12.03.2008

Berni Bürger - Bewerbungsstress

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Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan. Deshalb sagt er sich auch, dass er als Hartz-IV-Empfänger die Pflicht hat, sich permanent um einen Job zu bemühen, damit er dem Steuerzahler nicht auf der Tasche liegt.

 

Aber trotz seiner vielen Bewerbungsschreiben gelingt es ihm nicht, auch nur in die Nähe eines Vorstellungsgespräches zu kommen und so kommt ihm der Gedanke, dass es vielleicht an seinen Bewerbungsunterlagen liegen könnte, dass es nicht klappen will mit dem Wiedereinstieg ins Berufsleben.

So nimmt er sich Lebenslauf und Anschreiben noch einmal vor und geht diese prüfend durch:

Lebenslauf:

Ich, der Berni Bürger, bin am 15. Oktober 1951 als Sohn von Arbeitslosen Berti Bukacki und von seiner Freundin Biggi Bürger geboren worden. Kurz nach meiner Geburt iss der Vatter Zigaretten holen gegangen. Dabei hatter sich wahrscheinlich verlaufen; jedenfalls hat ihn danach niemand mehr in unsere Gegend gesehen.

Später in den Kindergarten hab ich bei die Klopperei um die Bauklötzkes immer gewonnen, weil ich so krass brutal draufgehauen hab. Danach sagt die Frollein, das ich als Belohnung, bis ich inne Schule muss, ganz allein in ein Zimmer spielen darf.

Später inne Schule war ich so beliebt, dass ich jede Klasse zweimal machen durfte. Am Ende von dat dritte Schuljahr (nach sechs Jahren), habense gesagt, dass ich auf sonne besondere Schule kann, weil ich son Superinteligenten wär.

Meine Mudder hat inne Fabrik am Fließband malocht. Viel Kohle hatse da nicht verdient aber sie hat noch Glück gehabt, weil sie nämlich viele gute Kumpels hatte. Diese Kumpels hamse dann einzeln fünf- bis sechsmal inne Woche abends zuhause besucht. So wie ich dat dann von mein Klappbett inne Küche mitbekriegt hab, ham die immer viel Spass gehabt. Aber die Kumpels waren wohl richtig tüddelich. Die ham nämlich immer ihr Geld aufen Nachttisch vonne Mudder vergessen.

Nache Entlassung außen fünften Schuljahr mit 18 Jahren hab ich dann von die letzten 38 Jahren ungefähr 13 Jahre in glaub ich 42 Firmas als Hilfsarbeiter gekeult. Jedesmal kurz vor Ende vonne Probezeit kam der Meister und meinte, ich wär für den Job wohl überqualifiziert und ich sollt mich doch wat anderes suchen.

So wat dat nu auch mit die letzte Stelle und deshalb wart ich jetzt darauf, dat mich irgendeinen nen Job anbietet, den ich auch gewachsen bin.

Gelsenkirchen, 35.17.3008

Berni Bürger

Bewerbungsschreiben:

Betrifft: Dat geh um einen Job für mich, den Berni Bürger

Hallo Leute,

ich wollt ma fragen, obse nich irgendwat für mich in Ihre Firma zu tun hätten. Dat müsste wat sein, wat ziemlich schwer is, weil ich aus die letzten Jobs immer rausgeflogen bin, wegen Überqualifizierung. Also, irgend sonne Keulerei im Lager geht nich. Ich hab gedacht, weil ich son Schlauen bin (Kuckense ma in mein Lebenslauf !!!), kann ich doch bei Sie in Mennitschment arbeiten. Ich kenn mich mit die Komputers ziemlich gut aus, z.B. mit die ganzen Ballerspiele, Lügen und Betrügen kann ich auch, ohne dat ich rot werden tu. Und wennse wollen, kann ich auch dat Finanzamt betuppen ohen Ende. Auch dat mit die Mitarbeitermotivation wird gut klappen (siehe Sozialverhalten in meine Kindergartenzeit.). Ich glaub schon, dass ich Lust hab, so 15 bis 20 Stunden inne Woche zu arbeiten. Wochenende soltle incl. Freitag und Montag sein. Unter diese Umstände wär ich auch mitten Gehalt von ca. 3000,00 Euro (netto) zufrieden. Je 100% Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind natürlich selbstverständlich.

Lange werden Sie sich nich mit mich rumärgern müssen, weil ich nämlich so schnell wie möglich wegen Krankheit inne Rente gehen will. Deshalb sag ich jetzt schon, dat ich wohl öfters den gelben Schein nehmen werde.

Die restlichen wichtigen Sachen können Sie in den Lebenslauf lesen. Zeugnisse hab ich keine. Die hab ich entweder weggeworfen, weil die da dein immer gelogen haben und sonne Scheiße über mich geschrieben haben oder ich hab keins gekriegt, weil der Meister meinte, son tollen Kerl wie mich kann man nicht beurteilen.

So, wennse jetz noch wat wissen wollen, komm ich gern bei Sie vorbei und wir quatschen nochen Stündken. Schön wär, wennse dann son paar Bier und Schnäpskes und ne Schachtel Zichten für mich da hätten, dann labert sich dat besser.

Man sieht sich

Berni Bürger

Nachdem sich Bernie Bürger nun alles gut durchgelesen und kritisch überprüft hat (Rechtschreibung, Zeichensetzung, Schreibstil, inhaltlicher Aufbau usw.) sagt er sich, dass es wohl doch an der Arbeitsmarktlage und nicht an seinen Bewerbungsunterlagen liegt, dass er nun schon so lange keine Arbeit mehr findet.

Aber er wird weitermachen und nie und nimmer aufgeben. Denn Berni Bürger ist ein rechtschaffender Mann und ein braver Untertan.



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Kommentar von Cattie:
(03.04.2008 um 12:37 Uhr)

Sehr schön ...

Kommentar von chriku:
(23.03.2008 um 20:41 Uhr)

hier sind einige passende jobvorschläge für ihre bewerbung: -Polizeibeamter -Politiker -Arbeitsvermittler bei der Agentur für Arbeit -Call-Center-Verkäufer für DSL-Anschlüsse und Premiere-Abos an Rentner Für diese Berufe haben Sie die richte Qualifikation ... ;o)




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