03.07.2008

Ich mit 3 Flügeln

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Bevor beim Leser irgendwelche Irritationen hinsichtlich der Wahrheit des Erzählten aufkommen, möchte ich klarstellen, dass es sich bei dem Geschilderten um einen Traum handelt. Aber was heißt das schon? Ist die Realität nicht auch eine Mischung aus Illusion und dem, von dem wir denken, dass es die Wirklichkeit sein könnte:

Ich saß auf einem dreieckigen Baum, während die Sonne am Himmel strahlte. Es waren kaum Wolken zu sehen, so dass vorerst nicht mit Regen zu rechnen war. Sekunden später schüttete es wie aus Kübeln, so dass ich beschloss, mir ein trockeneres Plätzchen zu suchen. Also flog ich davon. Das war ohne Weiteres möglich, denn ich hatte eine ganz andere Gestalt, als die, die ich sonst von mir kannte. Ich war kleiner als sonst, in Zentimetern ausgedrückt belief sich meine Größe auf ungefähr 70 dieser Maßeinheit. Die Farbe meines Körpers, die komplett grün war, gefiel mir ziemlich gut, da sie mich an die eines Actionhelden erinnerte, den ich schon in meiner Kindheit in etlichen Comics und sogar in einer Fernsehserie bewundert hatte. Ich hatte 4 recht dünne Beine, aber dafür nur einen Arm. An meinen Schultern und an meinem Hinterkopf wuchsen insgesamt drei Flügel. Dem Schönheitsideal der Menschheit entsprach ich zwar nicht, doch in diesem Traum kam ich mir durchaus nicht unattraktiv vor.

Also flog ich selbstbewusst auf der Suche nach Trockenheit umher. Nachdem ich eine kurze Zeit geflogen war, sah ich eine gelbe Fledermaus mit 5 Köpfen. Freundlich, wie ich nun mal war, verlangsamte ich meine Fluggeschwindigkeit, bis ich schließlich in der Luft stand, während sich meine Flügel in einer atemberaubenden Schnelligkeit weiterbewegten. "Guten Tag, liebe Fledermaus", rief ich ihr zu. Die fliegende Maus nahm meinen Gruß zur Kenntnis und stoppte ihren Flug abrupt ab. Sie schien freundlich zurückzugrüßen, was ich jedoch nur vermutete, da ich ihre Sprache überhaupt nicht verstand. Ihre Worte klangen wie eine Mischung aus Chinesisch und einem unverständlichen Französisch, so dass ich nun gar nicht wusste, wie ich die Kommunikation weiterhin aufrecht erhalten sollte. Ich entschloss mich also, freundlich 'Auf Wiedersehen' zu sagen und setzte meinen Flug fort.

Nachdem eine lange Zeit vergangen war und ich schon langsam ein hungriges Gefühl in meiner Magengegend verspürte, sah ich plötzlich ein Haus. Als ich dieses näher betrachtete, fiel mir auf, dass das Gebäude auf dem Kopf stand. Das Spitzdach war teilweise im Boden versenkt, während die Eingangstür sich in luftiger Höhe befand. Leider fehlte das Fundament über der Tür, so dass sich ein Aufenthalt in dem Haus für mich nicht gelohnt hätte, da ich ja mein Ziel, mich im Trockenen aufzuhalten, somit nicht erreichen konnte. Also setzte ich meine Reise fort. Fortan sah ich etliche Häuser, die alle auf dem Kopf standen. Es gab also keinerlei Möglichkeit, sich unterzustellen, obwohl ich mich sehr danach sehnte, endlich im Trockenen zu sitzen und eine kräftige Mahlzeit einzunehmen.

Etwas weiter in der Ferne sah in plötzlich ein kriechendes Wesen, welches das erste war, das mir seit der Begegnung mit der Fledermaus auffiel. Ich näherte mich dem Lebewesen und betrachtete es aus der Nähe. Es war eine rosafarbene Schnecke mit ca. 25 Fühlern und 10 Augen. Ihr Schneckenhaus war quaderförmig und dessen Dach befand sich, im Gegensatz zu denen aller anderen Häuser, die ich unterwegs gesehen hatte, dort, wo ich es ursprünglich erwartet hatte, nämlich oben. Leider war das Schneckenhaus etwas zu klein dafür, dass ich auch dort hätte unterschlüpfen können. Also sprach ich die Schnecke an und fragte sie, ob sie wüsste, wo man einen Unterschlupf finden könnte. Das kriechende Tier sah mich an und sprach: 'Ey, Alter, wat weiß ich denn! Is mir voll egal, dass du nass werden tust. Hauptsache, ich hab' mein Haus. Zisch' ab!'

Schnell suchte ich das Weite, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, welche der beiden Begegnungen wohl als die angenehmere bezeichnet werden konnte. Als ich meine Reise eine weitere Weile fortgesetzt hatte, ging es plötzlich nicht mehr weiter. Ich staunte nicht schlecht, was ich zu sehen bekam. Ich betrachtete eine riesige Wand, deren Ende nicht auszumachen war. Ich schaute erst nach links und dann nach rechts. Die Mauer schien in beide Richtungen unendlich weit zu verlaufen. Auch mein Blick nach oben ergab kein anderes Ergebnis. Ich hätte Stunden oder vielleicht noch länger fliegen können, ohne, dass ich die Mauer hätte überqueren können. Ich überlegte, was ich tun sollte. Ich wollte unbedingt sehen, was sich hinter dieser Riesenwand befand.

Plötzlich blitzte und donnerte es so heftig, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte. Einer der vielen hellen Blitze zischte knapp an meinem Kopf vorbei und zerschmetterte einen kleinen Teil der riesigen Mauer, durch das ich nun hindurchfliegen konnte. Sobald ich die Öffnung durchquert hatte, fand ich mich in der altbekannten Gestalt in meinem Bett wieder. Ich war zwar rundum trocken, meinen Hunger verspürte ich jedoch weiterhin. Ich ging zum Kühlschrank, nahm ein paar leckere Dinge daraus und verspeiste sie zügig, so dass ich schon bald glücklich in mein Bett gehen konnte, um weiterzuschlafen (und vielleicht sogar zu träumen).



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Kommentar von Rall Schorrdas:
(10.11.2008 um 22:34 Uhr)

Schön. Ein Spiel mit alten Ideen, aber wirklich hübsch verpackt.

Kommentar von haiidilaiinchen:
(18.09.2008 um 15:52 Uhr)

deine Geschichte (oder auch Traum) find ich sehr gut!

Kommentar von CattieBrie:
(29.08.2008 um 11:41 Uhr)

Wie immer "absolut super" :)

Kommentar von Martibor:
(04.07.2008 um 00:34 Uhr)

von was Do so träumst ;-)




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