14.09.2008

Des Mörders Tagebuch

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Prolog

„Du Schlampe!“, schrie er und schlug dem nacktem Mädchen ins Gesicht. „Bist du verrückt?“, schrie das Mädchen erschrocken und versuchte zappelnd, den Mann von sich zu stoßen. Er saß direkt auf ihr. Keine Chance. „Hör auf, dich zu wehren!“, zischte er wütend und nahm ein Messer hinter seinem Rücken hervor. Das Mädchen wurde schlagartig still. Sie konnte erahnen, was er vorhatte. „Bitte, lass mich gehen, bitte“, flüsterte sie flehend. „Pscht“, sagte er ruhig und strich ihr übers Haar. Ein letzter, gellender Schrei, und der Mörder hatte sein Werk vollbracht.

Die Sonne stand im Zenit. Auf dem Polizeirevier war nicht viel los. „Grace!“, rief Direktor Shields. Fröhlich pfeifend, kam die junge Polizistin, Grace Holloway auf ihn zu. „Steht’s zu diensten“, sagte sie im Scherz und salutierte. „Ich wäre froh, wenn du mir den Opdutionsbericht von Mary Hudgens geben könntest.“ Grace hielt in schon in der Hand.

„Eine Stichwunde. Sauber, mitten durchs Herz.“

„Der Mörder?“

„Noch nicht gefasst, Direktor.“

„Das ist nicht gut. Ich habe ihnen gesagt, sie und ihre Leute haben eine Woche Zeit, um ihn zu fassen. Somit gilt der Fall Hudgens als abgeschlossen.“

„D… das können sie nicht machen! Ich …“ Grace war fassungslos. Wie konnte man so einen Mörder nur ungeschoren davonkommen lassen? „Holloway, das war mein letztes Wort.“ Grace sah ihn frustriert an. „Find ich nicht gut, ganz einfach“, murmelte sie. „Sie können gehen“, sagte Direktor Shields und wendete sich wieder seinen Akten zu. „Auf Wiedersehen Direktor. Wünsche ihnen noch ein schönes, mordfreies Wochenende“, rief sie sarkastisch, ehe sie in die brütende Hitze hinaustritt.

Erschöpft legt Grace ihre Mappe auf den nebenstehenden Stuhl nieder. Eigentlich ging sie nie ins Hotel d’Amour, doch dieser Freitag war heißer den je, und es war das einzige Restaurant in der Gegend. Sofort viel ihr der Kellner auf, der auf sie zuschlenderte. Seine Augen waren Haselnussbraun und er war gross und schlank. Seine lockigen, schwarzen Haare hingen ihm zerzaust vor den Augen. Sein Mund war zu einem entzückenden Lächeln geformt. „Was darf ich der hübschen, jungen Dame bringen?“, fragte er in höflichem Ton. „Nun ja, der charmante Kellner darf mit gerne ein Glas Orangensaft mit Eiswürfel bringen“, antwortete Grace. Der Kellner nickte und verschwand. Grace sah ihm nach und schüttelte den Kopf. „Hör auf Grace, sonst schaust du den Männern auch nicht nach“, redete sie sich ein. Der Kellner war schnell wieder da. „Voila, hier ihre Bestellung.“ Er stellte das Glas auf den Tisch und schielte kurz zu Grace hinüber. Sie starrte ihn an. Er lächelte verschmitzt. „Sehe ich so schrecklich aus, oder was?“, fragte er scherzend. Grace wurde rot. „Nein, nein sie sind… na ja, sie müssen sicher viele Verehrerinnen haben“, nuschelte sie schüchtern. Nun musste der Kellner lachen. „Nein, überhaupt nicht.“ Sie sprachen einige Minuten miteinander. Grace war völlig fasziniert von ihm. Der Kellner teilte anscheinend das gleiche Interesse. Plötzlich bückte sich der Kellner zu ihr und raunte: “Ich hätte noch einen Schlüssel zu Zimmer 42. Momentan ist nicht viel los im Hotel, und wenn du Lust hast, kommst du in ein paar Minuten hoch?“ Grace weitete ihre Augen. Eigentlich hätte sie einem Mann sofort eine Ohrfeige verpasst, aber der Kellner hatte solche glühende, und erwartungsvolle Augen, dass ihr Verstand nachgab und sie zusagte. Der Kellner strich ihr über die Wange. „Bis später im d’Amour, mon Amour“, säuselte er und ging ins Hotel zurück. Grace hatte ein mulmiges, doch gleichzeitig kribelliges Gefühl im Bauch. Sie nahm ihre Dienstwaffe und legte sie in ihre Mappe. Dann öffnete sie ihren Pony und zog ihren Lippenstift nach. Danach machte sie sich auf den Weg zum Zimmer.

„Hey“, sagte der süße Junge in Boxershorts, der vorher noch in braven Kellnerkleidern umherlief. „Hi“, sagte Grace und knüpfte ihre Bluse auf. „Hast du das Kondom schon an?“, fragte Grace nervös. „Schon drunter“, bestätigte er. Sie liebten sich innig. „Oh!“, stöhnte Grace. Sie hatte noch nicht viel Sex mit Männern, doch der Kellner schien schon viel Erfahrung zu haben. Nach wenigen Minuten, hatte es der Kellner ziemlich eilig. Er hatte kein Lächeln mehr auf dem Gesicht. Es schien, als hätte sich sein schönes Gesicht in eine Steinskulptur verwandelt. Seine Gesichtszüge waren hart. Langsam wurde es Grace unangenehm. Sie versuchte sich zu bewegen, doch das Gewicht auf dem ihr draufliegenden Mann war zu schwer. Sie sah ihn fragend an. „Bin ich zu schlecht? Was mach ich falsch?“, dachte sie. Sein Gesicht blieb ausdruckslos. Sie liebten sich weiter, ohne regliche Zeichen der Lust. Plötzlich nahm er eine Hand von ihrer Brust und holte hinter dem Rücken etwas Glänzendes hervor. Grace reagierte schnell, als sie erkannte, dass es sich um ein Messer handelte. Sie griff in ihre nebenan liegende Mappe und nahm ihre Pistole hervor. Bevor der Kellner zustach, schoss sie ihm in die Schulter. Schreiend ließ er das Messer fallen und fiel von ihr. Er fasste sich am Arm und wälzte sich auf dem Boden. Schnell stand Grace auf, und wollte die Polizei alarmieren, doch ihre Intuition verbot es ihr. Stattdessen nahm sie ihre Kleider und zog sich rasch an, ihren Blick stur auf den Kellner gerichtet, der sich immer noch schmerzerfüllt wendete. Sie nahm ihre Mappe, warf einen letzten Blick auf den blutenden Mann und rannte nach draußen.

Heulend kam sie bei ihrer Wohnung an. Schluchzend ließ sie sich auf ihr Sofa fallen. Eine Stunde blieb sie regungslos darauf liegen. Sie lief ins Bad und duschte sich ausgiebig ab. Der Geruch des hübschen Mannes, der sie versuchte umzubringen, haftete immer noch an ihr. Sie schrubbte, bis sie rot war. Nachher hüllte sie sich in ihren Bademantel und starrte in ihren Spiegel. Ihre Augen waren gerötet. Ihre Lippen zitterten. Sie ging in ihr Schlafzimmer und setzte sich auf ihr Bett. „Was habe ich getan? Er wollte mich töten, weshalb habe ich die Polizei nicht alarmiert? Wieso fürchte ich mich nicht vor ihm? Und wieso, um Himmels Willen, habe ich das Bedürfnis ihn wieder zu sehen?“, fragte sie sich laut und starrte an die Decke. „Ich bin doch verrückt“, flüsterte sie und legte sich schlafen. Diese Nacht war sie öfter aufgewacht als sonst.

Am nächsten Morgen war Grace völlig ausgelaugt. Unter ihren Augen waren dunkle Augenringe und ihre Augen waren immer noch blutrot. Sie war leichenblass und sie war zu müde, um ihr sonst so fröhliches Lächeln hervorzuzaubern. Gestern Nacht hatte sie kaum geschlafen. Denn ständig schweiften ihre Gedanken zu dem jungen Kellner. Den hübschen, charmanten, mörderischen Kellner. „Wieso…“, fragte sich Grace immer wieder und starrte ins Leere. Plötzlich läutete ihre Haustüre. Sie stand auf und schlurfte zur Tür. Sie guckte durch den Spion und öffnete die Haustüre. Mit erschrockenen Augen sah Direktor Shields sie an. „Ach du meine Güte Grace, was ist den mit ihnen geschehen? Sie sehen ja schrecklich aus“, sagte der Direktor entrüstet. Er packte Grace an den Schultern und führte sie zurück zur Küche. „Ich weiss nicht genau“, sagte sie müde und stütze ihr Kinn auf ihrer Hand ab. Direktor sah sie immer noch besorgt an. „Sie machen für Heute besser mal frei. Ruhen sie sich aus, damit sie morgen wieder fit sind“, sagte er und setze sich neben sie. Grace sah ihn erschöpft an und nickte. „O.k. Direktor“, flüsterte sie. Mitleidig sah sie der Direktor an.

„Na ja, vielleicht auch übermorgen… bleiben sie einfach so lange Zuhause bis sie wieder auf den Beinen sind, und wenn Sie etwas brauchen, rufen sie mich an, verstanden?“

Grace nickte. „Danke Direktor“, hauchte sie kraftlos und schloss die Augen. „Ich möchte schlafen“, sagte sie und sah ihn bittend an. „Natürlich“, sagte er und ging zur Haustür. „Passen sie auf sich auf“, sagte er noch bevor er ging. Grace nickte. „Ich werde es versuchen“, dachte sie und schloss die Tür.

Am nächsten Tag ging es Grace bedeutend besser. Sie hatte am Vortag lange nachgedacht und hauptsächlich geschlafen. Sie hatte nun wieder klaren Verstand. Und hatte einen Schluss gefasst; sie würde den Kellner wieder aufsuchen. Sie musste. Auf jedenfall wollte es ihr Herz so. Wieso, wusste sie selbst nicht genau. Sie hatte keine Angst. Sie wollte einfach so schnell wie möglich auf, um ihn zu suchen. Denn Grace wollte wissen, wieso er versucht hatte, sie zu töten. Es musste einen Grund geben. Sie nahm ihre Handtasche und schloss die Haustür ab. Anschließend nahm sie ein Taxi und fuhr damit zu Hotel d’Amour. Dort angekommen, ging sie zur Rezeption. „Entschuldigen sie, aber ich suche einen Kellner der hier arbeitet. Er ist gross, schlank, mit schwarzen Locken – er hatte gestern Dienst“ Die Empfangsdame sah sie verwundert an. „Wir hatten gestern keinen Kellner hier abreiten. Nur Kellnerinnen. Tut mir Leid.“ Grace sah sie verwirrt an. „Sind sie sicher?“, fragte sie, um auf Nummer sicher zu gehen. „Ganz sicher“, sagte die Dame lächelnd. Grace bedankte sich und machte sich auf den Weg zu Zimmer 42. Vielleicht würde sie dort einige Hinweise auf den Mann finden. Als sie ins Zimmer trat, wurde ihr schwindelig. Alte Erinnerungen kamen wieder hoch. Sie kniete auf den Boden und entdeckte feine Blutspritzer, die anscheinend jemand versucht hatte, zu verwischen. Sie hörte im Bad jemanden stöhnen. Es klang klagend. Sie näherte sich der Tür und spähte durch den geöffneten Spalt. Erschrocken wich sie zurück. Es war der junge Kellner, der eigentlich gar kein Kellner war. Sie stieß die Tür auf und richtete ihre Waffe auf ihn. Der Mann schnellte mit dem Kopf nach vorn. „Was machst du denn hier?“, fragte er scharf und verengte die Augen zu Schlitzen, als er die Waffe sah. „Ich… ich weiss es nicht“, gab Grace zu und ließ die Pistole sinken. „Ich will dich nicht töten. Ich… wollte nur wissen, wieso du mich töten wolltest. Es muss ja einen Grund geben“, sagte sie und ihr Blick wanderte durch das Zimmer. Sie schrie kurz auf und ließ die Waffe fallen. In der Badewanne lag eine tote Frau. Sie war nackt und aus ihrer Brust ragte ein blutverschmiertes Messer. Blitzartig griff sie wieder nach ihrer Waffe und versuchte wieder klar zu denken. „Ich war nicht das erste Opfer“, ging es ihr durch den Kopf. Sie sah den jungen Mann entsetzt an. „Sie Bastard! Wie abartig sind sie eigentlich? Wie viele Frauen haben sie schon auf dem Gewissen?“, schrie sie, „Gehört Mary Hudgens etwa auch auf ihre Liste?“ Grace brach in Tränen aus. Sie sank auf die Knie. „Du bist ein Serienmörder. So jung…“ Der Kellner sah sie verblüfft an. „Wieso tötest du mich nicht?“, fragte er. Grace schüttelte bloß den Kopf. „Ich kann nicht“, stieß sie hervor und stützte sich am Waschbecken ab. Der Mann grinste. „Wie angenehm“, gluckste er und wusch sich seine rote Hand ab. „Dann kann ich dich ja auch gleich umbringen“, schlug er vor und zog das Messer aus der Frauenbrust. Er ging auf Grace zu und kniete neben sie. „Keinen Schritt weiter oder ich puste dir dein Gehirn aus deinem Kopf“, sagte sie etwas träge und hob die Waffe. Graces Blick fiel auf den Oberarm des Kellners. „Du bist nicht der Einzige, der gut zielen kann“, sagte sie lächelnd. „Ich habe dir einen Muskel durchschossen. Saubere Arbeit. Nun musst du wohl mit der linken Hand zustechen“, sagte sie sarkastisch. Sie erhaschte ein Grinsen. „Das war ein Witz du Blödmann. Du wirst natürlich nicht mehr zustechen“, fauchte sie und erhob sich. Der Mann ebenfalls. „Wie willst du das verhindern? Du kannst mich nicht töten“, sagte er und verschränkte die Arme. Grace dachte nach. „Ich kann dich zwar nicht töten, aber ich kann dich festnehmen“, antwortete sie und zog eine Handschelle hervor. Der Kellner wurde blass.

„Scheiße, du bist ein Bulle.“

Es war keine Frage, es war eine Feststellung.

„Wieso meinst du wohl, ich hab so gut gezielt? Meinst du etwa ich hatte einfach Glück?“, spottete sie und sah ihn wütend an. „Ich hätte dich schon von Anfang an töten können, aber ich habe es nicht getan.“ Der Mann nickte. „Gib mir das Messer“, forderte sie und streckte ihre Hand aus. Er zögerte. Dann gab er ihr das Messer und sah sie kalt an. „Und jetzt?“, fragte er böse und setzte sich auf den Beckenrand. Grace entlud ihre Waffe und legte sie einen Meter von sich empfernt auf den Boden. Sie nahm auch das Messer und warf es hinaus in den Gang. Dann schloss sie die Türe hinter sich und saß auf den kühlen Linoleumboden. Sie starrte den Mann ein paar Minuten schweigend an. „Wie heisst du?“, fragte sie schließlich, ohne eine Antwort zu erwarten. Doch zu ihrer Überraschung bekam sie eine.

„Ich heiße Jesse.“

Grace grinste.

„Verarschen kann ich mich auch selber.“

Der Mann schwieg.

„Scheiße, lass mich raus, oder ich bring dich um“, drohte er und rutschte ungeduldig auf dem Beckenrand herum. Grace grinste erneut.

„Bitte, hör auf mir zu drohen, das nervt.“

„Ich bin Brian, o.k.?“

„Schön, ich bin Grace. Wieso tust du das?“

„Soll das ein Verhör werden oder was? Ich wird noch paranoid!“

„Möchtest du lieber vor dem Richter erklären, weshalb du unzählige Mädchen tötest?“

Wieder schweigen.

„Das geht dich einen Dreck an.“

„Geht es nicht! Du hast mich versucht umzubringen! Und ich habe ein Recht zu erfahren weshalb! Oder machst du es einfach aus Spaß? Vielleicht liegt es ja auch daran, dass du einfach nur ein Psychophat bist!“, schrie Grace, wütend über Brians unnütze Antworten.

„Genau. Du hast es auf den Punkt gebracht. Ich bin einfach nur ein Psychophat. Ich bringe die Mädchen um, weil ich Freude daran habe, zu sehen, wie leicht man sie ins Bett bringt. Solche Nutten haben nichts anderes verdient“, sagte er herablassend. Grace klappte den Mund auf.

„Das… das stimmt doch nicht. Sonst gehe ich auch nicht mit jedem ins Bett. Es war nur…“ Wusste er etwa nicht, was er für eine Wirkung auf andere hatte? War er wirklich zu blind um zu sehen, dass er hätte ein Covermodel sein können? War er wirklich zu blind um zu bemerken, wie sehr in die Frauen anhimmelten?

„Ich bitte dich Grace, Frauen sind so leicht einzuschüchtern, doch mit einem gleich auf ein Zimmer zu gehen, ist wirklich naiv.“

„Du bist eben anders, als die anderen Männer“, flüsterte sie.

„Was? Wieso sollte ich anders sein?“, fragte er verblüfft.

„Willst du mich auf den Arm nehmen? Du bist der attraktivste Mann den ich je gesehen habe!“

„Ach wirklich? Danke!“

„Das ist nicht witzig! Ich mache so was sonst auch nicht! Ich meine, ich bin Polizistin.“

„Du willst mir doch nicht weiss machen, dass du nur mit mir geschlafen hast, weil ich so hübsch bin!“

„Doch“, sagte Grace trotzig.

Nun lachte Brian. Grace starrte ihn an. Sein Lachen war so faszinierend, dass sie ihre Augen nicht mehr von seinem Gesicht abwenden konnte. Er sah sie nachdenklich an. „Das war das längste Gespräch das ich sein Langem gehabt habe“, sagte er.

„Verratest du mich jetzt?“, fragte er. „Ich weiss nicht“, sagte sie kurz und erhob sich. Sie öffnete die Tür und lief in den Gang hinaus. Hinter ihr hörte sie Brian etwas Klirrendes vom Boden aufheben. Sie schnellte herum und sah, wie Brian mit seinem Messer auf sie zielte. „Meine Pistole!“, dachte Grace. Sie hatte sie noch im Bad liegen. Ungeladen. Doch sie verstand sich gut darin, sich selbst zu verteidigen. „Hör auf“, sagte sie genervt und ging einen Schritt auf ihn zu. „Muss ich dir wirklich erst dein Nasenbein brechen, bevor du aufhörst zu versuchen mich umzubringen?“, seufzte sie und ging noch einen Schritt vorwärts. Brians Messer flog durch die Luft. Grace bewegte sich blitzartig, wich dem Messer aus und sprang auf Brian zu. Sie versetzte ihm einen kräftigen Hieb in seine Weichteile, sodass er sich krümmte. „Verdammte Scheiße!“, fluchte er und sank auf die Knie. „Selber schuld“, sagte Grace gleichgültig und knallte die Zimmertür hinter sich zu. Sie stieg die Treppe hinunter und fuhr mit dem Taxi zurück nach Hause.

„Ich habe sie tatsächlich vergessen!“, dachte Grace am Montagmorgen, als sie sich auf dem Weg zur Arbeit machte. „Mist! Verdammter Mist!“, murmelte sie und kramte ihr Handy aus ihrer Mappe. Sie tippte die Nummer von Direktor Shields ein und wartete darauf, dass er abnahm. „Shields?“, ertönte es am Telefon. „Hi Direktor. Tut mir Leid, ich werde mich verspäten, ich hab was für die Arbeit vergessen, jetzt muss ich noch mal nach Hause.“

„Beeilen sie sich, wir haben nämlich eine heiße Spur und ich möchte sie da Miteinbeziehen“, sagte Shields und beendete somit das Gespräch. Grace hatte ihre Waffe noch im Hotel. Nun musste sie nochmals dorthin. Doch ihr war es recht. Sie vermisste Brian. Irgendwie war es absurd, einen Psychophaten zu vermissen, fand sie. Sie klopfte an die Zimmertüre 42. „Zimmerservice“, log sie und wartete auf Brians Stimme. „Heute nicht“, antwortete er schnell. Grace trat ein. Erschrocken sah er auf. „Ich habe doch gesagt…“ Er verstummte. „Ach so, du bist’s.“ Grace setzte sich neben ihn aufs Bett. „Geht’s gut?“, fragte sie und sah ihm in die Augen. „Was interessiert dich das?“, fragte er unfreundlich.

„Keine Ahnung. Ich frag ja nur. Liegt wieder irgendeine Leiche in deinem Bad, oder kann ich beruhigt mal kurz für kleine Polizistinnen?“, fragte sie und zog eine Augenbraue hoch. Brian grinste. „Sinn für Humor hast du ja anscheinend“, stellte er fest. Sein Gesichtsausdruck wurde wieder ernst. „Nein, keine Leiche.“ Grace seufze erleichtert. Sie ging kurz auf die Toilette und kam danach gleich wieder zurück. Brian zog sich gerade um. „Wow, du siehst echt heiß aus“, murmelte Grace. Gerade so laut, dass es Brian noch mitbekam. Er drehte sich um und sah Grace amüsiert an. „Du hast es ernst gemeint, gestern. Du findest mich echt attraktiv. Interessant.“ Grace errötete. „Zieh dich jetzt endlich um“, sagte sie und wandte sich wieder von ihm ab. Er ging auf sie zu und fasste sie von hinten um die Taille. „Na, Lust auf ne Runde?“, fragte er charmant. „Hör auf“, sagte Grace verärgert und stieß ihn von sich. „Hehe, nicht so unsanft“, sagte er grinsend und ging wieder zu ihr. „Ich weiss, dass ich für dich unwiderstehlich bin“, sagte er lächelnd und griff unter Grace T-Shirt. „Wie um Himmelswillen machst du das?“, fragte sie außer Atem und küsste ihn. Sie warfen sich aufs Bett. Nun lag Grace auf ihm. Plötzlich sah sie etwas Glänzendes in Brians linker Hand. Es war ein Messer. „Nicht jetzt!“, stöhnte sie und sprang auf. Brian stand ebenfalls schnell auf. Er holte aus und wollte zustechen, doch Grace wich ihm aus und stieß ihm mit ihrem Fuß in den Bauch. Er fiel aufs Bett und das Messer glitt ihm aus seiner Hand. Klirrend fiel es auf den Boden. Grace hob das Messer auf und ging damit auf Brian zu. „Wievielmal habe ich dir schon gesagt, dass man mit Messer nicht spielt?“, sagte sie theatralisch und setzte sich wieder auf ihn drauf. Sie gab ihm einen Kuss und zog sich ihre Kleider wieder an. „ Wenn du mich schon versuchst umzubringen, dann mach es wenigstens so, dass ich dich vorher nicht durchschaut habe“, sagte sie. Brian fuhr sich mit der Hand durch seine lockigen Haare. „Gute Idee“, stimmte er grinsend zu und küsste Grace am Hals. „Hör auf, sonst komm ich nie zur Arbeit.“ Brian summte eine Melodie und suchte seine Boxershorts. „Sie sind auf der Nachttischlampe“, informierte sie ihn lächelnd, nahm ihre Waffe und steckte sie in ihre Mappe. „Au revoir“, sagte sie und machte sich auf den Weg zur Arbeit.

„Da sind sie ja endlich! Man könnte meinen, ihr Haus liegt am anderen Ende der Welt“, schimpfte Direktor Shields und kam auf Grace zu. „Tut mir Leid, mir ist was dazwischen gekommen“, murmelte sie und setzte sich an ihren Arbeitsplatz. „Wir haben eine neue Spur, die auch mit dem Fall Hudgens zusammenhängen könnte. Ich dachte dass könnte ihnen gefallen, wo sie doch unbedingt den Mörder fassen möchten“, sagte der Direktor. Grace verschluckte sich und hustete. „Ach… natürlich“ „Wir haben eine neue Leiche in einer Mülltonne gefunden. Hier in der Nähe. Neben dem Hotel d’Amour haben heute Morgen zwei Jungen beim Fußballspielen eine tote Frau entdeckt. Daraufhin wurden wir informiert. Das gleiche Profil wie bei Hudgens. Nackt, eine Stichwunde. Es wird vermutet, dass sie vor ihrem Tod vergewaltigt wurde“, sagte Shields, in Gedanken wo anders. Grace wusste, dass es nicht so war. „Nein, sie wurde ganz sicher nicht vergewaltigt… ich meine, ich denke es zumindest“, sagte sie schnell. Der Direktor musterte sie. „Denken ist gut, Holloway, denken ist gut…“ Grace schauderte. Das war alles Brians Werk. Und doch war es ihr so schwer sich das vorzustellen. Sie schüttelte den Kopf. Sie wollte es sich gar nicht vorstellen! „Wir nehmen an, dass es sich um einen Serienmörder handelt. In einigen anderen Städten wurden auch schon Leichen entdeckt. Die Polizei ist drauf und dran, den Mörder zu fassen. Er hat schon genug Menschen auf dem Gewissen“, sagte Shields weiter. „Möglich ein Psychophat?“, schlug Grace vor. „Ja, haben wir uns auch schon überlegt. Zwischen den Opfern gibt es keine Verbindungen. Außer dass die Opfer immer Frauen sind. Wer weiss schon was in einem Kopf eines solchen Mörders vorgeht?“, dachte Shields und schüttelte angeekelt den Kopf. „Er ist schon international berüchtigt. Na ja, ist auch nicht weiter verwunderlich, für jemanden der schon über zwanzig Frauen auf dem Gewissen hat…“, sagte er bedauert. Grace wurde es schlecht. Ihre Handflächen waren schweißnass. Sie war kurz davor in Tränen auszubrechen. Damit hatte sie nicht gerechnet. Über 20 Opfer… Dass Brian schon sovielmal zugeschlagen hatte, hätte Grace nie gedacht. „O mein Gott“, stöhnte sie und rannte zur Toilette. Sie übergab sich und blieb kniend vor dem Klo sitzen. Die Tränen strömten ihr übers Gesicht und sie dachte an Brians unbeschwertes Lachen. „Wie kann er nur? Wie kann er nur so leben?“, fragte sie sich immer wieder. Doch aus irgendeinem Grund, konnte sie Brian für seine Taten nicht hassen. Sie mochte Brian. Sie mochte ihn, obwohl er ein Psychophat war, und sie hasste sich dafür. Jemand rief nach ihr. „Holloway? Schwache Nerven, oder was?“ Es war Joy, eine Arbeitskollegin. „Komme gleich“, versicherte sie und wischte sich mit der Hand über den Mund. Sie kam aus dem Klo und wusch sich die Hände. Zurück bei ihrem Arbeitsplatz, hatte sich schon eine kleine Gruppe von Leuten dort versammelt. Direktor Shields redete weiter. „…muss etwas geschehen. Schnell. Bevor der Mörder noch mehr Opfer fordert. Wenn wir ihn erwischen, gilt nur eins. Ihn zu erschießen. Kapiert?“ Shields drehte sich zu mir. „Das gilt auch für sie, Grace“ Sie nickte. „Natürlich würde ich ihn nie erschießen. Nur über meine Leiche“, dachte sie und hörte weiterhin zu, was Direktor Shields zu sagen hatte.

Gegen Abend ging Grace wieder zum Hotel. Sie ging ins Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Brian war nicht da. Währenddessen setzte sich auf das Bett und schloss ihre Augen. Sie atmete tief ein und aus. Ein und aus ein und aus… Jemand öffnete die Tür und kam herein. Es war Brian. Er hatte eine junge Frau bei sich. Sie küssten sich wild. Einerseits wäre Grace jetzt liebend gern im Erdboden versunken vor Schamt, andererseits konnte sie die Frau nicht ihrem Schicksal überlassen. Also entfachte sie die Schauspielerin in sich.

„Brian?“, schrie sie aufgebraust.

Er löste sich vom wilden Geknutschte und sah auf. Wütend starrte er Grace an.

„Wie… wie kannst du nur?!“, schrie sie weiter und ging auf die Beiden zu. Das Mädchen schien verwirrt. „Wer ist das?“, fragte es. Bevor Brian antworten konnte, redete Grace weiter. „Du hast ihr nichts von mir erzählt? Du Schwein! Und wer ist dieses Flittchen?“ Grace wurde richtig hysterisch. Das Mädchen sah verdutzt aus. Doch Brian sah nur noch wütender aus, anscheinend verstand er, was Grace vorhatte. „Geh!“, zischte er. „Ich gehe wenn ich will. Als deine Freundin habe ich das Recht zu erfahren was hier vor sich geht!“, schrie Grace. Sie war stolz auf sich. War sie nicht eine äußerst talentierte Schauspielerin? Das Mädchen biss an. „Das ist deine Freundin? Scheiße, wieso ist die hier?“ Das Mädchen war verärgert. „Ich möchte keine Furie am Hals haben, weißt du!“, nörgelte es und sah Brian wütend an. „Verschwinde! Verschwinde und fass meinen Freund nicht an!“, fuhr Grace das Mädchen böse an und sah es so vernichtend an, dass es zurückzuckte. „Schon klar“, sagte das Mädchen beschwichtigend und huschte in den Gang hinaus. Grace sah es die Treppe hinunterbrausen und lächelte triumphierend. „Ich habe sie gerade vor dem Tod bewart“, sagte Grace stolz und sah Brian eindringlich an. „Über zwanzig Frauen“, flüsterte sie und ging auf ihn zu. Er zuckte die Schultern. Sie blieb vor ihm stehen und strich mit ihrem Finger langsam über seine Wange. „Wie alt bist du?“, fragte sie leise. „Neunzehn“, antwortete Brian und sah Grace weiterhin in die Augen. Grace öffnete ihren Mund, doch sie brachte keinen Ton heraus. Sie selbst war dreiundzwanzig. „Ich würde so gerne wissen, was du denkst“, sagte sie und nahm ihn bei den Händen. Brian zog sie zurück. „Meine Gedanken gehören mir, und du wirst nie, nie erfahren was ich denke, weil ich dich vorher umbringen würde, als es dir zu erzählen!“, fauchte er und schubste sie unsanft zur Seite. Grace sah stur geradeaus. „Schon klar“, sagte sie verbissen und drehte sich zu ihm um. Er setzte sich aufs Bett. Sie setzte sich neben ihn. Er stöhnte. „Was willst du eigentlich von mir? Ich versuche dich umzubringen, doch du kommst ständig zurück. Willst du das Leben herausfordern? Oder bist du einfach nur ein Stalker? Dann frage ich dich: Wer ist denn hier der Psychophat, hä?“ Grace starrte auf den Boden. „Ich mag dich einfach. Klingt echt blöd. Aber ich mag deine Art. Na ja, dann sind wir ja schon 2 Psychopaten. Passt ja toll zusammen“, sagte Grace und seufzte. Sie schaute zu Brian und sah, dass er lächelte. „Findest du das etwa komisch??“, fragte Grace verärgert und kniff ihm freundschaftlich in die Seite. Brian zuckte zusammen. „Hör auf“, kicherte er und rollte sich zur Seite. „Du bist ja kitzelig!“, stellte Grace erfreut fest. Brians Gesicht wurde wieder ernst. „Bin ich nicht.“ „Darf ich nachsehen?“, fragte sie schalkhaft und kniff nochmals zu. Er versuchte sich ein Lächeln zu verkneifen. Grace holte ihr Handy hervor und schaltete die Kamera ein. „Soll ich dir beweisen, dass du kitzelig bist?“, fragte Grace und sah ihn herausfordernd an. „Bist du kitzelig?“, fragte er misstrauisch. „Find’s heraus!“, schrie Grace und rutschte zu Bryan ins Bett, der sich Richtung Kopfkissen aufgemacht hatte. Sie kitzelte ihn nun an den Hüften und am Hals und Brian lachte sein wunderbares Lachen und Grace lachte auch und knipste dabei Fotos mit der Handykamera. Brian versuchte alle Möglichen Stellen zu finden, an denen Grace kitzelig war, und Grace war ausserordentlich kitzelig. „Bitte, Stopp!“, kicherte Brian. „I… ich k…kann nicht mehr!“, kicherte Grace und gab auf. Sie setzten sich wieder auf die Bettkante. „War doch ziemlich lustig“, sagte Grace und starrte wieder auf den Boden. „Hm. Geht so“, sagte Brian gelangweilt. Grace sah wütend aus. Er hatte doch Spaß! Man hatte es ihm angesehen! „Ist es etwa lustiger, andere Menschen umzubringen?“, fragte sie giftig und suchte nach ihrer Handtasche. Brian funkelte sie wütend an. Doch er sagte nichts. Sie fand ihre Tasche schließlich unter dem Lampenständer. „Es hat Spaß gemacht“, sagte er schließlich. Grace strahlte. „Lass uns mal was zusammen unternehmen!“, schlug sie vor. Brian schüttelte den Kopf. „Lieber nicht.“ Grace versuchte sich nicht anzumerken, wie enttäuscht sie war. „Wie du meinst“, sagte sie resigniert und hängte sich ihre Tasche über die Schulter. Sie sah in den Spiegel und machte sich ihre Haare zurecht. „Pass bitte auf, die Polizei könnte dir bald auf die Schliche kommen. Sie versuchen alles um dich zu erwischen. Neben dem Hotel haben heute zwei Jungs eine Frauenleiche in der Mülltonne entdeckt“, sagte Grace so beiläufig wie möglich. „Wieso erzähle ich ihm das? Wieso schütze ich einen Mörder?“, dachte sie sich nachher. Brian wurde wachsam. „Hast du etwa geredet?“, fragte er schneidend und stand auf. Sie drehte sich um und sah, dass er ein Messer in der Hand hatte. Sie blieb gelassen. Stattdessen sah sie ihn verärgert an. Sie ging auch zu ihm hin, was ihn dazu verleitete, stehen zu bleiben. „Wenn ich dich verraten hätte“, fing sie an, „würdest du schon lange auf dem Elektrischen Stuhl sitzen.“ Brian verzog das Gesicht. Er hatte das Messer fest umklammert, in der rechten Hand. Grace grinste und schlug mit der Faust auf den Unterharm. Das Messer fiel zu Boden. „Verdammter Mist“, fluchte Brian und bückte sich um das Messer aufzuheben. In dieser Zeit holte Grace ihre Pistole hervor und als Brian wieder gerade vor ihr stand, hielt sie ihm die Waffe vor den Kopf. „Na, na, was hast du dir nur dabei gedacht? In der rechten Hand?“, fragte sie grinsend. „Versuch es nicht mal“, lachte sie und ließ ihre Waffe wieder sinken. Grace nahm Brian das Messer aus der Hand und stach es in das Kopfkissen. Dann drehte sie sich um und bevor sie ging, bittete Grace ihn, auf sich aufzupassen. „Wieso machst du dir Sorgen um einen Mörder?“, fragte Brian dann. Grace knirschte mit den Zähnen; „Frage mich bitte nicht so komplizierte Sachen.“

Am Wochenende gingen Grace und Brian trotz allem an den See. „Ich habe Hunger“, sagte Grace und rieb sich den Bauch. „Lass uns ein Eis essen!“, schlug Brian vor, und nahm Grace bei der Hand. Seine Hand war zart und warm. Sie bestellten sich Schokoladeneiscreme und gingen gemeinsam den Strand entlang. Es war ein schöner, sonniger Tag. „Schokolade habe ich am liebsten“, sagte Grace und aß gierig ihr Eis. Brian grinste. „Ich auch“, sagte er. „Wohnst du alleine?“, fragte er dann. „Nein. Ich habe noch eine Katze“, antwortete sie. „Eine Katze? Schön. Ich wünschte mir als Kind auch immer ein Haustier. Am liebsten hätte ich einen Hund gehabt“, sagte er. Grace hörte ihm interessiert zu. Es war das erste mal, dass Brian etwas über sich und seine Vergangenheit erzählte. „Wieso einen Hund?“, fragte sie. Brian sah sie lange an. „Weil ich mir schon immer einen besten Freund gewünscht habe“, sagte er schließlich. „Oh“, sagte Grace. „Ich hatte einmal eine beste Freundin. Aber als sie in die Ferien ging, ist sie bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen- von da an, war es mein Traum, Polizistin zu werden“, erzählte Grace. Eine Erfahrung, die sie sonst keinem Anvertraut hatte. „Aha“, sagte Brian, anscheinend auch interessiert. „Das tut mir Leid“, sagte er. „ Tut es wirklich?“, fragte Grace etwas höhnisch. Brian sah sie wütend an. „Ja, wirklich. Aber das Schicksal ist hart. Es kommen immer Menschen um“, sagte er dann ein wenig gefühllos. Nun wurde Grace richtig sarkastisch. „Und was ist mit dir? Was tust du eigentlich? Abgesehen davon, das du Menschen tötest?“ Brian kickte einen Kieselstein vor sich her. „Eigentlich habe ich eine Ausbildung als Veterinär“, antwortete er. Grace blieb stehen. Mit dem Beruf hätte sie nicht gerechnet. „Wow, du bist Tierarzt?“ Jetzt war sie wirklich schwer beeindruckt. Brian lächelte. „Findest du gut, was?“ „Natürlich!“, sagte Grace und nickte. Sie kamen zu einem Cafe. Lass uns was trinken“, schlug er vor. Sie setzten sich an einen Tisch mit perfektem Blick auf den See. Grace trank einen Ice -Tea, Brian nahm eine Cola. „Wieso wolltest du Veterinär werden?“, fragte Grace. Brian schwieg. „Schon o.k. Du musst es mir nicht verraten“, sagte Grace und trank einen Schluck. Brian sah sie nachdenklich an. „Ich weiss es selbst nicht genau. Womöglich wegen meinem Vater“, sagte er. „Aha“, sagte sie und sah hinaus auf den See. Brian war noch nicht fertig. „Ich wollte ihn stolz machen, weil er selbst auch Veterinär war“, sagte er missbilligend. „Oh, wie lieb von dir“, sagte Grace überrascht. Brian lachte verächtlich. „Es war ihm scheißegal. Das Einzige was für ihn zählte, waren seine Kunden, der grössten Teils aus jungen Mädchen bestand, wenn du weißt, was ich meine.“ Grace nahm noch einen Schluck und verschluckte sich dabei. Sie hustete. Brian grinste. „Meine Mom war da schon tot. Bevor sie starb, hatte er schon eine Schar von jungen Mädchen, die ihn anhimmelten. Er sah nicht schlecht aus, ziemlich jung für sein Alter, und er hatte Charme.“ „Kann ich mir denken“, sagte Grace lachend. Brian erzählte weiter. „Das Schlimmste war, dass ich wusste, was hier für ein Spiel ablief, mein Vater schlief mit den jungen Mädchen, währenddem meine Mom Zuhause saß und von allem keine Ahnung hat. Mein Vater hat mir sogar schon angeboten, es mit den Mädchen doch auch mal zu versuchen, doch ich schüttelte nur verächtlich den Kopf. Ich saß so was von in der Klemme. Einerseits kam ich mir total verlogen vor, meiner Mutter gegenüber, weil ich ihr nicht sagte, was hier ablief, doch wenn ich es ihr gesagt hätte, wäre ihr Herz gebrochen gewesen, denn mein Vater war ihre grosse Liebe. So behielt ich meinen Mund und bis zu ihrem Tod hatte mein Vater Verhältnisse zu jungen Mädchen und ich musste dabei zusehen, wie er sich vergnügte, währenddem meine Mutter dem Tod ins Auge blickte.“ Grace schluckte. „Ach, so ist das“, sagte sie, jetzt durch einige Erkenntnisse reicher. Brian starrte auf sein noch halb volles Colaglas. „Du bist die Erste, der ich das erzähle, und ich muss feststellen, dass es echt gut tut, es jemandem erzählen zu können, obwohl ich dich eigentlich hätte umbringen wollen“, stellte er fest. Grace nickte, in Gedanken verloren. „Schön, dass ich einen Teil deiner Gefühle nun verstehe“, sagte sie. „Wollen wir wieder zurück?“, fragte Grace und erhob sich. Brian nickte und lächelte strahlend. Im Hotelzimmer saß Grace auf dem Bett und hielt Brian ein kleines Couvert hin. „Öffnen“, befahl sie. Neugierig öffnete Brian den Umschlag und zog ein Foto heraus. Es waren sie zwei, als sie auf dem Bett lagen und einander auskitzelten. Es war ein hübsches Bild. Sie lachten Beide. Unbeschwert, glücklich. Brian grinste. „Danke“, sagte er. Grace lächelte. Dann räusperte sie sich. „Eine Frage…“, sie sah Brian kurz an und senkte dann wieder ihren Blick, „ hat dein Vater vielleicht… etwas mit deinem… na ja… jetzigen Taten zu tun?“, fragte sie vorsichtig. Brian runzelte die Stirn. „Was? Das ich Frauen töte?“ Grace nickte langsam. Er antwortete nicht. Er zog sein Hemd aus, sein rechter Arm war verbunden. Er setzte sich auf einen Stuhl und sah Grace an. „Kann schon sein“, sagte er. „Sozusagen als Rache. Ich weiss auch nicht genau. Es ist wahrscheinlich eine Art innere Befriedigung. Ich habe das Gefühl, das bin ich meiner Mom schuldig“, erklärte er. Grace sah ihn fassungslos an. Er sah sie böse an. „Habe ich dir etwa Angst gemacht?“, fragte er mit näselndem Unterton.

„Nein, eher Fassungslos.“

„Ich bin gut darin, andere Fassungslos zu machen.“

„Du bist auch gut darin, andere zu töten!“

„Ich mache es für meine Mutter!“

„Denkst du, sie wäre froh zu hören, dass ihr Sohn ein Mörder ist?“

„Pah! Es ist ihr wahrscheinlich tausendmal lieber einen Sohn als Mörder zu haben, als einen untreuen Ehemann!“

„Das glaube ich nicht.“

„Du kennst sie ja nicht! Ich war kein Wunschkind und es hat sich nie jemand für mich interessiert, kapiert?“

Grace hielt inne. Das war hart.

„Jetzt schon.“

„Was, jetzt schon?“

„Jetzt interessiert sich jemand für dich.“

„Ach ja, und wer, wenn ich fragen darf?“

„Bist du blind oder was? Ich natürlich.“

Brian sah Grace lange an, ohne etwas zu sagen.

„Danke“, sagte er schließlich.

„Ich habe es mir nicht ausgesucht“, sagte Grace ernst. Wieso interessierte sie ein Mörder?

„Du hattest eine Wahl!“

„Nein, hatte ich nicht.“

„Doch, du hättest dich nicht mit mir einlassen müssen, doch du bist immer wieder gekommen!“

„Ich bin gekommen, weil ich keine andere Wahl hatte!“

„Man hat immer eine andere Wahl, Grace.“

„Aber manchmal kann man die andre Wahl nicht annehmen! Brian, wenn ich eine andre Wahl gehabt hätte, wäre ich nie mehr hierher gekommen.“

„Das heisst, du kommst nur zu mir, weil du musst, oder was?“

„Nein, so hab ich das…“

„Grace, hör auf! Wahrscheinlich bist du nur hier, um dich zu amüsieren. Du findest es bestimmt total lustig, dich mit einem Psychopaten zu unterhalten. Einem Abnormalen!“

„Das Stimmt nicht!“ Grace wurde langsam richtig wütend. Was glaubte er eigentlich? Sie mochte ihn doch! Jeder andere Mensch, der wusste wer Brian wirklich ist, hätte sich von ihm fern gehalten, aber sie war anders!

„Ich komme besser wieder, wenn du dich beruhigt hast“, sagte sie beschwichtigend.

„Von mir aus musst du gar nicht mehr kommen!“, fauchte Brian und warf den Umschlag, samt Foto in den Mülleimer. Grace sah ihn gekränkt an. „Das ist nicht fair! Du bist so ein Arsch“ Als Grace in ihrem Appartement ankommt, musste sie ihre Bluse wechseln, ihre jetzige, war tränennass. Sie ging früh schlafen, um die Erinnerungen des Tages so schnell wie möglich zu vergessen.

Petshop“, stand auf dem großen Schild vor dem Laden, vor dem Grace stand. Am frühen Morgen hatte ihr Brian angerufen um ihr zu sagen, dass es ihm Leid tat, dass er sich so fies benommen hatte. Daraufhin hatte Grace ihm verziehen und beschlossen, ihm ein Geschenk zu machen. Sie trat in den Laden ein. „Guten Tag die Dame“, begrüßte sie der Verkäufer freundlich. „Hallo“, entgegnete Grace. „Wie kann ich ihnen behilflich sein?“ „Ich interessiere mich für einen Hund. Einen Welpen, wenn möglich“ Der Verkäufer nickte. Es gab eine grosse Auswahl an Hunden. Sie entschied sich für einen Haselnussbrauen Labrador-Retriver, er würde gut zu Brians Augenfarbe passen. Sie setzte den Hund in einen Käfig und band eine rote Schleife darum. Nachher eilte sie schnell zum Hotel um ihm sein Geschenk zu überreichen. Als sie ins Zimmer kam, schlief er noch. Langsam kam sie auf ihn zu und stellte den Käfig auf dem Tisch ab. Der Hund bellte, dadurch wachte Brian auf. Ruckartig setzte er sich auf. „Erschrecke mich nicht so!“, sagte er wütend und stand auf. Grace ignorierte sein Gemotze und lächelte. „Ich hab ein Geschenk für dich“, sagte sie aufgeregt und versteckte den Käfig hinter ihrem Rücken. Brian sah neugierig aus. „Was ist es?“ Grace hielt ihm den Käfig hin. Er sah überrascht in den Käfig. „Ein Hund!“, jauchzte er und küsste Grace. „Danke“, sagte er und seine Augen glühten. „Er ist so schön“, flüsterte er und nahm den Welpen auf seinen Schoss. Vorsichtig streichelte er den kleinen Hund, roch an ihm und lächelte, als wäre er gerade Vater geworden.

„Er gefällt dir?“

„Ja, sehr, Grace“

„Schön. Es ist eine Sie. Ich habe ihr schon ein Halsband gekauft. Mit Namensschild“

„Sie hat schon einen Namen?“

„Ja. Ich habe ihn selbst ausgewählt.“

„Und, wie heisst sie?“

Grace grinste.

„Ich habe sie Briannah getauft.“

Brian lachte.

„Was für ein hübscher Name!“

Er küsste Briannah auf den Kopf und ließ sie auf den Boden. „Danke Grace. Das ist das schönste Geschenk, dass ich je bekommen habe“, sagte Brian, sichtlich begeistert, über seinen neuen Welpen. „Es ist schön, dass du dich freust“, sagte Grace und gab Brian noch einen Kuss. „Ich muss jetzt gehen. Viel Spaß mit Briannah!“, sagte Grace und machte sich nun auf den Weg zum Polizeirevier.

Grace konnte sich den ganzen Nachmittag auf nichts konzentrieren. Sie war viel zu sehr mit Brians erfreutem Gesicht beschäftigt. Wie konnte ein so überaus Gutaussehender Mann nur so ein Monster sein? Doch Grace Antwort blieb aus. Stattdessen kritzelte sie auf ihren Notizblock und malte Muster. Sie hatte Momentan keine Fälle zu lösen. Nur die üblichen Kleinigkeiten. Kiosküberfälle, Anzeigen, und gestohlene Fahrzeuge. „Na Holloway, nichts besseres zu tun, als Löcher in die Luft zu starren?“, fragte Shields und zog Grace den Notizblock weg. „He…“, machte Grace verdattert und wollte sich den Block zurückholen. „Na, na, ich will ja nur mal sehen…“, sagte er belustigt und ging Grace Kritzeleinen durch. Da entdeckte er was, dass ihn anscheinend ziemlich interessierte. „Aha, sie haben also einen Freund, Grace? Oder wer ist dieser „Brian?““, fragte er neugierig und deutete auf den Block. Unten in der Ecke hatte Grace zwei Namen ziervoll hingekritzelt: Grace & Brian. Grace wurde es schrecklich heiß. „Na ja, nur so ein Bekannter“, murmelte sie. Er ließ es auf sich beruhen, denn Direktor Shields hatte so eine angenehme Art; er stellte seinen Mitarbeitern nie viele Fragen über ihr Liebesleben. Wahrscheinlich weil es in seinem Eigenen selbst nicht so gut klappte. Er lachte und schüttelte den Kopf. „Schön, dass sie auch jemanden gefunden haben, Grace“, sagte Shields und gab ihr den Block zurück. „Hm“, machte Grace und senkte ihren Blick. Nachdem Direktor Shields wieder verschwunden war, nahm sie den Zettel mit den Namen, zerknüllte ihn und warf ihn in den Abfalleimer. Das mit ihr und Brian durfte nie, nie jemand erfahren, sonst waren ihre Tage als Polizistin definitiv gezählt.

Fröhlich pfeifend ging Grace zum Hotel d’Amour. Draußen sah sie Brian, der lachend mit Briannah spielte. Grace musste lächeln. „Wieso kann er nicht immer so sein?“, fragte sie sich wehmütig. Sie würde auch auf diese Frage, nie eine Antwort bekommen. Sie ging auf die Beiden zu. „Hi ihr Hübschen!“, begrüßte Grace sie. Brian sah auf.

Er grinste. „Hey“

„Wie gehts dir und Briannah?“

„Super. Wir sind jetzt schon die besten Freunde“ Er sah Briannah liebevoll an.

„Sie ist ein toller Freund“

„Klar. Hunde sind einfach die Besten“, stimmte Grace zu.

Brian konzentrierte sich wieder voll und ganz auf Briannah. Plötzlich sah er Grace an.

„Grace?“

„Was ist?“

„Ich habe schon seit einer Woche keine Frau mehr getöte.t“

Grace zuckte zusammen. Als sei das eine Heldentat.

„Schön. Es gibt sogar Leute, die töten nie irgendwelche Menschen.“

„Grace, ich meins ernst.“

„Schön für dich. Wieso? Hast du vor wieder zuzuschlagen?“

„Grace!“

„Was denn? Ist doch rein hypothetisch gemeint.“

„Ich meine, dass ich glaub… na ja, aufhören möchte, Frauen umzubringen.“

„Wow, super Entscheidung. Bin ich voll deiner Meinung. Ich meine, kann ja nicht schaden, mal aufhören ein Mörder zu sein, findest du nicht auch?“

Brian sah sie zornig an.

„Hör auf dich darüber lustig zu machen. Vor ein paar Monaten wäre es mir nie in den Sinn gekommen, aufzuhören. Warum auch?“

„Ja klar, warum auch?“

„Ich meine, ich muss mich nun voll und ganz um Briannah kümmern. Und dann bist ja noch du da…“

Grace sah in verwundert an.

„Ich?“

„Ja, du. Wer sonst?“ Brian lachte.

„Ich möchte mehr Zeit mit euch verbringen“

Grace dachte nach. Einerseits sagte ihr Herz, dass sie natürlich unbedingt mit ihm Zusammensein möchte, doch die andere Seite sträubte sich dagegen.

„Ich glaube nicht, dass es so eine gute Idee ist, wenn wir zusammen sind“, sagte Grace.

„Wieso?“

„Ich möchte nicht mit einem Ehemaligen Mörder zusammenleben“

„Oh, verstehe! Schon klar, dann verschwind doch! Ich hab ja Briannah. Mehr brauch ich nicht“, fauchte Brian.

Grace versuchte ruhig zu bleiben.

„Hör auf Brian, du weißt dass ich dich mag…“

„Aber ich mag dich nicht! Du warst nur zum Spaß da, kapiert? Ich habe nie etwas von dir gewollt, und werde nie etwas von dir wollen! Ich habe dich bloß verarscht, verstehst du? Ich hatte gedacht, dass du vielleicht das Spiel noch weiterhin spielst, mit mir mitgekommen wärst! Du warst einfach nur meine persönliche Nutte! Mehr nicht! Du kannst verschwinden, zisch ab!“

Grace blieb starr vor Schreck stehen. Hatten diese harten Worte gerade ihr gegolten? Waren diese Worte gerade von Brian gekommen?

„Du weißt nicht was du sagst“, flüsterte Grace, ihre Lippen bebten. „Oh doch das weiss ich“, sagte er scharf und kraulte Briannah hinter den Ohren. Sie seufzte wohlig. Grace stiegen die Tränen in die Augen. „Du… du bist so abartig, weißt du das?“, schrie sie und rannte in die Richtung zurück, von der sie gekommen war. Sie wollte Brian nie wieder sehen. Hoffentlich würde er sich Malaria holen, oder sonst irgendeine verdammte Krankheit. Soll er von Briannah gebissen werden und die Tollwut bekommen, Hauptsache er würde leiden. Das waren Graces Gedanken, als sie ihren brummenden Kopf in ihn Kopfkissen sinken ließ.

Es war mitten in der Nacht. Graces Handy klingelte. Es war Direktor Shields. „Grace! GRACE!! Schnell, wir haben den Killer! Sie wissen schon, den Psychophat! Ein anonymer Anrufer hat uns mitgeteilt, dass er sich im Hotel d’Amour aufhält! Wie simple! Ich möchte dass sie sofort dorthin gehen! Ich habe schon einen Trupp zusammengestellt! BEIILEN SIE SICH!!“ Grace war anfangs noch schlaftrunken, doch nun war sie hellwach. „Sie haben ihn ausfindig gemacht. Er wird sterben“, ging es ihr durch den Kopf. Schnell zog sie sich an, sie verlor keine Minute, kämmte sich nicht einmal die zerzausten Haare. Hauptsache, sie konnte so schnell wie möglich zum Hotel d’ Amour, um Brian zu warnen. Sie rannte die Treppe zum Hotelzimmer hoch, fiel hin und schürfte sich die Hände auf, doch kam schnell wieder auf die Beine. Außer Atem klopfte sie nervös und laut zugleich an die Zimmertür. Eine halbnackte Gestalt öffnete die Tür. Brian rieb sich die Augen. „Was zum Teufel suchst du hier?“, murmelte er müde. „Schnell, Brian du musst abhauen! Sie haben dich entdeckt! Sie wissen, dass du hier bist!“, flüsterte Grace hastig. „Sie könnten jeden Moment hier sein!“ Brian erstarrte. Sein Gesicht wurde kreidebleich. „Du hast mich verraten“, flüsterte er monoton. „Nein! Hab ich nicht! Das würde ich nie…“ Brian ließ sie nicht ausreden. Blitzschnell zog er sich ein T-Shirt über und nahm Briannah an die Leine. Er steckte sein Portmonnai in die Hosentasche und schubste Grace zur Seite. „Verräterin!“, zischte er aufgebraust und rannte die Treppe hinunter. Als er unter ankam, hörte Grace ihn leise fluchen. Von draußen ertönten die Sirenen. Jemand sprach durch ein Megaphon. „Kommen sie auf der Stelle raus, oder wir werden Gewalt anwenden müssen“ Grace rannte ebenfalls die Treppe hinunter. Sie blieb neben Brian stehen. „Wenn du da rausgehst, werden sie dich erschießen“, warnte sie ihn, er sah bekümmert aus. „Shit“, sagte er leise und sah Briannah an. „Wenn ich mit ihr rausgehe, denken sie vielleicht, ich bin gar nicht der Mörder“, überlegte Brian und nickte. „Nein, sie werden…“ Grace wollte ihm erklären, dass es nicht so war. Sie würden einfach drauf losballern. Schlimmstenfalls sogar den Hund töten. Brian öffnete ohne Rücksicht auf Verluste die Eingangstüre. Grace hörte Direktor Shields schreien. „JETZT“ Grace zögerte keine Minute. Sie stürmte vor Brian. „Nein!“, schrie sie verzweifelt und bildete eine schützende Kuppel um Brian. Die Scharfschützen hielten kurz inne. Solang, dass Direktor Shields ihnen verordnen konnte, die Waffen zu senken. „Grace?“, fragte er überrascht und verwirrt zugleich. „Grace, sie sind jetzt besser vernünftig und gehen uns aus dem Weg“, redete er auf sie ein. Grace schüttelte den Kopf. Der Direktor hob die Augenbrauen. „Holloway, sie schützen gerade einen Mörder“, wollte er ihr klarmachen. Doch das wusste Grace. Sie wusste, dass sie einen Mörder schützte. „Ja, ich weiss Direktor. Ich schützte diesen Mörder. Und ich liebe diesen Mörder“ Grace spürte, wie sich Brians Körper hinter ihr versteifte. Der Direktor sah sie ungläubig an. „Soll das ein Witz sein?!“ Grace schüttelte abermals den Kopf. Brian legte seine Hände um ihre Taille. “Grace“, flüsterte er. „Ich muss dir etwas sagen. Bevor es zu spät ist. Briannah hat…“ Plötzlich erklangen drei ohrenbetäubende Knalle. Grace schrie auf. Die Knalle kamen nicht von vorne. Jemand hatte hinter ihr und Brian gestanden. Nun sah sie im Dämmerlicht, einen Scharfschützen, der sich hinter dem Empfangstresen befand. Er hatte Brian in den Rücken geschossen. Drei mal. Alle Farbe wich aus seinem sandbraunen, wunderschönen Gesicht. Grace schlang ihre Arme um ihn. Er sackte auf die Knie. „Nein!“, schrie Grace. Tränen strömten ihr übers Gesicht. „Nein, nein! Brian, hör zu! Ich bring dich ins Krankenhaus, o.k.? Brian!“ Grace schrie ihn an, doch Brian deutete eindringlich auf Briannah und fasste sich um dien Hals. Er deutete sich auf die Kehle, doch Grace achtete nicht darauf. „Stirb nicht, bitte! Hast du gehört? Stirb nicht! Lass mich nicht alleine!“, schrie sie, weinte und strich Brian über seinen lockigen Haarschopf. Brian rang noch um einen langen, schweren Atemzug, dann stand sein Herz für immer still.

An einem kalten, verschneiten Wintertag, einige Monate nach Brians Tod, ging Grace mit Briannah am See spazieren. Sie dachte an die Zeit mit Brian. Am See fühlte sie sich ihm am nächsten. Und mit Briannah. Deshalb hatte Grace sie behalten. Nach Brians Tod, hatte Grace ihre Dienstmarke abgegeben. Stattdessen arbeitete sie als Jugendsozialarbeiterin. Sie hatte herausgefunden, dass sie Andern besonders gut zuhören konnte, und ihnen gerne dabei half, ihre Probleme zu lösen. Manchmal dachte Grace darüber nach, was ihr Brian hatte sagen wollen, bevor er starb. „Er hatte auf Briannah gedeutet“, dachte sie, „und auf seinen Hals.“ Grace zerbrach sich den Kopf darüber, aber sie kam nie drauf. Doch an diesem kalten, verschneiten Wintertag, hatte sie einen Teufelsblitz. „Was, wenn er gar nicht seinen Hals meinte, sondern Briannahs?“ Und mit dieser Frage, war Grace dem Rätsel einen Schritt näher. Sie entdeckte einen kleinen Schlüssel hinter Briannahs Namenstäfelchen, der ihr nie aufgefallen war. „Wozu der wohl dient? Brian hätte sicher gewollt, dass ich es herausfinde“, dachte sie und sah den Schlüssel genau an. Er war klein. Vielleicht für eine kleine Kiste, oder einen Tresor. Geschwind ging sie mit Briannah zum Hotel d’Amour. Es lief in letzter Zeit ganz miserabel dort. Fast keine Besucher mehr, keine, die einen Kaffee trinken gingen. Grace verlangte nach dem Schlüssel für Zimmer 42.. Es war noch alles unberührt. Eigentlich hätte Brians Vater seine Sachen hier abholen müssen, aber er war anscheinend noch nicht dazugekommen. Grace durchwühle alle Schubladen und Schränke, öffnete seine wenigen Taschen und Koffer, doch erfolglos. Müde ließ sie sich auf das Bett plumpsen, Briannah leistete ihr Gesellschaft. Grace fand das Kopfkissen ziemlich unbequem. Sie stieß dagegen, wobei sie etwas Hartes traf. Sie runzelte die Stirn und hob das Kopfkissen hoch. Nichts. Nun schaltete sie. Im Kopfkissen musste sie nachsehen. Sie knöpfte den Bezug auf und zog ein schwarzes, glänzendes Heft heraus. Es war ein Tagebuch. Es hatte ein Schloss. Grace nahm den kleinen Schlüssel und öffnete es. Sorgfältig, beschriebene Seiten waren darin. Sie schlug das Buch auf der letzten Seite auf. Ein Foto lag darin. Sie und Brian. Lachend auf dem Bett. „Unser Bild!“, dachte Grace, den Tränen nah. „Er hatte es sich aufgehoben“, durchfuhr es ihr. Sie drehte es um. Ich und Grace 18.Juli stand da. Sie las den Eintrag:

25.Juli

Hallo

Seit ich ein Kind bin, habe ich mich gefragt, wie es wohl ist, glücklich zu sein.

Und ich dachte, ich würde wohl nie erfahren, wie das ist. Das Gefühl der Freude. Doch seit einigen Tagen, ist da so ein Mädchen. Sie heisst Grace. Sie ist total verrückt, weil sie sich mit mir einlässt, obwohl sie weiss, dass ich ein Psychophat bin. Eben, wie gesagt, sie ist verrückt. „Tja, da passen wir ja super zusammen“, hatte sie mir gesagt, worauf ich lachen musste. Mit ihr habe ich mich so anders gefühlt. Irgendwie glaub ich, ich war… glücklich. Sie ist echt süß. Zwar älter, aber das macht mir nichts. Mit ihr ist mir der Rest der Welt sowieso schnurz. Wenn wir zusammen sind- dann verschwimmt der Rest um mich.

Sie hat mir einen Welpen geschenkt. Sie heisst Briannah. Weißt du noch, ich habe meinen Dad immer angefleht mir einen Hund zu kaufen! Jetzt habe ich endlich meinen Eigenen. Wieso bin ich nicht schon früher auf die Idee gekommen, mir selbst einen Hund zu kaufen? Ach ja, ich war ja damit beschäftigt, andere Frauen zu töten! Doch irgendwie ist es sinnlos. Und irgendwie komm ich mir richtig erbärmlich vor. Ich hatte früher immer gehofft, die Bullen würden mich irgendwann mal erwischen und mich dann erledigen, doch seit Grace in mein Leben getreten ist, möchte ich sooft mit ihr zusammen sein wie möglich. Ich glaube, durch sie hat mein Leben endlich einen Sinn bekommen. Und dann ist noch Baby Briannah da! Was soll sie bloß ohne mich machen? Ich bereue es, die etlichen Frauen getötet zu haben. Was, wenn sie auch einen Freund hatten, oder Familie? Ich möchte mir am liebsten gleich selbst den Kopf abschlachten, wenn ich darüber nachdenke.

Grace denkt sicher, es ist mir egal. Dass ich sie töte. Doch ich möchte ihr bald erzählen, dass ich aufhören werde, andere abzumurksen. Hoffentlich lacht sie mich nicht aus! Obwohl, ich an ihrer Stelle würde auch lachen. Ich meine, ein Mörder der beschlossen hat, aufzuhören Menschen zu töten, wie vernünftig!!

26. Juli

Grace, hoffentlich hast du das Tagebuch gefunden! Bitte lies es durch, ich möchte, dass du weißt, wie ich mich gefühlt habe. Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten! Es war unerträglich, einfach ein unbeschwertes Leben als Mörder weiterzuführen. Ich wollte Busse tun. Deshalb habe ich bei der Polizei angerufen und gesagt, wo ich bin! Grace, ich habe schon als Kind psychische Probleme gehabt, nur das mich niemand dabei unterstützt hat, was dagegen zu unternehmen! Deshalb bin ich so ein Monster geworden! Ich hoffe, ich habe dir nicht zu fest wehgetan, da ich jetzt nicht mehr bei dir bin. Glaub mir, meine Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen und es tut mir Leid, dir wehzutun. Ich hasse mich dafür. Grace, bitte vergiss mich nicht, wenn ich hier unten in der Hölle schmore (etwas Sarkasmus kann nie schaden!) und pass bitte gut auf Briannah auf. Ich weiss, es ist verrückt, seinen eigenen Tod zu planen, aber ich bin eben ein Psychophat! Bitte verzeih mir.

Grace, bevor du schreiend in mein Zimmer stürmen wirst, um mir zu berichten, dass die Bullen hinter mir her sind, möchte ich noch eins los werden, was ich früher noch nie jemandem gesagt habe:

Ich liebe dich Grace.

Dein Brian

Sorgfältig schloss Grace das Tagebuch und schob es in ihre Handtasche. Eine Träne kullerte über ihre Wange. „Ich liebe dich auch Brian. Ich werde dich immer lieben“, flüsterte Grace warmherzig und küsste das Bild von ihr und Brian; er war eine Erinnerung, Die immer in ihrem Herz bleiben würde.



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Kommentar von Serpentinenhuber:
(21.10.2009 um 10:13 Uhr)

Da werde ich auf jeden Fall mal reinschauen. Wenn dort Bücher von dir zu lesen sind, dann lohnt es sich ja auch.

Kommentar von haiidilaiinchen:
(20.10.2009 um 20:13 Uhr)

ich habe ein profil auf bookrix.de

^^ schau mal rein

die bücher heissen "the guardian angels and the love" & "Hunger auf Freiheit"

Kommentar von Serpentinenhuber:
(20.10.2009 um 10:10 Uhr)

Der Beitrag ist absolut professionell. Ich will unbedingt mehr von dir lesen, haiidilaiinchen. Hier finde ich bisher leider nur zwei Geschichten von dir. Wo hast du deine übrigen versteckt? Wo kann ich sie suchen?

Kommentar von Heinzelmannberater:
(28.09.2009 um 16:58 Uhr)

Eine sensationelle Geschichte. Da könnte sich so mancher Heinzelmann eine Scheibe von abschneiden! Bravo!

Kommentar von Guest:
(21.04.2009 um 15:51 Uhr)

Unglaublich!
Vorallem das Selbstgeständnis des Mörders finde ich beeindruckend inszeniert, ich habe einige Zeit in einer psyochologischen Beratungsstelle gearbeitet und dieses Selbstgeständnis, passt in das Verhaltensmuster, vieler psychisch verletzen, gewalttätig gewordenen Personen.

Kommentar von svealeandra:
(21.04.2009 um 11:53 Uhr)

das ist eine wirklich geile geschichte !! ich wünshcte ich köntne soetwas auch !! echt gut !




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