15.10.2009

Die Lottogeschichte (mit Zahlen)

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Als ich gestern Morgen aufstand, hatte ich so ein komisches Gefühl im Magen. Ich überlegte, welche Ursachen mein Zustand haben konnte. Nach reichlichen Überlegungen kam ich zu dem Entschluss, dass es nicht daran gelegen haben konnte, was ich tags zuvor gegessen hatte, denn ich ernährte mich ausnahmsweise einmal relativ gesund. Weder der Salat noch das Gemüse, was ich zu mir genommen hatte, konnte schlecht gewesen sein. Zumindest war das Verfallsdatum des Tiefkühlgemüses gerade mal 2 Monate abgelaufen.

Ich überlegte also weiter, woher dieses ungewöhnliche Gefühl in meinem Magen kam. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass ich verliebt war, denn mit Frauen lief bei mir sowieso noch nie etwas, geschweige denn, dass ich mich in ihre Nähe begeben oder sie ansprechen würde. Allerdings hat es mich schon immer gewundert, dass ich das weibliche Geschlecht nicht schon durch mein attraktives Äußere anziehe. Eigentlich dachte ich immer, sie müssten mir alle zu Füßen liegen. Aber irgendwie scheint der adonisartige Typ nicht mehr so gefragt zu sein. Bei meinen 1,64 m Körpergröße, meinem gepflegten 6 Tage-Bart, meinen schmalen Schultern und meinem durchtrainierten Bierbauch müsste doch jede Frau schwach werden, wenn sie mich nur ansieht. Ich muss halt anscheinend darauf warten, dass die Frauen endlich wieder vernünftig werden.

Nachdem ich also alle Möglichkeiten durchgegangen bin, fand ich schließlich heraus, was das für ein Gefühl in meinem Magen war. Es handelte es sich um ein Glücksgefühl. Damit meine ich nicht die Empfindungen, die man verspürt, wenn man glücklich ist, weil man beispielsweise seinem besten Freund mal wieder das Eis aus der Hand geschlagen hat, was dann auf seinen frisch gepflegten Wildlederschuhen landet. Nein, das Gefühl war anderer Natur. Es war die sichere Gewissheit, an diesem, und zwar nur an diesem einzigen Tag, soviel Glück zu haben wie nie wieder im Leben. Ich war mir sicher, dass ich gestern einen Sturz aus dem ersten Stock eines Mehrfamilienhaus hätte überleben können. Es wäre mir sicher auch gelungen, eine öffentliche Rasenfläche zu überqueren, ohne in einen einzigen Hundehaufen zu treten. Diesen Tag musste ich nutzen. Und wozu nutzt man einen Glückstag? Richtig: Zum Lottospielen.

Nach einem durchaus gelungenen Arbeitstag setzte ich mich in mein Auto, um nicht etwa nach Hause sondern zur nächstgelegenen Lottoannahmestelle zu fahren. Ich stellte meinen Wagen im Halteverbot ab, denn ich konnte ja an solch einem Tag nichts riskieren. Einen Strafzettel hätte ich gestern niemals bekommen können. Eher hätte ich damit rechnen können, dass mir jemand einen 500 Euro-Schein unter einen meiner Scheibenwischer heftet. Dabei wäre ein bunter Zettel gewesen, auf dem z.B. Folgendes hätte stehen können: "Nur so, weil Sie es sind. Einen schönen Tag noch...".

Im Lottoladen angekommen grüßte ich den Herrn hinter der Verkaufstheke freundlich und begab mich zu dem kleinen Stehtisch, auf dem die verschiedensten Lotto- und Totoscheine einsortiert waren. Ich nahm mir einen für meine Zwecke passenden Schein heraus und machte zuerst die Kreuze am unteren Rand des Zettels, bevor ich mich an den wichtigsten Teil der Prozedur heranwagte. Die Frage nach dem Spiel 77 und dem Super 6-Spiel verneinte ich. Außerdem kreuzte ich an, dass ich nur am Samstaglotto teilnehmen wollte, und zwar nur für eine Woche. D.h. der kommende Samstag wird der Tag sein, an dem ich endlich Millionär sein werde.

Dann war es endlich soweit. Bevor ich meinen Lottoschein bezahlte, füllte ich eine einzige Zeile aus. Ich war mir sicher, dass das völlig ausreichend war. Bei meinem Glück am gestrigen Tag war ich mir sicher, dass ich auf Anhieb die richtigen Zahlen ankreuzen würde. Das Geld für die restlichen Zeilen konnte ich mir sparen, obwohl es natürlich nicht ins Gewicht gefallen wäre, denn spätestens am kommenden Samstag würde mich die Zahlung des kleinen Betrages für die weiteren Zeilen nicht weiter stören, da ich dann in Geld schwimmen werde. Die Zahlen, die ich zur Erreichung meines Reichtums gestern ankreuzte, waren: 6, 14, 26, 29, 40 und 43. Jetzt kann der Samstag kommen.

(Hoffentlich liest diese Geschichte niemand, sonst wäre ich nicht der Einzige, der am Samstag sechs Richtige haben würde. Dann müsste ich mir die viele Kohle leider teilen...)



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Kommentar von droegi:
(21.10.2009 um 13:42 Uhr)

Na da bin ich ja mal gespannt, was für ein Thema du dir aussuchen wirst, jarmila!

Kommentar von jarmila:
(21.10.2009 um 11:51 Uhr)

da muss ich erst überlegen---eine geschichte für mich?...
wird schwierig..;-)
ich bin nämlich sowas von flexibel und offen für alles...grins.

Kommentar von droegi:
(20.10.2009 um 10:02 Uhr)

Eigentlich habe ich keine Fortsetzung der Geschichte vorgesehen. Die Lottogeschichte soll beim Leser Hoffnung erwecken, die Hoffnung darauf, dass eines Tages einmal die Zahlen 6, 14, 26, 29, 40 und 43 gezogen werden. Er muss ja nicht mir alleine den Gewinn überlassen. Er kann ja auch selbst Lotto spielen. Der nächste Samstag ist immer der Tag des nächsten Hoffnungsschimmers. Somit ist die Geschichte auf Unendlichkeit angelegt.

Ich kann aber gerne eine andere Geschichte für dich schreiben. Das Thema darfst du dir aussuchen.

Kommentar von jarmila:
(20.10.2009 um 09:46 Uhr)

gibt es eine Fortsetzung der Geschichte?

Kommentar von droegi:
(15.10.2009 um 21:34 Uhr)

Hmmm, sorry. Ist mir auch schon aufgefallen. War aber keine Absicht. Du scheinst mich tief in meinem Unterbewusstsein so zu inspirieren, dass ich deinen Wortschatz übernehme, ohne dass ich es beabsichtige.

Kommentar von Snoopy:
(15.10.2009 um 19:19 Uhr)

du hast den adonis geklaut du ***.




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