21.07.2010

Die Drachenbucht

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Sarkonien lag tief unten im Tal. Es war kein großes Land, doch es war trotzdem nicht unbedeutend im großen Universum von Falantasien. Die Frauen Sarkoniens fielen sowohl durch ihre fast unbeschreibliche körperliche wie auch geistige Schönheit, die Männer durch ihre physische Gestähltheit und ihre Kampfkraft auf. Diese Eigenschaften besaßen auch Sybilla und Brochus, ein Ehepaar, das sich über alles liebte und unzertrennlich wirkte. Auf der einen Seite die liebenswerte gütige Frau, die von perfekter Gestalt war, auf der anderen Seite der starke Krieger, der seiner Gattin den Schutz und die Sicherheit bot, die sie benötigte und die zu ihrem Wohlempfinden beisteuerte.

Zwei Jahre, nachdem sich Sybilla und Brochus die ewige Treue geschworen hatten, gebar die Frau des äußerst muskulösen Kriegers einen Sohn, der schon zu dem Zeitpunkt, an dem er das Licht der Welt erblickte, durch seine Zartheit und Schmächtigkeit auffiel. Es war sehr unüblich in Sarkonien, dass männliche Nachkommen heranwuchsen, die nicht die körperlichen Anlagen eines Ehrfucht einflößenden Kriegers mitbrachten. So wuchs der Junge namens Tinus heran und es ergaben sich mit den Jahren keinerlei Anzeichen, dass sich seine physische Beschaffenheit ändern sollte. Folglich kam es dazu, dass Brochus bereit war, zum Äußersten zu greifen, um diesem Umstand ein Ende zu bereiten.

"Sybilla", sagte der Krieger zu nächtlicher Stunde zu seiner Frau, "wir können es uns nicht leisten, einen so schwächlichen Sohn heranzuziehen. Beim Spiel mit seines Gleichen verliert er sein Holzschwert, weil er nicht kräftig genug ist, die Schläge der anderen Jungen zu parieren. Nicht nur die Kinder in seinem Alter haben längst erkannt, wie es um den körperlichen Zustand unseres Sohnes bestellt ist, auch die Älteren sprechen hinter dem Rücken schon über Tinus. Wir müssen handeln. Unsere Familie hat einen guten Ruf zu verlieren, den ich nicht leichtfertig aufs Spiel setzen möchte. Das Ansehen und die Ehre sind für einen Krieger wie mich das wichtigste Gut auf dieser Welt."

"Aber Brochus", erwiderte die Gattin des muskulösen Mannes, "was kümmert uns das Geschwätz der Anderen. Lass uns glücklich werden, ohne darauf zu schauen, was Außenstehende über uns denken und reden. Wir lieben unsern Sohn doch, unabhängig von seiner körperlichen Konstitution. Er ist so ein gutes weises Kind, das andere Fähigkeiten entwickeln wird als die eines mustergültigen Kriegers. Lass uns weiterleben wie bisher und für alles dankbar sein, so wie es ist."

"Das geht nicht, Sybilla", sprach Brochus, "ich muss handeln. Ich werde bei Sonnenaufgang mit meinem Sohn zur Drachenbucht reisen. Dort muss Tinus frisches Blut vom stärksten Drachen trinken, der dort haust, so dass sein Körper robuster und muskulöser sein wird und er ein mutiger Krieger werden wird, so, wie es sein Vater bereits ist."

Allen Bedenken und Bitten der Ehefrau zum Trotz brachen Brochus und sein Sohn Tinus am nächsten Morgen auf und zogen gen Osten zur Drachenbucht.

Das erste Hindernis, das die beiden auf ihrer Reise erwartete, waren die Caili-Berge, zu deren Füßen ihre traute Heimat Sarkonien lag. Brochus wusste, dass sein Sohn zu schwach war, die Berge hinaufzuklettern, so dass er sich Titus mit Hilfe eines Taus auf den Rücken band und somit beruhigter die Berge erklimmen konnte. Nach atemberaubenden Kletteraktionen und tollkühnen Sprüngen über tiefe Abgründe hinweg erreichten Vater und Sohn schließlich die andere Seite des Gebirges. "Siehst du mein Sohn", sagte Brochus zu seinem Nachkommen, "so stark wie dein Vater wirst du auch bald sein, wenn wir unser Ziel erreicht haben werden." Während er die Worte sprach, löste er das Tau und sein Sohn purzelte von seinem Rücken. Daraufhin machten die zwei sich wieder auf den Weg, nachdem sie sich kurz durch das Wasser des Caili-Flusses gestärkt hatten.

Im Bärenwald angekommen dämmerte es schon leicht, so dass die gefährlichen blutrünstigen Geschöpfe, die sich in dem eh schon düsteren Wald aufhielten, nur schwer auszumachen waren. Doch Brochus verfügte nicht nur über stählerne Muskeln, auch seine Sinne waren von außerordentlicher Präzision geprägt. Er konnte seine Gegner nicht nur mit Hilfe seines gut geschulten Gehörs früh ausmachen, sondern verfügte auch über die Gabe, im Dunkeln überdurchschnittlich gut sehen zu können. Somit erkannte er die fünf monströsen Bären, die ihren Weg säumten sehr früh, so dass Brochus die ersten beiden Widersacher mit Hilfe seines scharfen Schwertes im Nu dem Erdboden gleich machte, während Tinus staunend daneben stand. Kurz darauf griffen die drei verbliebenen Bären an. Denen bereitete der Krieger ebenso fix ein Ende, in dem er seine Waffe beidhändig mit durchgedrückten Armen von sich streckte und sich blitzartig um seine eigene Achse drehte. Sein Sohn spendete ihm Applaus, bevor die beiden schnell aus dem Wald eilten, um vor dem endgültigen Einbruch der Dunkelheit der Gefahrenzone entkommen zu sein.

Für die Nacht suchten sich die beiden Reisenden einen ungefährlichen Ort unter einem Obstbaum, in dessen Nähe ein kleiner Bach floss. So konnten sich die zwei stärken und friedlich einschlafen, um für den nächsten Tag neue Kraft zu sammeln.

Brochus und Tinus standen früh auf. Sie aßen zum Frühstück etwas Obst und tranken aus dem Bach. Nachdem sie sich ein wenig Proviant für die Reise eingepackt hatten, wanderten sie weiter über Stock und Stein.

Als sie einige Stunden gelaufen waren, kamen sie an ein riesiges Meer. Davon hatte Brochus schon viel gehört und hätte sich in den kühnsten Träumen nicht ausgerechnet, dass es so groß sein würde. Weit und breit war am Horizont kein Land zu erkennen. Um das Meer zu durchschwimmen, wäre selbst Brochus zu schwach gewesen, ganz zu schweigen von seinem schwächlichen Sohn, den er sich hätte erneut auf seinen Rücken binden müssen, was das Schwimmen nicht unbedingt erleichtert hätte.

Die einzige Möglichkeit, das Meer zu überwinden, bestand darin, ein Boot zu bauen. Brochus wollte gerade seinen Sohn dazu animieren, etwas Holz für das Schiff zu sammeln, da begegnete den beiden ein eigenartiges Tier. Es handelte sich dabei um einen goldenen Schwan, der direkt auf die zwei Abenteurer zusteuerte und eine sehenswerte Landung vor ihren Augen hinlegte. "Ich weiß, was ihr vorhabt", sagte der Schwan zu den beiden, "Ihr wollt zur Drachenbucht." Die beiden standen mit offenen Mündern vor dem goldenen Tier und hörten weiterhin seine Worte an: "Ich kann Euch dorthin bringen, ich muss sowieso in diese Richtung. Steigt auf meinen Rücken, dann fliegen wir sofort los."

Ohne in Frage zu stellen, dass die beiden Sarkonier für einen Schwan eventuell ein bisschen zuviel Gewicht mitbringen könnten, stiegen Brochus und Tinus auf den Rücken des goldenen Flugtieres und ließen sich über das Meer transportieren. Die beiden erkannten bei dem Schwan keine Anzeichen von Schwäche auf dem langen Flug. Er landete sanft am Rande der Bucht, bevor sich die beiden Passagiere herzlich bedankten. Doch das Tier wollte sich nicht lange aufhalten, sehr wohl in dem Wissen, welche Gefahr an diesem Ort lauerte. Es flog davon, während Brochus in die Drachenbucht schaute und schon aus der Ferne das Feuer der speienden Ungeheuer sehen konnte. Nun ging es darum, Mut zu bewahren. Diese Drachen waren wirklich keine leichten Gegner, doch sie mussten beseitigt werden, bevor der stärkste von allen auf sie warten würde.

Die zwei Sarkonier wagten sich Schritt für Schritt vorwärts in die Bucht hinein, wobei Brochus mutig voranging und sein Sohn immer ein Stück hinter ihm blieb. Dann war es schließlich so weit. Zwei grässliche Drachen standen direkt vor ihnen. Brochus griff sie mit seinem Schwert an, währenddessen er immer wieder grazil nach links und rechts springen und sich bei Nöten auch abrollen musste, um dem Feuer der Drachen auszuweichen. Nach aufregendem Kampf konnten die beiden Drachen schließlich von dem großen Krieger niedergestreckt werden, so dass sich die zwei sich am Ziel Wähnenden weiter in die Drachenbucht hinein begaben. Nachdem zwei weitere Drachen von Brochus aus dem Weg geschafft wurden und dabei Tinus in geduckter Haltung im Hintergrund aufpasste, dass ihm nichts geschah, standen sie schließlich dem Ungeheuer gegenüber, dessen frisches Blut sie benötigten.

Mutig stürmte Brochus auf Drakondus, den stärksten Drachen in der berühmten Bucht, los und versuchte, ihn im Sprung mit dem Schwert zu verletzen. Doch sein Gegner war nicht so leicht zu besiegen wie die anderen zuvor. Blitzartig wich er dem Angriff aus und startete daraufhin selbst einen, indem er sein Feuer in Richtung des starken Kriegers spuckte. Dieser konnte sich in einer atemberaubenden Sprungaktion davor retten, geröstet zu werden. So kämpften die beiden mehrere Minuten gegeneinander, ohne dass sie sich gegenseitig Schaden zufügen konnten. Nach einem weiteren Schwertangriff von Brochus versuchte Drakondus, den Krieger mit seinen scharfen Krallen zu erwischen. So holte der Drache mit seiner rechten Vorderklaue weit aus, um sie schließlich in einer blitzartigen Geschwindigkeit in Richtung des Angreifers zu schwingen. Brochus konnte noch im letzten Moment ausweichen. Was ihm jedoch nicht bewusst war, war die Position seines Sohnes, der sich unmittelbar hinter ihm befand. Entweder hatten die beiden Kämpfenden sich Tinus bei ihren Positionswechseln genähert oder der Junge war aus Neugier näher an den Ort des Geschehens herangerückt. Unabhängig von der Erörterung der ungünstigen Lage von Tinus erwischte ihn der Schwinger von Drakondus mit extremer Wucht, so dass er meterhoch durch die Luft geschleudert wurde. Nachdem Brochus dies bemerkt hatte, eilte er schnell zu seinem Sohn, der durch die Krallen des Drachen offensichtlich tötlich verletzt wurde. Sein gebrochener Vater sackte sofort in sich zusammen, als er bemerkte, was geschehen war. Drakondus spie ein weiteres Mal sein Feuer...

Die Moral: Das Ansehen deiner Person oder deiner Familie solltest du nicht überbewerten. Du bist du, unabhängig davon, was andere über dich denken und sagen. Akzeptiere dich und deine Mitmenschen so, wie Ihr seid!



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