14.11.2007

Brot und Spiele

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Bild zu Familie Wolfsmüller sitzt, so wie es bei ihnen üblich ist, gemeinsam am Tisch um ihr Abendbrot einzunehmen und sich dabei gepflegt zu unterhalten. An diesem Abend gibt es Schnitzel, Kartoffelpürree und dazu leckeres Biogemüse. Alle Familienmitglieder sind frohgelaunt.

Mutter Rita, die halbtags im Supermarkt arbeitet und Vater Werner, der gerade aus dem Büro gekommen ist, genießen ihren Feierabend, während Sohn Richard nach der Erledigung seiner Hausaufgaben draußen gespielt hat und deshalb nun ziemlich hungrig ist. Er schlingt das Essen nur so in sich hinein. Diesem Verhalten möchte sein Vater Einhalt gebieten und sagt: "Richard! Iss doch nicht so schnell! Bei dem leckeren Essen ist es doch wirklich schade drum, wenn man es nicht genießt. Gönne deinem Magen mal eine Verschnaufspause und erzähl mal, was ihr heute so in der Schule gelernt habt."

Richard schluckt den Bissen, den er gerade im Mund hat herunter und antwortet seinem Vater: "Heute haben wir in Geschichte über die Kämpfe in den Amphitheatern im alten Rom gesprochen. Unsere Lehrerin hat ständig von 'Brot und Spielen' geredet. Weißt du, was sie damit genau meinte?"

"Aber klar, Richard", sprach Herr Wolfsmüller, "du weißt doch, dass dein Vater sehr schlau ist und deshalb werde ich dir jetzt erklären, was es mit 'Brot und Spielen' in Rom damals auf sich hatte."

Richard Vater räusperte sich noch einmal kurz und begann dann mit seinem Vortrag:

"Die Fußballbundesliga gab es in der Antike noch nicht. Meines Wissens gab es damals auch noch kein Kino oder Fernsehen. Sicher bin ich mir beim Letzteren allerdings nicht so. Jedenfalls waren die Freizeitmöglichkeiten damals wesentlich begrenzter als heute und die Leute hatten oft Langeweile. Deshalb kam es vor, dass die Römer Dummheiten im Kopf hatten und diese auch in die Tat umsetzten. Das war für Vater Staat natürlich gar nicht so toll. Die vielen umgeknickten Straßenschilder und eingeworfenen Schaufenster kosteten dem Land viel Geld, also mussten sie sich was einfallen lassen.

Als der römische Kaiser mit seinen vielen Geliebten beim Essen saß und Brot aß, sah er in seinem Regal sein 'Mensch ärgere Dich nicht'-Spiel und dachte sich: 'Das ist es! Ich mache einfach 'Brot und Spiele', dann ist das Volk beschäftigt und hört hoffentlich bald mit dieser Randaliererei auf.' Gesagt getan: Der Kaiser ließ ein paar Amphitheater bauen und die Spiele konnten beginnen.

Anfangs waren die Stadien immer ausverkauft, denn die Leute waren neugierig, was ihnen geboten werden würde. Doch es stellte sich schnell Ernüchterung beim Volk ein, denn die Idee von 'Brot und Spielen' war noch nicht ganz ausgereift. In verschiedenen Gewichtsklassen wurden gut ausgebildete Kämpfer gegen Brote ins Rennen geschickt. Leider waren die Kämpfe nie sehr spannend. Die Brote wurden meistens ziemlich schnell aufgespießt und verloren immer. Da nütze es auch nichts wenn man ein 1000g-Brot war. Als Brot kann man nun mal nicht laufen und ohne Arme ist auch die Benutzung einer Waffe nicht möglich. Die Leute blieben schon bald wieder zu Hause. Selbst die sinkenden Eintrittspreise konnte sie nicht wieder in die Arenen locken. Also musste der Kaiser sich etwas anderes einfallen lassen. Er war sich sicher, dass die Grundidee von 'Brot und Spielen' schon recht gut war, nur im Detail musste noch etwas geändert werden. Die Brote musste beweglicher werden. Nach langem Überlegen hatte der Herrscher schließlich einen Plan.

Er ließ von den gefährlichsten Tierarten, die es auf unserer Erde gab, jeweils ein männliches Exemplar herbeischaffen und sperrte diese Raubtiere in separate Käfige. In jeden Käfig wurde ein mit weiblichen Hormonen versehenes Brot geworfen, das die Tiere jedoch nicht essen sollten. Es diente einem anderen Zweck. Um zu verhindern, dass die Brote verspeist wurden, wurden sie mit einem Duft eingesprüht, durch den die Brote für jedes Lebewesen auf der Erde ungenießbar wurden. Natürlich bekamen die Raubtiere von Zeit zu Zeit anderweitige, schon eher genießbare, Nahrung und auch Wasser, damit sie nicht verhungerten oder verdursteten.

Durch die Einsamkeit konnten die Tiere allerdings nicht ihrem Fortpflanzungstrieb nachkommen. Das einzige nicht Essbare, was es in ihren Käfigen gab, waren die Brote, an denen die Insassen der Käfige schließlich aus lauter Verzweiflung ihre Triebe ausließen. Dabei wurden schreckliche Brotmonster gezeugt, die schon bald in die Arena geschickt wurden um gegen die tapferen Kämpfer zu bestehen.

Die gezeugten Brotmonster waren, im Gegensatz zu den gebackenen Broten, sehr beweglich und verstanden es sowohl Waffen als auch ihre gefährlichen Gebisse einzusetzen. Der Respekt der Gegner stieg gewaltig und es bedurfte einer professionellen Schulung um gegen die Monster im Kampf bestehen zu können. Das Volk stürmte wieder in die Amphitheatren. Durch die hohe Nachfrage konnten schließlich auch die Eintrittspreise, vergleichbar mit denen der Fußballbundesliga, ins Uferlose erhöht werden. Lediglich in einer Arena im südlichen Raum des Imperiums konnte man Stehplatzkarten für lächerliche 7 Sesterzen erwerben.

Der Staatshaushalt wurde durch die Schöpfung der Monster saniert, die Straßenschilder blieben heil und auch die Fensterscheiben der Geschäfte, der Filialen der Fastfoodketten, der Sonnenstudios usw. blieben unversehrt.

Siehst du! Das waren 'Brot und Spiele' im alten Rom. War doch gar nicht so schwer, mein Sohn."



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Kommentar von CattieBrie:
(25.06.2008 um 11:56 Uhr)

Absolut super! Hoffentlich gibts bald ein "Bruno´s Geschichten" Buch. Dann werde ich Krümel all diese Geschichten mit Freude vorlesen ;)




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