08.11.2007

Berni Bürger - Die Erleuchtung

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Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.

Berni ist auch ein verantwortungsvoller Mensch. Deshalb macht er sich auch Gedanken über sein finanzielles Überleben.

Der private Fuhrpark wurde von zwei über ein auf null Fahrzeuge reduziert. Lebens-, private Kranken- und sonstige unsinnige Versicherungen gekündigt. Die Dauerkarte des Lieblingsfußballvereins gestrichen. Austritt aus allen Buch- und sonstigen Clubs. Keine Zeitungs- und sonstigen Abonnements mehr. Kauf der nötigsten Artikel nur noch als Billigprodukt (No- Name usw.). Kino-, Sauna- und Veranstaltungsbesuche gehörten der Vergangenheit an. Seit drei Jahren hat er sich keine neue Kleidung mehr angeschafft. Die SIM-Karte ist abgelaufen und das Handy wird nur noch gebraucht, um erreichbar zu sein. Elektrische Geräte werden nur noch eingeschaltet, wenn sie unbedingt benötigt werden. Speisen und Getränke werden nur noch in kleinen Mengen, die soeben die Unterernährung vermeiden, und dann vom Billiganbieter beschafft. Bezüglich der Haarmode fielen Berni und seine beiden Söhne in die sechziger und siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück, seine Frau trägt nun einen eleganten Haarknoten, da sich die Abstände der Friseurbesuche auf ca. 6 Monate vergrößerten. Reisen werden nur noch in der Theorie anhand von Katalogen durchgeführt. Der Zigarettenkonsum wurde (natürlich auch aus gesundheitlichen Gründen) auf ein Minimum reduziert. Selbstverständlich muss die jetzige Einrichtung halten, bis man Berni mit den Füßen voran aus der Wohnung trägt.

Diese und weitere hier wegen ihrer Länge nicht erwähnten Einsparungen erlaubten es ihm, mit der Übernahme der Miet- und Heizkosten und einem zusätzlichen Arbeitslosengeld II von ca. 800,00 Euro mit seiner vierköpfigen Familie soeben über die Runden zu kommen.

Trotz dieser hervorragenden Planung seiner Finanzen blieb ihm ein ungutes Gefühl. Nach intensivem Nachdenken fiel ihm auf, dass es, von ihm unbeeinflussbare, Ereignisse gibt, die ihn in arge finanzielle Schwierigkeiten bringen könnten und er wandte sich mit seinem Problem an die Hotline des Arbeitsamtes.

Frage von Berni: „Wie sieht es mit Beihilfen aus, wenn so lebenswichtige Geräte wie Waschmaschine, Kühlschrank oder Herd ihren Geist aufgeben ?“

Antwort des Arbeitsamtes: „Diese Beihilfen sind im Zuge der Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe zu Arbeitslosengeld II gestrichen worden !“

Folgefrage von Berni: „Und wovon soll ich in einem solchen Falle die Reparatur oder die Neuanschaffung eines dieser lebenswichtigen Geräte bezahlen ?“

Antwort des Arbeitsamtes: „Dafür müssen Sie Rücklagen bilden !!!“

Es war für Berni wie eine Erleuchtung:

Ach ja...., so einfach ist das ?!?

Er akzeptiert das natürlich, denn Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.



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  • Berni, Bürger, Mann, Untertan, Arbeitslosengeld, Fuhrpark, Wohnung, Heizkosten, Finanzen, Arbeitsamt, Rücklagen, Geräte, Gerät, Waschmaschine, Kühlschrank, Herd
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