08.11.2007

Berni Bürger - Der Traumjob

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Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.

Er hatte bei seinem letzten Besuch bei der Agentur für Arbeit gelernt. Ab sofort verzichtete er darauf, sich bei der Auswahl der Stellenanzeigen, auf die er sich bewerben wollte, auf die finanziell lukrativen und in der Firmenhierarchie hochstehenden Angebote zu beschränken.

Als Industriekaufmann mit hervorragenden Zeugnissen, langjähriger Steuerfachgehilfe und mit einer riesigen Berufserfahrung im IT-Bereich (insgesamt etwa 35 Jahre am Büroschreibtisch und vor dem PC) hatte er zwar jahrelang in leitender Position gearbeitet und die Geschicke der Firmen, bei denen er beschäftigt war, durch eigene Entscheidungen positiv beeinflusst, jedoch war er sich fortan nicht mehr zu schade, auch Tätigkeiten als einfacher Sachbearbeiter oder Bürokaufmann in kleineren Büros auch in mittlerer Entfernung (bis ca. 30/35 Km) vom Wohnort anzunehmen.

In Anbetracht der Tatsache, dass er sich als Empfänger von staatlicher Unterstützung einzuschränken hatte, war Berni auch gern bereit, auf das geliebte Auto zu verzichten und den anfallenden Weg zu einer zukünftigen wie oben beschriebenen Arbeitsstelle mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen.

Auf diese geänderte Bewerbungsstrategie waren von nun an seine Anschreiben an potenzielle zukünftige Arbeitgeber ausgerichtet.

Stolz darauf, sich den Forderungen des Sachbearbeiters seines Vertrauens angepasst zu haben, erschien er zum nächsten Vorstellungstermin beim Arbeitsamt. Doch siehe da, die Begeiste-rung seines Betreuers hielt sich in äußerst engen Grenzen. Auf die Frage, was er denn tun müsse, um allen Anforderungen an einen Arbeitsuchenden gerecht zu werden, erhielt Berni folgenden Hinweis:

„Herr Bürger, wenn ich will, werden Sie im Umkreis von bis zu 70 Km einen Job als Lagerarbeiter mit einem monatlichen Bruttogehalt von 800,00 Euro annehmen müssen !!!“

Von da an, in der festen Hoffnung auf diesen speziell auf ihn zugeschnittenen Job, konnte er wieder ruhig schlafen, denn Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.



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Kommentar von chriku:
(20.01.2008 um 23:59 Uhr)

meine hochachtung für den humor, den sie als autor trotz dieser "realsatire" behalten haben. denn eigentlich sind die zustände, die sie hier und in ihren anderen kurzgeschichten so anschaulich umschreiben (siehe "es geht doch" oder "die erleuchtung") nicht zum lachen, eher zum heulen.




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  • Berni, Bürger, Traumjob, Arbeitsstelle, Verkehrsmitteln, Steuerfachgehilfe, Industriekaufmann, Mann, Untertan, Grenzen
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