22.11.2007

Das gemalte Bild

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Nach der Schule lief Sina schnell nach Hause, sie hatte großen Hunger, da sie ihr Lunchpaket morgens zuhause vergessen hatte. Als sie die Türe reinkam, wußte sie schon, dass niemand zu Hause war. Automatisch ging sie in die Küche, wie immer lag auf dem Esstisch ein Zettel. „Liebe Sina, leider musste ich wieder spontan zu einem wichtigen Geschäftsessen, es wird bestimmt spät werden. Mach dir doch eine Pizza fertig, es sind wie immer welche im Eisschrank. Warte nicht auf mich, Mama“ Enttäuscht legte sie den Zettel weg, wieder einmal musste ihre Mutter arbeiten. Sie hasste Tiefkühlpizza, also sie ging sie zum Kühlschrank um nach zusehen ob es noch was anderes Essbares gab. Fehlanzeige, der Kühlschrank war auch leer, wie so oft. Sina seufzte und schaltete den Backofen an, Tiefkühlpizza ist immer noch besser als zu verhungern, dachte sie sich. Während die Pizza vor sich her brutzelte machte sie den Fernseher an, doch auch dort lief nichts was sie interessierte. Lustlos aß sie somit die Pizza.

Dann ging sie in ihr Zimmer und zog sich ein altes Hemd an. Sie bereitete alle Farben vor, die sie zum Malen brauchte. Hausaufgaben konnte sie auch später machen, dies hier war wichtiger, sie wollte wissen ob es noch immer funktionierte. Bewaffnet mit dem Pinsel stand sie vor der nackten Leinwand und überlegte was sie heute malen sollte? Sie ließ ihre Fantasie spielen und in ihren Gedanken breitete sich eine wunderschöne Landschaft aus. Die Wiese war noch feucht vom Tau, die Bäume trugen saftige Äpfel und der Wind ließ die Blätter rascheln, im Hintergrund rauschte das Wasser den kleine Wasserfall hinab, doch der See war ganz ruhig und wirkte einladend.

Sie setze den Pinsel an und fing ohne noch weiter darüber nachzudenken an zu malen. Es war als ob der Pinsel sich von alleine über die Leinwand bewegte, ohne ihr Zutun. Nach wenigen Minuten konnte man ein paar Umrisse der Hügel im Hintergrund erkennen. So war es jedesmal wenn sie anfing ein Bild zu malen, sobald sie im Kopf eine ungefähre Vorstellung hatte, was sie malen wollte, flog der Pinsel nur so über die Leinwand und vervollständigte damit ihre ausgedachte Landschaft. In diesen Momenten war ihr Kopf ganz leer und sie verschwendete keinen Gedanken an ihre Mutter, der Schule oder sonst wem. Es war so entspannend für sie.

Irgendwann schwirrten ihr wieder einige nichtige Gedanken durch den Kopf und sie schüttelte kurz den Kopf, als ob sie geschlafen hätte und erst wieder richtig wach werden müsste. Sie schaute auf die Leinwand, darauf befand sich eine wunderschöne Landschaft und sie fragte sich wieder einmal, ob auch wirklich sie dieses Bild gemalt hatte. Da sie nie fassen konnte, dass tatsächlich sie so schöne Bilder malen konnte. Wie verzaubert schaute sie sich das Bild an und registrierte sogar die kleinsten Einzelheiten. Sie sah den halb aufgegessenen Apfel der mitten auf der Wiese lag. Sina stutzte, sie konnte sich absolut nicht dran erinnern, diesen gemalt zu haben. Vorsichtig streckte sie die Hand aus, um diesen Apfel vorsichtig zu berühren. In dem Moment wo ihre Finger die Leinwand berührten, fühlte sie sich als würde sie Karussell fahren, alles drehte sich und grelle Lichtblitze tanzten vor ihren Augen.

Als sich alles wieder normalisierte und der Schwindel verschwand, stand sie mitten auf der Wiese, die sie gerade gemalt hatte. Sie konnte das Wasser rauschen hören und konnte die Vögel zwitschern hören, roch die frische Luft. Sie hatte es schon wieder getan, Sina wusste nicht wie, aber sie stand wieder mitten in der Landschaft die sie gerade gemalt hatte. Noch einmal blickte sie sich um, bevor sie langsam auf den See zuging, doch sie stoppte als sie vor ihren Füssen den angebissenen Apfel sah. Sina bückte sich um den Apfel aufzuheben um ihn sich genau anzusehen. Es war noch nicht lange her, das jemand davon abgebissen hatte. Langsam ging sie weiter auf den See zu. Am Ufer angekommen setzte sie sich hin und ließ ihre Finger über dem Wasser kreisen. Da hörte sie es zum ersten Mal, es war wie ein Kichern, das ganz leise erklang. Mit einem Satz sprang Sina auf und blickte sich wieder um, doch es war niemand zu sehen. Dann ein plätschern ganz in der Nähe, als sie sich die Wasseroberfläche genau ansah, bemerkte sie die kleinen Bewegungen. Kleine Kreise, die langsam immer größer wurden und dann verschwanden. Ein Stück entfernt entstanden ein paar Wasserblasen. „Hallo ist da wer?“ fragte Sina zaghaft. Da wieder ein Kichern und die leichten Wellenbewegung auf der Wasseroberfläche. Einige Sekunden später sah Sina es und sie konnte es kaum glauben.

Dort schwamm eine Meerjungfrau im See. Mit offenem Mund beobachtete Sina, wie diese Meerjungfrau näher auf sie zu schwamm und kurz vor ihr anhielt und „Hallo“ sagte. Sina konnte nicht antworten, da sie so überrascht war. „Kannst du nicht sprechen?“ fragte die Meerjungfrau und ihr Kichern erklang wieder. „H … Hallo, ich heiße Sina und du?“ kam es stockend von Sina. „Ich heiße Maya. Oh und da kommt auch schon Lilly“ Sina sah in die angegebene Richtung und sah eine zweite Meerjungfrau auf sich zu schwimmen. Lilly begrüßte sie ebenfalls und sofort begann ein freundliches Gespräch. Nach einiger Zeit fragte Lilly ob Sina nicht Lust hätte mit ihnen ein wenig zu schwimmen. Sina willigte sofort ein. Und zog sich bis auf ihre Unterwäsche aus und sprang zu den Meerjungfrauen ins Wasser. Eine Zeitlang plantschen sie herum. Dann fragte Maya ob Sina denn auch ihre Unterwasserwelt sehen möchte. Sina war begeistert, sagte jedoch traurig „Ich würde sehr gerne, aber leider kann ich unter Wasser nicht so atmen wir ihr“ „Ach das ist kein Problem“ sagte Lilly und tauchte unter. Ein paar Sekunden später tauchte sie wieder auf und hielt Sina ein Büschel Seetang hin „Hier iss dies, dann kannst du wie wir auch unter Wasser atmen. Dies wirkt genau eine Stunde, dann musst du wieder zurück an die Oberfläche.“

Sina schaute den Seetang ein wenig angewidert an, doch die Neugier auf diese fremde Welt war stärker als der Ekel und sie schluckte den Seetang hinunter. Im selben Moment bekam sie keine Luft mehr und bekam Panik. „Schnell du musst untertauchen, da du jetzt hier nicht mehr atmen kannst.“ sagte Maya. Schon tauchte Sina unter und konnte nun Gott sei dank wieder atmen. Lilly und Maya nahmen sie jeweils an eine Hand und zogen sie hinter sich her. Nach ein paar Momenten sah Sina die Umrisse einer Stadt. Es war unglaublich, mitten im See an der tiefsten Stelle war eine richtige Stadt zu sehen. Lilly und Maya schwammen mit ihr weiter in die Stadt und zeigten ihr alles was es zu sehen gab. Es war alles so wunderschön, sie hätte für immer hier bleiben können, doch nach einer Zeit hatte sie wieder das Gefühl keine Luft zu bekommen und sie machte den beiden ein entsprechendes Zeichen. Die Meerjungfrauen verstanden sofort und zogen Sina so schnell es geht an die Oberfläche zurück. Schnell zog sie die lebensnotwendige Luft in ihre Lungen und atmete ein paar Mal tief ein und aus.

Als sie wieder am Seeufer ankamen, zog Sina ihre Sachen wieder an. Die Sonne stand tief und konnte jeden Moment ganz hinter dem Berg verschwinden. Maya sah dies und sagte „Du musst nun wieder zurück, denn sobald die Sonne untergeht, beginnt die Zeit der Zentauren und denen möchtest du bestimmt nicht begegnen. Schnell du musst dich nun beeilen.“ Mit diesen Worten tauchten die beiden Meerjungfrauen ab, ohne sich noch einmal zu ihr umzublicken. Sina stand noch immer nass wie sie war am Ufer und sah den beiden Meerjungfrauen nach. Dann hörte sie in der Ferne mehrere düsteren Stimmen, die ihr eine Gänsehaut bereiteten. Schnell wandte sie sich um und ging zu der Stelle zurück an der sie angekommen war. Schon hörte sie die trappelnden Schritte der Zentauren, doch es tat sich nichts. Wieso konnte sie nicht zurück? Irgendwas war nicht in Ordnung. Sie blickte sich noch einmal um und dann sah sie es. Der angebissene Apfel lag nicht auf der richtigen Stelle. Schnell rannte sie zurück um den Apfel zu holen und legte diesen auf die Stelle neben dem Apfelbaum, dort wo sie ihn gefunden hatte. Nun konnte sie schon die Staubwolke sehen, welche die Zentauren verursachten. Sina ging wieder zu dem Platz wo sie herkam und nun überkam sie wieder der Schwindel und die grellen Lichtblitze.

Sie stand wieder in ihrem Zimmer und schaute auf die gemalte Landschaft. Dann bemerkte sie das ihre Sachen noch immer nass waren und auf den Teppich tropfte. Schnell ging sie ins Bad und zog sich trockene Sachen an. Sina ging zurück in ihr Zimmer und schaute sich wieder das Bild an. Heute war ein besonders schöner Tag gewesen. Dieses Bild würde einen besonderen Platz in ihrer Sammlung bekommen.



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Kommentar von .:
(07.05.2010 um 19:02 Uhr)

Ich finde die Geschichte auch schön, allerdings merkt man, dass du Harry Potter gelesen hast. Das mit dem Seegras...

Kommentar von bruno:
(29.11.2007 um 21:47 Uhr)

Ich kann dem DJ nur zustimmen! Die Geschichte ist genau nach meinem Geschmack. Einen zweiten Teil würde ich auch gerne lesen.

Kommentar von djkuddel:
(28.11.2007 um 16:30 Uhr)

Klasse Geschichte. Wäre interessant zu wissen was geschehen wäre wenn Sie es nicht geschafft hätte oder ob Sie später es nochmal versucht um die Welt zu erkunden usw. Definitiv eine tolle Story, von der man noch gerne mehr erfahren würde. :)




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