08.11.2007

Berni Bürger - Der Sachbearbeiter seines Vertrauens

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Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.

Berni ist arbeitslos und ungefähr alle drei Monate wird sein Leben durch das Pflichterscheinen bei der Agentur für Arbeit aufgelockert.

Dort hat er voller Hoffnung zu erscheinen, weil es ja sein könnte, dass der Sachbearbeiter einen tollen Arbeitsplatz anzubieten hat.

Meist jedoch wird Berni arg enttäuscht und er wendet sich dem zweiten Zweck des Erscheinens zu, nämlich dem Nachweis, dass er sich (im Gegensatz zur Behörde) auch geflissentlich selbst bemüht hat, einen wie auch immer gearteten Job zu bekommen.

So schleppt Berni (er ist 55 Jahre alt, Industriekaufmann und DV-Organisator, durch Schließung der Firma seines langjährigen (fast 20 Jahre) Arbeitgebers kurz vor Erreichen des 50. Lebensjahres arbeitslos geworden) nun alle Schriftstücke seiner Bemühungen mit sich. Ordner über Ordner voller abschlägig beschiedener Bewerbungen. In diesem speziellen Falle hatten sich ca. 250 Bettelbriefe an die verschiedensten Firmen innerhalb der letzten fünf Jahres angehäuft. Das ist statistisch gerechnet durchschnittlich 1 Bewerbungen pro Woche und Berni war der Meinung, damit eine sehr ordentliche Quote vorweisen zu können. Zudem hatte er sich einen pfiffigen Bewerbungsflyer von einem Profi auf diesem Gebiet erstellen lassen, um aus der Masse der unzähligen Anwärter pro freiem Job hervorstechen zu können.

Der Sachbearbeiter, ein etwa 30 – 35 jähriger, etwas zur Fettleibigkeit neigender Yuppie, lehnte sich direkt anfangs des Gesprächs zurück, schlug die Beine übereinander und lauschte leicht amüsiert den Ausführungen von Berni. Nach etwa 15-minütigem Referieren über seine Bemühungen und Vorzeigen des gesamten Papierberges schloss Berni seine Akten und hoffte, nun wenigsten durch ein kleines Lob seitens des Sachbearbeiters bezüglich seiner Anstrengungen etwas aufgemuntert zu werden.

Doch da wurde ihm ein Satz an den Kopf geworfen, den er sein Lebtag nicht vergessen wird:

Herr Bürger, ich glaube bei Ihnen ein defizitäres (?!?) Bewerbungsverhalten erkennen zu können.

Berni war äußerst beeindruckt von diesem Ausdruck und erscheint seither nur noch voller Demut beim Sachbearbeiter seines Vertrauens, denn er ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.



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Kommentar von pfeiffendeckel:
(26.03.2012 um 22:46 Uhr)

alles unsubtil, bei weitem unfaire schwarzweißerei. die vielen tatsächlich bemühten arbeitsämter-mitarbeiter sind sicher nicht so. literarisch, ja eine geschichte, mehr als axlzucken wars nicht.




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  • Berni, Bürger, Bewerbungsverhalten, Bewerbung, Gespräch, Arbeitsplatz, Mann, Untertan, Sachbearbeiter, Ausdruck, Vertrauen
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