08.11.2007

Berni Bürger - Es geht doch

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Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.

Deshalb macht er sich auch Gedanken über Bestimmungen und Gesetze, die der Staat seinen Bürgern und somit ihm auferlegt hat.

Z. B. Hartz IV: Miete, Heiz- und Nebenkosten werden (natürlich nur bis zu einer gewissen Höchstgrenze) von der Agentur für Arbeit übernommen. Das ist doch schon sehr sozial.

Für die restlichen Lebenshaltungskosten gibt es mtl. 347,00 Euro.

Reicht das ??? Berni überschlägt:

30,00 Euro Strom 30,00 Euro Hygieneartikel, Friseur usw. 20,00 Euro Wasch-, Spül-, Putzmittel 50,00 Euro Versicherungen, die unabdinglich sind. (z.B. Haftpflicht, Hausrat, Sterbekasse) 10,00 Euro Gesundheit (Praxisgebühr, Zuzahlung zu Rezepten usw.) 20,00 Euro öffentliche Verkehrsmittel (Wenn man mal zum Arbeitsamt muss oder die 90-jährige Mutter besuchen will.) 10,00 Euro wichtiger Kleinkram (Batterien, Teelichte, Nähzeug usw.) Summe: 170,00 Euro

Für Speisen, Getränke und vielleicht ein paar Süßigkeiten und Obst bleiben also bei durchschnittlich 30 Tagen im Monat ca. 5,90 Euro pro Tag.

Die o.a. Beträge mögen vielleicht im einzelnen nicht genau stimmen, etwaige realistische Korrekturen nach oben oder unten würden sich jedoch so ausgleichen, dass es im Endeffekt auf die obige Rechnung hinausläuft.

Was natürlich nicht in Frage kommt sind: Bücher, Zeitungen, Telefon bzw. Handy, Internet, CDs, Zigaretten, Reisen usw..

Kinder, Eltern oder andere nahe Verwandte sehen sicherlich ein, dass es weder zu Weihnachten noch zu den Geburtstagen irgendein sei es noch so preiswertes Geschenk geben kann.

Kino, Fußballplatz, Disco, Kirmes, Schwimmbad, mal ein Getränk in irgendeiner Gastronomie oder sonstige Freizeitaktivitäten sind leider auch nicht möglich. Dafür kann man ja den ganzen Tag zuhause in den Fernseher (falls vorhanden) schauen, denn die GEZ-Gebühren werden ja, wenn man nicht noch einen kleinen Zuschuss zu den 347,00 Euro bekommt, erlassen.

Zudem kann man nur hoffen, dass nicht irgendwelche lebenswichtige Haushaltsgeräte (z.B. Kühlschrank, Waschmaschine oder Herd) den Geist aufgeben. Besonders kritisch wird es, wenn es noch Altlasten (z.B. Kredite) aus dem Leben vor Hartz IV gibt. Und die Kleidung, die man zur Zeit besitzt, muss nun bis zum Lebensende halten.

Aber was soll’s, auf all das verzichtet man doch gerne im Hinblick auf die Tatsache, dass einem alles wichtige zum Leben vom Staat gnädigerweise geschenkt wird.

An dieser Stelle seiner Überlegungen angekommen sagt sich Berni: „ Na also,

es geht DOCH!!!“

Denn Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.

PS: Durch das Wohnen in der feuchten und schimmeligen Wohnung (Mehr gibt es nicht für das Geld, welches Hartz IV-Empfängern für die Miete zusteht.) und das Benutzen von billigen Haushaltsmitteln (z.B. Waschpulver) hat sich Berni Bürger eine Allergie eingefangen. Der Arzt hat ihm dagegen eine kortisonhaltige Salbe verschrieben. Die Kosten dafür übernimmt seine Krankenkasse leider nicht. Und die 12,95 Euro, die Berni benötigt, um die Salbe aus eigener Tasche bezahlen zu können, bleiben bei einem Etat von 347,00 Euro pro Monat für Hartz IV-Empfänger nicht übrig.



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  • Berni, Bürger, Mann, Untertan, Kino, Fußballplatz, Disco, Kirmes, Schwimmbad, Freizeitaktivitäten, Hartz
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