16.07.2012

Du musstest ja morden

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Du mordest gerne.

Mir war das klar von dem Tag an, an dem wir beide uns kennen lernten. Andere Frauen stricken oder versuchen, ihre Lebenslügen im Kreuzstich
zu verewigen.

Gerne hätte ich dich gegen eine Kreuzstich-Lebenslügen-verarbeitende klassische Hausfrau, zufriedene Putzfrau und lachend-glücklich-rotbäckige-Kinder-
Gebärmaschine ein- getauscht. Aber das Glück ist immer mit den anderen. Wieso kannst du nicht einfach nur lecker versunkene Apfelkuchen backen? Aber nein. Du musstest ja morden.

Du mordest mit Verstand. Mit fiel das nicht sofort auf.

Dabei hätte ich wissen müssen, dass keine Frau dieser Welt jemals etwas tun würde, das einer gewissen Logik nicht entbehren würde. Aber natürlich: ich bin ein Mann und diese euch Weibern so eigene Logik ein Buch mit sieben  Sicherheitsschlössern für uns Männer. Dein Verstand sagt mir: du musstest ja morden.

Die anderen Frauen könnten nicht. Die bringen rotbäckige Kinder auf die Welt und zaubern ununterbrochene Harmonie in Teelichtern, Nusskipfeln und Babywindeln erstickende Wohn-, Schlaf- und Kochstuben. Dein Verstand initiiert bei diesem Wissen um hart arbeitende, stets gebärenden Hausfrauen den sogenannten Ichmussdasjetzttun-ichkannhaltnichtanders-Reflex.

Eine muss ja morden. Die anderen ziehen deine Opfer groß. Die Stadt wäre sonst leer. Natürlich wäre sie längst leer. Du musstest ja morden.

Dass du morden musstest und morden würdest, war mir klar. Spätestens dann, als du mir den fünften Pullover für mich gestrickt hattest, der nach Haaren roch.

Mir bleibt nichts als mein Schweigen zu retten.

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