17.11.2008

Sonntags

() Gsf 2008 Fantasy Beitrag

 

Eines Tages kam der König des Eisbachtals mal wieder sehr spät von einer Konferenz zurück. In einer östlichen Provinz hatte es einen Bauernaufstand gegeben. Er hatte, sobald er von den Unruhen erfuhr, mit dem Anführer des Bauern-Lagers ein Treffen vereinbart, was natürlich prompt auch stattfand. Das Treffen dauerte zwei Stunden. Am Ende bekamen die Bauern zwei Prozent mehr Lohn. Pro Jahr.

Jetzt setzte sich der König an seinen Schreibtisch. Schon wieder hatte er einen ganzen Sonntag lang gearbeitet, ohne sich auch nur eine Sekunde lang zu entspannen. Seine Sekretäre hatten ihn ja am Morgen mit der Nachricht geweckt. Er seufzte schwer. Wie konnte er solch einem Treiben Einhalt gebieten? Er zog verschiedenes in Betracht:

 

  1. Er erließ ein neues Gesetz, welches es jedem Wesen bei Todesstrafe verbot, am Sonntag aufrührende Aktivitäten durch zuführen, die ihm oder einem anderen Mitglied des Königshauses auf den Wecker gingen.

  2. Er stellte einen Vertreter ein, einen Nur-Sonntag-König, der sich nur-sonntags um sämtliche Belange des Volkes, oder Volks-ähnlicher Gruppen kümmerte. Natürlich hatte dieser dann aber nicht alle Vollmacht des echten Königs, nur ein bisschen.

  3. Er schaffte den Sonntag ab.

 

Der König überlegte den ganzen Abend, und sogar in der Nacht träumte er davon, wie er aus einem riesigen Kalender sämtliche rot-markierten Tage durch-strich, wild lachend und johlend.

Am nächsten Tag, gleich nach dem Frühstück, hatte er sich dann entschlossen. Der Sonntag musste weg!

Sie fragen sich jetzt wahrscheinlich, weshalb sich der König für diese Lösung entschieden hatte, und nicht für eine der anderen. Das ist recht einfach erklärt: Er hatte einen Kümmer-Komplex. Eigentlich wollte er gar nicht frei haben, er wollte sich nur noch weniger immer schlecht fühlen, wenn er gezwungenermaßen an Sonn- und Feiertagen arbeitete, und dabei wusste, dass sich seine Untertanen einen lauen Lenz machten. Er hatte einen Kümmer-Komplex und er war eifersüchtig.

 

 

Nun Gut, um das Abschaffen des Sonntags in die Wege zu leiten, musste er sich zunächst mit demjenigen in Verbindung setzen, der den Sonntag überhaupt erst erfunden hatte: mit Gott höchst-persönlich. Da man so etwas wichtiges am besten höchst-persönlich macht, rief der König seinen ersten Sekretär und ließ ihn einen Termin machen. Dann ging er zum Friseur. Mit neuer Dauerwelle erfuhr er dann, etwa zwei Stunden später, dass das Treffen mit Karl, so hieß der Gott mit weltlichem Namen, für den Abend angesetzt war. Er solle mit Golf-Sachen erscheinen. Der König war ein wenig verwirrt, als er das erfuhr, hatte Karl es doch bisher abgelehnt, sich überhaupt auch nur einen Zentimeter alleine zu bewegen. Da war Golf doch schon eine echte Steigerung. Wahrscheinlich hatte seine Frau die Finger im Spiel, überlegte er.

 

Um Sechs Uhr Abends stand der König dann also vor der großen Pforte in der Himmelsallee Nr. 7.

Er hatte seine Golftasche über die Schulter geworfen, und bevor er klopfte, trat er noch seine Zigarette auf dem weißen Mamor aus, und verscharrte anschließend den Stummel in einem der vielen Blumenkästen. Er klopfte. Sobald er seine Hand von der Tür zurück gezogen hatte, ging sie auch schon auf. Karl öffnete selbst. Der König erkannte ihn fast nicht wieder. Karl war schlank, sein Bart war modisch zurecht-gestutzt, und auch sein Kleidungsstil hatte sich geändert. Früher hatte ihn der König nur in Sack-artigen Überwürfen getroffen. Jetzt trug er eine Helle Jeans und einen Pullover in rot.

„Karl, altes Haus!“ sagte der König, und schüttelte ihm die Hand. „Gut siehst du aus!“

„Hallo, König! Ist auch schon echt 'ne Weile her. Du brauchst doch nicht etwa Geld, oder?“ Karl war immer sehr direkt.

„Nein.“ sagte der König und wurde rot.

„Na, komm erstmal rein.“ sagte Karl. Der König trat ein. Hinter dem Tor erstreckte sich ein großer Garten. Viele verschiedene Bäume und Pflanzen waren hier zu finden, aus allen Regionen der Welt, für die Karl zuständig war. Pflanzen waren sein Hobby.

„Nun sag schon,“ sagte Karl. „Weshalb bist du hier?“ Dem König war es jetzt doch ein wenig unangenehm. Immerhin hatte Karl sich ja den Sonntag selbst ausgedacht.

„Es geht um eine von deinen Erfindungen.“ sagte er nach einer kurzen Pause.

„Den Käseschneider?“ fragte Karl überrascht.

„Nein.“

„Den Eierwärmer?“

„Nein.“

„Das Rad?“

„Auch nicht... Hör mal, Karl, es ist nichts persönliches, aber ich habe ein Problem mit dem Sonntag.“ sagte der König schließlich. Er wollte nicht, dass Karl noch mehr Erfindungen als seine eigenen entlarvte, die er bislang für Erzeugnisse des weltlichen Gehirns gehalten hatte. Karl war verdutzt.

„Wieso mit dem Sonntag?“

„Naja, also weil am Sonntag alle frei haben, nur ich natürlich nicht.“ sagte der König vorwurfsvoll.

„Jaja, mag ja sein, aber wieso kommst du damit zu mir?“ fragte Karl. Jetzt war es der König, der verwirrt war.

„Moment mal, laut dem Buch der einzigen und wahrhaftigen auf ewig geltenden Wahrheit hast du dir den Sonntag ausgedacht. Gleich nach Schichtende. Nachdem du die Welt gebaut hast.“

Karl schwieg kurz, dann lachte er unbeherrscht.

„Nur weil mir irgendein selbst-ernannter Prophet, der, wie ich sehr genau weiß, von der Journalistenschule geflogen ist, so etwas nach gesagt hat, heißt das noch lange nicht, dass ich damit was am Hut habe.“ Er kriegte sich kaum wieder ein. Der König kam sich ziemlich bescheuert vor.

„Tut mir Leid, mein bester.“ sagte Karl, als sie sich eine halbe Stunde später am Tor von einander verabschiedeten. „Aber wenn dir da jemand helfen kann, dann ist das wohl der Verlag des Buches der einzigen und wahrhaftigen auf ewig geltenden Wahrheit. Oder du klingelst mal bei dem Autor. Leider kann ich dir seine Adresse nicht gleich geben. Weißt ja: Datenschutz und so.“

„Ist schon gut. Danke trotzdem für die Hilfe. Man hört.“ Dann schwang die große Pforte wieder zu und der König stand allein auf dem weißen Marmor der Himmelsallee. Er blieb eine Weile stehen und dachte nach: Wieso hatte Gott mit seinem Buch nichts zu tun? Wieso hatte Gott den Käseschneider erfunden? Und wieso, zum Gott nochmal, hatte er seine Golftasche mitgebracht? Das Ding war Sau-schwer!



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Kommentar von Mensch ohne Namen ;):
(20.05.2010 um 21:13 Uhr)

Schliesse mich an allen an. Sehr viel Fantasy. :) Gibs noch mehr Werke von dir?

Kommentar von JoWa:
(28.01.2010 um 20:46 Uhr)

Ich kann den anderen Kommentatoren nur recht geben. So etwas Fantasievolles hätte ich nicht hinbekommen!

Kommentar von Alill:
(20.11.2008 um 16:58 Uhr)

es sollte eine fantasy geschichte werden das ist ohne frage gelungen, mehr fantasie geht wohl nicht :D

Kommentar von snakius :
(20.11.2008 um 14:47 Uhr)

Danke :o) Hat auch Spaß gemacht, sie zu schreiben!

Kommentar von Rall Schorrdas:
(20.11.2008 um 12:27 Uhr)

Sehr schön!




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