08.11.2007

Berni Bürger - Eine politische Karriere

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Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.

So ist er denn auch nicht einverstanden mit den zur Zeit herrschenden politischen Gegebenheiten, besonders wenn es sich um die soziale Gerechtigkeit in diesem unserem Lande dreht.

Immer wieder macht er mit rethorischem Geschick auf Missstände aufmerksam, die seinem tief verwurzelten Rechtsempfinden zuwider sind.

Schlussendlich trifft ihn die Einsicht: Nicht Reden sondern Handeln bringt Veränderungen. Und so entscheidet er sich für eine Partei, mit deren Programm sich seine politischen Vorstellungen am ehesten verwirklichen lassen, tritt in die für ihn zuständige Ortsgruppe ein und beginnt sein politisches Leben.

Mit Freude wird er aufgenommen. Jeder, der tatkräftig für das Wohl der Mitbürger streiten will, wird mit offenen Armen empfangen. Zum Beweis für die ihm entgegengebrachte Akzeptanz darf er schon am nächsten Wochenende beim Herbstfest als Alleinverantwortlicher am Grillstand fungieren.

Nach und nach erkennt man jedoch die wirklichen Fähigkeiten von Berni und seine Berufung in die Bezirksvertretung lässt nicht lange auf sich warten.

Sein Charisma, seine rednerische Kraft und die Gabe, überzeugend für die Ziele seiner Mitbürger einzutreten, bringen ihm ein Mandat im Stadtrat und eh’ er sich versieht, stellt ihn seine Partei als Kandidat für den nächsten Landtag auf.

Nun, so glaubt er, ist er seinem Ziel, gerechte Verhältnisse für alle zu schaffen, sehr nahe und arbeitet hart für das Erreichen des Sitzes im Landesparlament.

Natürlich sind mittlerweile auch die Größen in der Bundespartei auf ihn aufmerksam geworden. Sie haben gehört, da ist einer, der hat es drauf, ein ganz großer im politischem Geschäft zu werden.

Bevor Berni nun der Einstieg in die wirklich große Politik ermöglicht wird, wird er von den Mächtigen seiner Partei unter die Fittiche genommen. Man lobt ihn, man macht ihm Mut, seinen Weg weiter so unbeirrbar weiterzugehen, man werde ihn mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen usw..

Da sei allerdings eine winzige Kleinigkeit. In Zukunft wäre es für sein Weiterkommen auf dem politische Parkett von Nöten, sich mehr dem Willen der Partei unterzuordnen. Selbst, wenn es Ihm zuweilen widerstrebe, käme er wohl nicht darum herum, sich dem herrschenden Fraktionszwang zu unterwerfen.

Halt, denkt Berni. Das läuft ja darauf hinaus, dass ich im Endeffekt genau die Ziele vertreten und bestimmen soll, die ich zuvor verurteilt habe und zu dessen Vermeidung ich in die Politik gegangen bin.

Nein, das kann man mit Berni nicht machen, denn Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und er wird sich nicht verbiegen lassen.

Dies teilt er voller Stolz und mit Bestimmtheit seinen zukünftigen Förderern mit, in der Hoffnung, ab jetzt mit größtmöglicher Unterstützung seine Ideale durchsetzen zu können.

Und schwupp, am nächsten Wochenende beim Herbstfest seiner Ortsgruppe steht Berni wieder am Grill und wendet die Würstchen und ist weiterhin ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.



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Kommentar von pfeiffendeckel:
(26.03.2012 um 22:50 Uhr)

ach ja, die handgestrickten schulmädchenvorstellungen, ..

Kommentar von Sweder:
(19.03.2012 um 19:33 Uhr)

Eine gutgeschriebene und durchdachte Geschichte. Ich drücke Berni die Daumen, dass er durchhält- sich von Nichts und Niemanden verbiegen lässt. Gruß Sweder (van Rencin)




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  • Berni, Bürger, Untertan, Grillstand, Ortsgruppe, Würstchen, Einstieg, Unterstützung, Politik, Geschäft
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