmal, ob er nicht vielleicht mit dem Auto auf der Party war. In diesem Fall würde es nichts bringen, nach ihm in der Gegend zu suchen. Vielleicht sollten wir noch herausbekommen, wie er zur Party gekommen ist. Das haben wir vor lauter Hektik gerade vergessen. Aber bevor wir zur Wohnung zurückfahren, brauche ich dringend einen Kaffee", meinte der Inspektor, "ich bin totmüde."

Stretzler parkte sein Auto auf dem Seitenstreifen. Die beiden Beamten stiegen aus und gingen in das Café, das sie schon öfters zusammen besucht hatten. Zu dieser nächtlichen Stunde war nicht viel los, so dass beiden der junge Mann an der Theke sofort aufgefallen war. Es war unverkennbar die Person von dem Handyfoto, die völlig paralysiert auf einem Hocker saß und vor sich hin starrte. Johanna sprach ihn mit den Worten "Bist du Jochen?" an und bekam das Geständnis viel früher, als sie es jemals hätte erwarten können:

"Ich wollte sie nicht umbringen. Ich habe sie doch geliebt." Ohne dass er wissen konnte, wer die beiden soeben eingetroffenen Gäste in dem Café waren, redete Jochen einfach drauf los. "Es war all die Jahre so unerträglich für mich, dass sie nichts von mir wissen wollte. Auf der Party war sich auch wieder so abweisend zu mir. Ich hatte etwas getrunken und meinen ganzen Mut zusammengenommen. Als ich sie gerade darauf ansprechen wollte, wieso sie immer so abweisend zu mir ist, musste sie auf's Klo. Angetrunken und entschlossen bin ich ihr gefolgt. Ich habe das Messer im Flur, wo das Buffet aufgebaut war, liegen sehen und es ohne zu zögern mitgenommen. Als Sandra die Tür hinter sich schließen wollte, habe ich meinen Fuß dazwischen gestellt. Ich bin ins Bad gegangen und habe die Tür abgeschlossen. "Wieso tust du mir das an? Wieso bist du so?", habe ich sie gefragt. Und sie hat mal wieder total unangemessen und provokant geantwortet: "Pöh! Was willst du von mir? Ich habe was Besseres als dich verdient", hat sie gesagt und mir abweisend den Rücken zugedreht. Da habe ich schwarz gesehen und zugestochen. Als ich meine große Liebe dann blutverschmiert am Boden habe liegen sehen, habe ich Panik bekommen und bin durch's Fenster geflohen."

"Wissen Sie eigentlich, wer wir sind", unterbrach der Inspektor den Monolog des Geständigen. Jochen antwortete völlig unwissend: "Nein. Das ist mir auch egal. Das spielt keine Rolle. Sie ist tot. Alles ist aus."
"Wir sind von der Kriminalpolizei", mischte sich Johanna ein, "Sie sind festgenommen."
Ohne Widerstand folgte Jochen den beiden zum Auto und ließ sich in die Polizeiwache fahren.



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