20.10.2009

Superstarliebe

() Gsf 2009 Fantasy Beitrag

 „L+N“, murmelte Lucy vor sich hin und kritzelte die Buchstaben in ihr Notizheft. „…Lucy?“, rief Frau Rotter und sah sie wütend an. „W…was?“, stotterte Lucy und musterte ihre Lehrerin verlegen, die sie aus ihren Tagträumen rüttelte. „Konzentriere dich auf die Schule und hör auf zu träumen“, schimpfte Frau Rotter und schüttelte den Kopf. Lucy wurde rot. „T…tut mir leid“, entschuldigte sie sich und senkte beschämt den Kopf. Sie konnte doch nichts dafür! Wenn sie an Nick denken musste, vergaß sie die ganze Welt um sich herum. Nick war ein absolut süßer und umwerfend guter Sänger. Lucy liebte seine Lieder, und ihn selbst. Natürlich im übertragenen Sinn gemeint. Er war eben bei allen angesagt und für alle ein Superstar. Jeder würde alles geben um ihn einmal live sehen zu können. Natürlich könnte man   total damit angeben, ihm einmal die Hand gereicht zu haben. „Morgen unternehmen wir einen Schulausflug nach Nyway um dort das Stadtmuseum zu besuchen“, verkündete die Lehrerin und sah ihre Schüler erwartungsvoll an. Niemand sagte etwas. Das Einzige was zu hören war, war Tonys Gähnen. „Toll“, sagte Bekka gelangweilt und starrte an die Decke. Seufzend drehte sich Frau Rotter um und beendete die Stunde. Auf dem Nachhauseweg unterhielten sich Lucy und ihre beste Freundin Jenny. „Ach Lucy… Was hast du denn wieder angestellt, dass sich Frau Lehrerin  wieder so fürchterlich aufregte?“, fragte Jenny kichernd. „Oh, na ja, ich habe einmal wieder an Mr Adonis gedacht“, scherzte Lucy. Mit “Mr Adonis“ war natürlich Nick gemeint. Vor Jennys Haus blieben sie schließlich stehen. „Ich freue mich schon auf den Ausflug“, sagte Jenny und rümpfte die Nase. Lucy verdrehte die Augen. „Und ich erst! Ich bin ja soo aufgeregt“, rief Lucy. „Bis morgen“, sagte Jenny und umarmte ihre Freundin. „Ja, tschüss!“


Am nächsten Morgen machte sich Lucy bereit für den Ausflug. Sie nahm ihren Rucksack und packte die wichtigsten Sachen ein. Eine Trinkflasche, einen Schokoriegel und am wichtigsten, ihr Geld. Dann steckte sie sich einen Kaugummi in den Mund, zog ihre Baseballmütze über den Kopf und rannte zur Schule. Keuchend und erschöpft kam sie an und sah schon den Schulbus der auf sie wartete. Frau Rotter stand vor der Bustüre und sah Lucy genervt an. Sie tippte auf ihre Uhr und forderte Lucy damit  auf, schneller zu rennen. Im Bus setzte sie sich neben Jenny, die sie grinsend ansah. „Ich bin ja nur ein bisschen verspätet“, murmelte Lucy und schloss die Augen. Nach der langen Fahrt kamen sie endlich am Museum an. Drin durften sich die Schüler eine halbe Sunde selbst auf den Weg machen um das Museum zu besichtigen, mussten sich nachher aber wieder beim Eingang treffen. Lucy machte sich alleine auf den Weg, denn Jenny war gerade mit ihrem Freund beschäftigt. Nach kurzer Zeit führte sie ihr Weg in einen menschenleeren Raum. Anscheinend hatte ihn noch niemand entdeckt. Sie lief auf ein sehr altes Buch zu. Neugierig schlug sie es auf und las die erste Seite. Sie kam ihr wie eine Anleitung vor. Lucy blätterte weiter und stieß auf etwas sehr Interessantes. Der Zauberspruch, der dazu verleitet, einen freien Wunsch zu erfüllen, der fünf Tage anhält.“ Interessiert las sie weiter und dachte nicht lange nach, als sie die Formel dazu aufrief. Ein helles Licht schien aus dem Buch und es fing an zu sprechen. „Was wünschst du dir?“, fragte es in einer tiefen, ruhigen Stimme. Lucy zitterte und sagte dann leise: “I…ich möchte gerne 29 Jahre alt sein.“ Ein Knall ertönte und Rauch quoll  aus dem Buch. Lucy öffnete vorsichtig ihre Augen und ging zu einem Spiegel hin. Erschrocken machte sie einen Satz rückwärts. Sie kam sich so… alt vor. Sie war wirklich 29 Jahre alt und von ihren hübschen 16 Jahren zu einer erwachsenen Frau geworden.  Im Inneren war sie aber immer noch die kleine 16 Jährige Lucy, die ab und zu mal die Schule schwänzte, der Polizei gerne einen Streich spielte und Kaffee mit einem Röhrchen trank. Schnell ging sie zu Jenny und rief sie. „Jen! Jenny“, zischte Lucy und fasste sie bei der Schulter. Ruckartig drehte sich Jenny um. „Kenne ich Sie?“, fragte Jenny und sah Lucy misstrauisch an. „Och Jenny, tut mir Leid. Ich bin’s! Lucy! Erkennst du mich? Ein bisschen vielleicht?“, fragte Lucy und sah ihre Freundin hoffnungsvoll an. „Lucy? Bist du das wirklich?“, flüsterte Jenny und sah Lucy mit großen Augen an. “Wie… wie ist das möglich?“, fragte sie weiter. „Ich kann dir es jetzt nicht erklären, aber du musst irgendeine Ausrede für mich erfinden. Ich meine, sag Frau Rotter mir wäre schlecht geworden, darum sei ich nach Hause gegangen. Sag meinen Eltern, ich hätte Liebeskummer und würde deshalb fünf Tage bei dir bleiben“, schlug Lucy vor. „O.k. ich werd’s versuchen“, versprach Jenny, packte Lucy bei den Schultern und sah ihr abermals in die Augen. „Was immer du verrücktes Kind vorhast, pass auf dich auf“, forderte Jenny und drückte Lucy noch einmal, bevor sie wieder zu ihren restlichen Freunden zurück ging. Lucy lief schnurstracks aus dem Museum und setzte sich auf den Bürgersteig. Sie faltete ihre Hände und stützte ihr Gesicht drauf. „Mann oh Mann“, dachte sie und schaute den vorbeifahrenden Autos zu. „Wieso wollte ich gerade 29 werden?“, fragte sie sich. Doch die Antwort lag auf der Hand. Nick war auch 29 Jahre alt. Somit waren Lucys Chancen bei ihm Aufmerksamkeit zu erlangen vielleicht um 2% gestiegen. Sie nahm ihr Portmonee und zählte ihr Geld. Sie hatte genau 50 Dollar in der Tasche. „Wow“, sagte sie mutlos und überlegte sich, wie sie mit 50 Dollar nach Los Angeles kommen sollte um Nick zu treffen. Weil ihr nichts in den Sinn kam, beschloss sie sich zu Autostop. Es ging nicht lange, bis jemand anhielt. Eine ältere Frau sah ihr ins Gesicht. „Na Kleines, wo soll’s den hingehen?“, fragte sie freundlich. „Na ja, eigentlich nach Los Angeles“, sagte Lucy und hoffte, dass die Frau auch dorthin müsste, was eigentlich nicht sehr wahrscheinlich war. „Da hast du aber Glück, Kleines, ich muss  nämlich nach San Francisco. Von hier aus liegt das gleich auf dem Weg.“ Glücklich stieg Lucy ein und fuhr mit der älteren Frau nach Los Angeles. Sie stellte sich als Nancy vor. Anscheinend wollte sie ihre Enkelkinder in San Francisco besuchen. Lucy mochte Nancy schon von Anfang an, und sie tauschten deshalb die Telefonnummern miteinander aus. Lucy erzählte Nancy davon, dass sie den Superstar Nick treffen möchte. Nancy verriet ihr ein paar Tipps und Informationen, die Lucy bisher nicht hatte, und ihr deshalb sehr halfen. In Los Angeles angekommen, verabschiedete sie sich von Nancy und versprach ihr anzurufen, sobald sie Nick treffen würde.

Lucy konnte sich im Hotel LA ein kleines Zimmer für fünf Tage mieten. Es kostete sie zum Glück nicht viel und sie konnte schließlich noch Abendessen gehen. Beim Chinesen holte sie sich eine chinesische Suppe und lief durch die Gassen und Strassen um Nicks Haus, oder besser gesagt seine Villa, zu entdecken. Da bemerkte Lucy eine Horde Paparazzi die wild um sich fotografierten und durch einen Spalt konnte Lucy entdecken,  das es sich bei dem Fotografierten um Nick handelte. „Ach du meine Güte. Ich hab noch nie soo einen knuddeligen Typ gesehen“, dachte Lucy, bevor sie von dem Auto angefahren wurde, in dem Nick saß.


Als Lucy wieder erwachte, fand sie sich in einer gemütlichen Stube wieder. Lucy blieb das Herz stehen, als sie Nick erblickte, der neben ihr saß und sie besorgt ansah. „Ach, zum Glück sind Sie endlich aufgewacht. Ich dachte wirklich ich müsste einen Krankenwagen rufen“, sagte er erleichtert. Lucy klappte den Mund auf. „Du...bist doch Nick, oder?“, fragte Lucy unsicher und setzte sich vom Sofa auf. „Ja, der bin ich“, sagte er und lachte. Lucy rappelte sich auf und ging einen Schritt auf ihn zu. „Setz dich doch neben mich“, forderte er sie auf. Langsam bewegte sie sich auf Nick zu und setzte sich schließlich neben ihn. „Wow, du riechst echt gut. Und ich dachte, du siehst nur gut aus“, stellte Lucy fest und wurde rot, als sie Nicks  Gesichtsausdruck sah. „Wie heißt du?“, fragte er. „Ich bin Lucy“, sagte sie und wurde langsam entspannter. „Aha. Lucy, es tut mir leid, dass ich so eine hübsche junge Dame fast über den Haufen gefahren hab“, sagte Nick und sah Lucy entschuldigend an. Lucy schmolz fast dahin, als sie in sein wehmütiges Gesicht blickte. „Hey, Kumpel…. Das ist schon in Ordnung. Ich bin ja noch ganz“, erwiderte Lucy und starrte auf den Boden. „Wie alt bist du noch mal?“, fragte Nick unsicher, wahrscheinlich um sich zu vergewissern, dass diese Worte gerade aus dem Mund einer erwachsenen Frau kamen. „Neunundzwanzig“, sagte Lucy sicher und lächelte stolz. Sie hatte es geschafft. Sie hatte es endlich geschafft. Sie durfte Nick nicht nur live sehen, sie durfte sogar in seiner Villa sitzen und mit im plaudern! War das nicht wundervoll? Doch wie sollte es jetzt weitergehen? Lucy beschloss, einfach weiter zu machen. „Du hast echt ne coole Villa“, sagte Lucy und sah in beeindruckt an. „Och, danke. Ich habe sie selbst entworfen. Willst du etwas trinken? Einen Cocktail? Ein Glas Wein vielleicht?“, fragte Nick und wartete auf Lucys Antwort. „Gibt es auch Kaffee?“, fragte Lucy. „Klaro“, antwortete Nick und ging in die Küche. „Bist du immer so… aufgestellt? Ich meine, so offen? Andere Leute flippen immer fast aus wenn sie mich sehen… Aber du, bist echt locker geblieben“, sagte Nick und klang irgendwie glücklich. „Tja, eigentlich bleib ich schon immer so locker. Ich meine, Stars sind ja auch nur Menschen. Es sind einfach Menschen… die etwas Spezielles können. Singen, oder schauspielern zum Beispiel“, sagte Lucy und das war ihre ehrliche Meinung. Als sie  Nicks „Aha“ hörte, befürchtete sie das Schlimmste. Hoffentlich würde er sie nicht rausschmeißen. „Du gefällst mir Lucy. Du sagst deine Meinung offen und ehrlich. Echt. Darauf steh ich.“, gab er zu und reichte Lucy den Kaffee. „Deine Lieder gefallen mir… Sag mal, hast du zufällig ein Röhrchen für mich?“


Lucy und Nick verbrachten den Abend gemeinsam und hatten vor, den nächsten Tag auch zusammen zu verbringen. Als Nick sie am nächsten Morgen im Hotel abholte, hatte Lucy ihre Lieblingskleider angezogen. Ob sie zu einer 29-jährigen passten oder nicht, spielte für sie keine Rolle. Ihr Blümchentop betonten ihre schöne Figur und die Hotpants liess die Menschen ihre schön gebräunten Beine zeigen. Ihre roten Boots passten echt gut zum Outfit und deshalb zog sie diese an. Nick sah sie erstaunt an, als er sie so sah. Er sah irgendwie… erwachsener aus als sie. „Passt zu dir, ehrlich“, sagte Nick und sah Lucy von oben bis unten an. Sie gingen zusammen eine Pizza essen, liefen durch die Stadt und gingen zum Schluss in den LA Nationalpark. „Ich liebe die Natur“, erzählte sie Nick und atmete die frische Luft ein. „Ich auch. Nur das ich das immer bestritten habe. Ich habe immer erzählt, ich wäre der totale Stadtfreak“, seufzte er und sah Lucy mit seinem wehmütigen Blick in die Augen an. „War echt doof von mir“, murmelte er vor sich hin. „Find ich auch“, stimmte Lucy zu und pflückte eine Blume. Nick lachte und drehte sich zu ihr um. Lucy flechtete ihm das Blümchen in sein Haar. „Lucy, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so eine atemberaubende Frau wie dich getroffen“, flüsterte er ihr ins Ohr und küsste sie sanft auf den Mund. Händchenhaltend liefen sie durch den Park und schauten sich am Abend gemeinsam einen Film an. An dem Abend entdeckte Lucy etwas unglaublich wertvolles: Sie liebte nicht nur seine Musik, sie liebte nicht nur sein Gesicht, sie liebte IHN. Die restlichen Tage vergingen wie im Flug und Lucy fragte sich ständig wie sie Nick erklären sollte, dass sie nicht wirklich 29 Jahre alt war. Am letzten Abend nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und erzählte ihm alles. Über das Buch, über den Wunsch und über ihr wahres Ich. Doch er glaubte ihr kein Wort. Kein einziges. Das Einzige was er wollte war, das Lucy verschwindet. Also verschwand sie. Lucy rief Nancy an und sie brachte Lucy am selben Abend wieder nach Hause.  Nach 24.00Uhr verwandelte sich Lucy wieder und schlurfte in ihr Zimmer. Leise schloss sie ihre Türe. Sie kroch in ihr Bett, weinte  und betete. Betete, dass der stechende Schmerz ihres gebrochenen Herzens endlich aufhören solle. Der nächste Tag war ein Samstag, deshalb herrschte am Morgen im Haus noch Stille. Lucys Eltern standen normalerweise an Samstagen sehr spät auf. Plötzlich durchbrach das Leuten der Haustüre die Stille. Weil niemand die Tür öffnete, machte sich Lucy eben auf den Weg Richtung Haustüre. Als sie die Tür öffnete, erblickte sie das Gesicht eines Zeitungsjungen der wahrscheinlich in ihrem Alter war. Lucy glaubte ein leises „Ich glaubs nicht“ gehört zu haben. Der Junge sah sie strahlend an. Irgendwie glaubte Lucy das Gesicht zu kennen. „Hier, die Zeitung“, sagte der glückliche Junge und reichte sie Lucy. „Danke“, murmelte sie und wollte die Tür schließen. „Hey, schon ein Skandal… Der Bericht auf der ersten Seite“, rief der Junge und wollte damit sagen, das Lucy die erste Seite lesen sollte. „Superstar Nick spurlos verschwunden“, stand da und nun strahlte der Junge noch mehr. Lucy schüttelte ungläubig den Kopf. Denn nun wusste sie, wieso der Zeitungsjunge ihr so bekannt vorkam. Es war Nick! „Du… du bist sechzehn geworden? “, fragte sie ungläubig. Er nickte. „Echt cool“, war das einzige was Lucy zu sagen vermochte. „Dieses Zauberbuch hat’s echt in sich! Sieh doch, ich kann noch mal beginnen… Ich meine, von 16 Jahren aus. Ich werde mit dir zusammen erwachsen. Ist doch toll, oder?“, sagte er aufgeregt. Nick brodelte förmlich vor Freude. „Du bist unglaublich. Aber… wieso bleibst du für immer sechzehn und ich war nur für fünf Tage 29 Jahre alt?“, fragte Lucy neugierig. „Tja weißt du Lucy, ich habe mir das ganze Buch einmal angeschaut. Wenn du mehr lesen würdest, wie ein bescheidener, erwachsener Mensch hättest du entdeckt, dass es noch mehr  Zaubersprüche gibt“, erklärte er und grinste sie an. Lucy küsste ihn und seufzte. „Und was ist mit Superstar Nick? Sie werden dich für tot halten!“, bedachte Lucy und sah Nick nachdenklich an. „Na und? Mit 16 nochmals anzufangen und eine schöne Jugend zu führen ist doch tausendmal toller! Man kann viel mehr Blödsinn anstellen“, sagte er und sah mit seiner Meinung sehr zufrieden aus. Lucy seufzte. „Ach, mein süßes Zuckerschnäuzchen. Und was ist mit deiner Villa? Deiner Karriere? Deinem Erfolg? Was hast du nun davon, alles aufgegeben zu haben?“, fragte Lucy verständnislos und sah ihrem Liebling tief in die Augen. Nick lächelte. „Dich“.



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