23.07.2010

Der Wächter des Todes

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„Hol mich. Ich bitte dich darum. Ich will weg von hier. Wo bist du nur, wenn man dich dringend braucht?“

Mein Hilferuf hat er wohl gehört. Denn ich spürte die plötzliche Kälte, die meinen zerbrechlichen Körper durchfuhr. Mein Herz, wild pochend, und meine schnellen Atemzüge wurden schlagartig ruhiger. Ich spürte nicht mehr diese Ausweglose Verzweiflung in mir drin.

„Du brauchst keine Angst zu haben. Ich werde dir nur helfen. Spürst du nicht, wie gut es dir jetzt geht?“, flüsterte er mit heiser Stimme.

Wo er war, wusste ich nicht. Denn es war undenkbar, dass er einen menschlichen Körper besaß, geschweige denn ein Herz. Trotzdem hörte ich seine Worte deutlich und ja, er hatte vollkommen recht. Ich fühlte mich besser.

„Warum haben nur so viele Menschen Angst vor dir?“, rief ich laut. Mir war nicht klar, wie nahe er an mir war und wie gut er mich hören konnte.

„Bedenke, dass du mich gerufen hast. Also hat nicht jeder Angst vor mir. Ich bin nur das Ungewisse, das jedem angeblich nur Leid und Traurigkeit zufügen möchte. Ich bin aber nicht hier um deine endlosen Fragen zu beantworten, die gerade in deinen Gedanken herumirren. Ich habe eine wichtige Aufgabe zu erledigen.“ Den letzten Satz sagte er mit einer genüsslichen Anspannung, sodass ich für eine kurze Zeit darüber nachdachte, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

„ Aber, aber...Was sehe ich denn da? Warum kommen den plötzlich diese Gedanken? Ich will dir doch nur helfen und nichts Böses antun. Ich verspreche es dir sogar. Ich befreie dich von deinem Leid, dass du am eigenen Leibe trägst. Jeden Tag, jede Stunde diese unerträgliche Verzweiflung. Sag, warum soll ich dich töten?“

Ich holte tief Luft bevor ich anfing zu reden: „ Ich-ich komme nicht mehr klar mit meinem Leben. Weil ich es satt habe! Ich möchte nur bei ihm sein. Wir gehören zusammen. Er hat es nicht verdient, auf diese schreckliche Art und Weise sein Leben verloren zu haben. Wir waren ein glückliches Paar. Doch viele waren mit unserer Liebe nicht einverstanden, vor allem meine Eltern nicht. Sie wollten, dass die Kultur erhalten bleibt. Doch ohne ihn kann ich einfach nicht mehr Leben. Ich habe das wichtigste in meinem Leben verloren nur weil ein paar Leute mit unserer Liebe nicht einverstanden waren. Das ist ungerecht! Ich wollte nur wie jedes andere Mädchen…“

Mitten im Satz wurde ich unterbrochen und etwas schwarzes umhüllte mich. Es fühlte sich sehr Kalt an, aber nicht unangenehm. So als würde endlich all die Traurigkeit und Sorgen für die Ewigkeit erloschen bleiben.

Und dann hörte er auf zu schlagen. Mein Herz stand still und mein Blut erstarrte. Die Seele befreite sich aus meinem toten Körper.

Er, der Wächter des Todes, brachte mich ins Jenseits.



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