29.07.2008

Die kleine graue Spitzmaus

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Es war mal wieder ein schöner sonniger Tag und das Leben am großen Waldteich nahm so richtig seinen Lauf. Die Bienen summten, die Libelle kreiste über dem glitzernden Wasser und der Frosch stimmte fröhlich das morgendliche Konzert an…
Auch das Leben unter Wurzeln, in den Büschen und Hecken und unter der Erde begann sich zu regen. Das Leben der putzigen kleinen Mäuse, oft auch heimliche Untermieter in Kellern und auf Dachböden. Lustige Gesellen, die uns überall und in allen Farben und Formen über den Weg laufen. Am Bürgersteig entlang huschend und im Gulli verschwindend, in der Speisekammer, am Feldrand und sogar auf den großen Luxusdampfern auf hoher See…
Aber zurück zu unserem Teich. Rund um den Teich, der im Wald in der Nähe der Stadt lag, wohnten viele Mäusefamilien. Unsere Geschichte dreht sich um Earl Grey, der kleinen grauen Spitzmaus mit den winzigen Ohren und den kurzen Beinen.
„Earl, warum gehst du denn nicht raus, mit den Anderen spielen?“ fragte die Spitzmausmutter
„Mama, du weißt doch… ich fühle mich einfach nicht wohl mit meinem grauen Fell, meiner großen Nase, den kaum vorhandenen Ohren und meinen kurzen Beinen!“
„Mausi, das macht doch nichts, du kannst doch trotzdem spielen gehen!“
„Ich werde übersehen, wenn ich zwischen den Steinen hocke, komme beim Fangen spielen nie hinterher, höre nie, wenn irgendwo etwas los ist und mit meiner großen Nase laufe ich überall vor!“
„Aber Mausi, dafür kannst du gut klettern und dich verstecken!“
„Aber ich bin grau, Mama, Mausgrau! Alle rufen immer: Da kommt die graue Maus! Die Hausmaus hat es gut mit ihrem Fell, dass goldgelb in der Sonne glänzt, die Springmaus hat schöne lange Beine, die Farbmäuse, sie ich im großen Fenster in der Tierhandlung der Stadt gesehen habe, sind so schön bunt und die Haselmaus hat einen wunderschönen eleganten Pelz und wird von Allen geachtet,“
„Aber hör doch mal zu. Du hast wunderschöne Augen, nicht so Glupschaugen wie die Haselmaus. Dein Fell ist zwar nicht glänzend, aber dafür wuschelig weiche, wie der Bommel einer Mütze. Nicht so borstig, wie das der Springmaus. Auch hast du nicht so große Nagezähne wie die Hausmaus und du lebst in Freiheit und nicht gefangen, wie die Farbmäuse.
Und Ohren wie Grammophone, so wie die Waldmaus hast du auch nicht.
Ist das nichts? Außerdem fällst du zwischen den Steinen nicht auf, wenn Gefahr vom Bussard, dem Fuchs und der bösen Katze lauert!“
Kurz hielt Earl Grey inne und dachte nach. Mit einem Satz sprang sie nun glücklich aus dem Haus und lebte von nun an selbstbewusster und mit einer anderen Einstellung. Sie wusste nun, dass Keiner perfekt ist, jeder etwas Schönes hat, mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet ist und man auch als graue Maus etwas Besonderes ist und glücklich sein kann. Auch die anderen bemerkten schnell, dass sich die graue Maus verändert hatte. Auch bei Regenwetter hüpfte sie vergnügt über Stock und Stein (oder versuchte es zumindest mit ihren kurzen Beinen) und steckte alle mit ihrer guten Laune an. Wenn sie sich mal wieder die Nase gestoßen hatte, lachte sie und meinte, dass ja selbst der Fuchs vor der riesigen Trompete reiß aus nehmen würde und wenn sie mal wieder etwas nicht gehört hatte oder etwas Gemeines vernommen hatte, dann fragte sie einfach noch einmal nach oder ignorierte es mit einem triumphierenden Lächeln….



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  • Stichwörter

  • Spitzmaus, Selbstbewußtsein, Zusammenhalt, Mut
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