28.05.2010

Lanzen und Schwerter

() Gsf 2010 Historien Beitrag

Es war eine faszinierende Zeit, in der sie gelebt haben. Sie trugen größtenteils beeindruckende Rüstungen mit Schildern und Waffen und waren sowohl zu Pferd als auch zu Fuß unterwegs. In großen Schlachten standen die Ritter ihren Mann und kämpften bis zum letzten Blutstropfen.

Die Kettenhemden der Krieger wogen mehrere Kilo, so dass sie sehr kräftig sein mussten, damit ihnen die Last nicht zum Verhängnis wurde. Auf jeden Fall wurden sie durch das Gewicht in ihrer Beweglichkeit während des Kampfes mehr oder weniger eingeschränkt. Doch diesen Preis waren die Ritter gerne bereit zu zahlen, denn der Schutz, den die Kettenhemden boten, war durch nichts zu ersetzen.

Schilder gab es in unterschiedlichsten Formen. Runde, ovale, kantige sowie unten spitz zulaufende hielten die Männer im Kampf in der Regel in ihrer linken Hand, um sich gegen die Angriffe ihrer Feinde zu schützen. Mit ihrer anderen Hand führten sie ihre Waffe, bei der es sich normalerweise um ein Schwert handelte, wobei sie auf dem Pferd auch häufig mit Lanzen bewaffnet waren. Benutzten die Ritter Zweihandwaffen wie z.B. Langschwerter, dann mussten sie auf ihr Schild verzichten. Dafür konnten sie ihre Gegner im Nahkampf auf Distanz halten und ihnen enormen Schaden zufügen.


Das nachfolgende Duell schildet ein typisches Szenarium bei einem mittelalterlichen Ritterturnier:

Die beiden Ritter saßen auf ihren Pferden und waren ungefähr 120 Meter voneinander entfernt. Mit ihren extrem fortschrittlichen Rüstungen und ihrer aufrechten Haltung auf ihren Rössern boten sie einen Anschein der Unbesiegbarkeit. Doch der Schein war trügerisch, denn einer von den beiden Reitern würde auf jeden Fall in wenigen Minuten als Verlierer das Feld räumen müssen. Der Sieger hingegen durfte bei dem König seines Volkes um die Hand seiner Tochter anhalten.

Auf einer großen Tribüne verfolgte das Volk das Geschehen. Der König, seine Gemahlin und ihre Tochter saßen mitsamt ihrer Gefolgschaft auf den mittleren Plätzen der Haupttribüne und warteten gespannt auf das, was kommen würde.

Der Ritter mit der komplett schwarzen Rüstung schloss das Visier und richtete seine Lanze auf, so dass sie sich schließlich in paralleler Position zum Rücken seines Pferdes befand. Auch sein Gegner wartete gespannt aber konzentriert auf das Startzeichen des Königs, was auch kurz später in Form einer Armbewegung durch die herrschaftliche Majestät gegeben wurde.

Die Pferde mitsamt ihren Reitern bewegten sich aufeinander zu. die Spannung im Rund steigerte sich unaufhörlich, so dass sie schließlich gar nicht mehr zu überbieten war. Die beiden tapferen Ritter waren noch 50 Meter voneinander entfernt. Sie visierten mit ihren Lanzen bereits den Körper des jeweils anderen an, um ihn damit unsanft vom Pferd zu manövrieren und somit die Gunst der Königstochter zu gewinnen.

Eine Distanz von 10 Metern war zwischen den Lanzenspitzen der beiden Reitenden noch auszumachen. Der Aufprall stand unmittelbar bevor. Dann war es soweit. Nachdem jeder Anwesende den dumpfen Ton gehört hatte, den die Lanze beim Auftreffen auf die Rüstung bewirkte, konnte jeder sehen, wie der Rivale des schwarzen Ritters von seinem Pferd fiel und schon bei der ersten Runde besiegt worden zu sein schien.

Niemand hatte damit gerechnet, dass der Besiegte überhaupt wieder aufstehen würde, doch dieser schien aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt zu sein. Während der schwarze Ritter bereits auf dem Weg zu seiner Angebeteten war, ertönte ein lautes: "Halt!"

Der Sieger des Duells drehte sich verdutzt um und sah, wie sein Gegner sich vom staubigen Boden erhob und seinen Dialog fortsetzte: "Ich gebe mich in der erste Runde geschlagen. Doch ich fordere Sie hiermit zu einer zweiten Runde heraus. Diesmal soll das Schwert entscheiden."

Siegesgewiss lachte der schwarze Ritter herzhaft angesichts des aus seinen Augen nicht gerade angebrachten Muts seines Gegners und ließ daraufhin Folgendes verlauten: "Gegen dich nehme ich es in allen Disziplinen auf. Zu befürchten habe ich gegen so einen Schwächling wie dich nichts."

Unbeeindruckt von dem zuvor Geschehenen bzw. Gesagten tauschten die Kontrahenten ihre Lanzen jeweils gegen ein Schwert und begannen sofort danach mit dem Kampf. Beide gingen sehr geschickt mit ihrer Waffe um, doch genauso gut ausgebildet waren sie in der Verteidigung. Selbst die ausgeklügelsten Angriffe wehrten die Ritter mit ihren Schutzschildern ab, so dass es zu keiner Entscheidung zu kommen schien. Doch da irrte ein Jeder gewaltig.

Eine Schlagkombination der besonderen Art brachte den schwarzen Ritter in eine aussichtslose Position, so dass er es schließlich nicht mehr verhindern konnte, zu stürzen und vor seinem Gegner völlig hilflos im Staub zu liegen. "Bitte tu mir nichts", flehte der schwarze Ritter. "Du kannst die Königstochter ruhig haben!" - "Wer ihr Gemahle werden soll, soll alleine sie entscheiden", antwortete der Sieger des Schwertkampfs. "Wir lieben sie beide, doch ihre Liebe soll darüber entscheiden, wer an ihrer Seite sein darf."

Der Ritter wandte sich der Tochter des Königs zu und fragte sie mit ehrfürchtiger aber sicherer Stimme: "Ehrwürdige Königstochter, wen von uns beiden möchtet Ihr als Gemahl an Eurer Seite haben. Wen von uns Zweien liebt Ihr mehr?" - "Tapferer Ritter", antwortete die junge Frau, "dem schwarzen Ritter scheint sein Leben wichtiger zu sein, als ich es für ihn bin. Er würde nicht für mich sterben. Doch Ihr, mutiger Ritter, würdet Euer Leben für mich geben. Ich möchte an Eurer Seite sein."

Die Menge jubelte angesichts der Entscheidung nach dem unglaublichen Schauspiel und alle Anwesenden feierten die bevorstehende Hochzeit der zwei Liebenden bis in die tiefe Nacht. Der schwarze Ritter hingegen schlich geschlagen davon und wart an dem Abend nicht mehr gesehen.


So oder ähnlich kann eine Geschichte über die heute noch so beliebten Rittersleute klingen. Es ist viele Jahrhunderte her, dass ihre Zeit vorüber ist, doch sie sind lebendiger als je zuvor.



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