28.03.2012

alois und bert

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sperrmüll

SZENISCHE GSCHICHT FÜR ALOIS UND BERT, LEIBGESCHNEIDERT

 

Alois :

Deine so vermaledeite sehnsucht, sehnsucht wollen, ablehnen, aus überleben, ein stachel aus güte, dir jedes mal, andauernd, ins herz zu stoßen,

dieses indichdringen, es ist so, so unendlich spürbar.

Bertl:

Du, du hast mir platz gegeben, reichlich platz, alois, lieber alois, verabscheungswürdiger alois, mit deiner jovialen heuchelei, zerdrückst du mich von einer auf die andre  drückst du an mir, reibst dein inneres an meiner verzweiflung, alois, du erstickst.

A:

Mein erfolgswille rettet dir aufs neue, aufs neue, dein erbärmlich sehnsüchtig schwinden wollen.

(mimisch/gestisch : alois ringt nach begriffen, will sich ausdrücken, jeweils mit wegwerfender handbewegung, durchaus mit pausen.. stottert leicht..)

Dein leben, du bertl, bartl, bittl, büttl, blattl, blödl, blutl, bettl, dieses von bösen ahnungen gerüttete schüttlsein, kränkt, schränkt, vermengt, mit anreißen zerren und ziehen an

meiner ruhe, schlaf, nichtgenügendsetzen.

B:

Du vertraust in deinem vertrauensrausch du vertrauter, rauschvertrauender, deinem wort, dieses unfähig zu suchen angebratene, unfertige gebrabbel, rappl, du seppl,

verbrannt angekokelte wort,  vertraust du, vertrauloser. Ruin, ruin, urin, urin.

A:

Wirbelndes schneegestöber, her vom wald

B:

Gott, freiheit, liebe hoffnung und der andre unsinn, alles fallen, diese begriffe sind alles fallen in die alle gefangen, ermordet werden. Sich selbst richtend, andauernd in  fallen fallen, lemminge ,nichts bleibt übrig, du staubkörndl.

A:

An hephaistos`gestaden verfing sich der letzte duft ehrwürdiger bewegungen in feinst gesponnenen drähten aus du und ich.

B:

Geblieben sind lange reihen aus bewußter unsinnigkeit, fesseln, selbstauferlegte, geschnürt.

A:

Freundschaft, freundschaft, dieses häßlich hinterfotzige bemühen, dich zwingen zu dürfen, zwingen, meines als deines zu knechten, ausradieren mit handschlag.

Besiegeln wir unsre freundschaft endlich, verspreche dich zu streichen, streichen aus dem register des werdenden.

 

 

 

B:

Diese unglaubliche anmaßung, verstehen, verständnis üben zu können, zu wollen nochdazu, zu dieser mörderischen vernichtungsstrategie sind wohl nur wir beide fähig.

A:

Wir sind naturgemäß ausgestattet mit hacken, ösen, galgenstricken, stoßinstrumenten, subtilsten skalpellen, und für jeden gabs als draufgabe, noch vor der geburt, ein hattori hanzu schwert. Kann luft, wasser und feuer schneiden, teilen.

B:

Köpfe rollen sehen, lassen, köpfe als murmeln – hauptvergnügen.

A:

Jede nicht laut gelesene buchseite vergilbt. Buchstäblich.

B:

Komme ich dir näher, kentert das schiff. Bei jeder schuldzuweisung tauft der teufel ein kind. Besitz.

A

schleimvolle gedanken, gewünschtes, begehrtes, blubbern mich an, lassen keine auswege offen. Zu geprägt, zu geprägt, zu starr, niemals starrsein erkennen, niemals.

Immer wieder erschlagen im üblichen. So sind sie die schönen erlebnisse.

B

Gewinnen, sieger, erster, nichts anderes bestimmt mich. Ausreden, wegreden, bestätigen durch dich, du, deine saubere erscheinung.

Waschzwang außen, steril als verpflichtung, meister propper.

A

Mit keulen, angebotenen keulen, es werden ausschließlich keulen angeboten, jeder gruß eine keule, schlag zu, schlag, keulen, alles keulen, jedes mal. Jedes einzige mal.

B

Breites grinsen, verzerrte gesichter, wegstellen, mich in die ecke stellen, mitspielen, aus der ecke mittun, breit grinsen, als dank die keule zu spüren.

A

Nichts passt zum anderen, zusammensein, passen, schlüssel schloß, nichts sperrt auf. Keine türen, nur mauern, alles finster, immer dunkel, immer.

B

Krisstuss der retter ist da. Rettet vor sacken, zusammensacken, er sackt mich ein. Erhalte das geschenk, das geschenk des mordwerkzeugs, meine bestimmung.

Flirrende, eiskristallne töne heimeln mich ein, morde, auf dass du erlöst wirst. Löse dich nie. Sein geschenk. Leide, so darfst du sein. Jedes bewegen unerlaubt, kneble dich, weih-nach-ten.

 

 

 

 

 

 

 

A

Denken was ich mache formt die tat, die ich begehe, bestimmt den charakter den ich dann habe.

 

B

Vor langer zeit habe ich einem freund, der keiner mehr war, wir negierten uns, zum tod seiner frau mutter kondoliert, ich fühlte mit ihm. Heute hat ein bekannter seiner schadenfreude freien lauf gelassen, er erfuhr vom tod der mutter eines feindes. Alles fließt.

 

A

Begangene verbrechen benötigen kein wegwischen mehr, kein vergessen wollen, kein gedanken machen, sie sind trophäen, die vor sich hergetragen, uns schmücken.

 

B

Dimensionen vermindern sich, es wird dünner, enger, kleiner um mich herum. Wie die alten ägyptischen bilder, fallen dimensionen in sich. Spricht jemand mit mir, spricht er vom gleichen das gleiche gleichartig. Ich gebe gleiche antworten. Und alle haben sie die hände in den hosentaschen. Kein rückhalt mehr, kein wollen, nur getrieben.

 

A

Aus den wörterbüchern fallen die wörter , nicht mehr im gebrauch. Was wollte ich jetzt sagen, und wie wollte ich es sagen. Stumm.

 

B

Es gibt immer mehr geld, es wächst aus den zuwächsen des ungewachsenen Der zuwachs erweitert sich durch zuwachs nichtgewachsener zuwächse. Vermehrt sich wachsend, dazu, erhebt seine ansprüche nach weiteren zuwächsen aus ungewachsenem.

Er schwillt an, besteht aus zuwächsen, aus vermehrungen, steigt an, wächst. Unaufhörlich wächst der zuwachs der zuwächse.

In unfassbare höhen schraubt der zuwachs die vermehrten zuwächse aus leeren ungewachsenen pfründen der masse.

Die masse schwitzt, ärmt sich, dreht sich, windet, bedrückt eifert die masse die herstellung der zuwächse des zuwachs. Mit argusaugen beobachten die masseverwalter die anhäufung der zuwächse, die wachsenden. Die herstellung und annahme der zuwächse sind der besitz eines einzigen, eines zuwachskönigs, er hortet und vermehrt sich nicht.

Er läßt vermehren, zuwächse türmen, ansteigen. Seine masseverwalter sind seine mächte, seine mächte mit argusaugen und reglementierenden schlägen. Sie lassen keinen unwuchs zu, sie treiben die masse zu wachsleistungen, sie morden, vernichten, wo wachstum nicht mehr wächst. Sie ziehen alles ein, sie drücken die masse, sie amorphen die masse, die unendlichen, massigen, die austauschbaren, sie lassen neue masse produzieren, die zuwächse wachsen, steigen an. Steigen immer an, die gewachsenen zuwächse des zuwachs.

Am boden liegend, vor erschöpfung, die zuwächse nicht mehr zu wachsen im stande, werden sie ausgesondert, weggebracht, erstickt, ausgetreten.

A

Gradlinig, so der ruf aller, gradlinig sein, und krümmen sich vor lachen, kugeln sich, ganz gerade. Sie erheben, strecken ihre finger in die höhe, machen aufmerksam, ja nicht dies, ja nicht, niemals, dudu, nicht, nein. Mit den gleichen erhobenen fingern zeigen sie auf vertragsklauseln, unterschreiben todesurteile, drücken den pistolenabzug, öffnen gasventile in duschkammern,  locken dich ins knusperhaus.

 

 

 

 

 

 

 

B

Wielange wird uns gesagt, ohne es zu sagen, wielange lebt man uns vor, wir werden ewig leben, immer leben, soviel besitzen wie möglich, immer mehr besitzen, immer wachsen lassen, allen besitz wachsen lassen, anderen wegnehmen, soviel wie geht, wie auch immer, betrügen, immer gewinnen, erster sein, andere klein machen, nicht locker lassen, nicht helfen, nichts verschenken, abgeben nie, teilen nein nein, nur du lebst, du lebst ja ewig, jedes begräbnis eine unwirkliche farce, nur tradition, brauchtum, wie schuhplattln. Tod ? erfindung der schwachen.

A

In einem hell erleuchteten raum, einem zimmer im ersten stock eines zinsblocks in der vorstadt, sitzen ein älteres ehepaar beim abendessen. Am tisch ein suppenteller, grießnockerlsuppe. Sie nimmt den löffel und füttert ihren ehemann.

Darum geht’s.

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(text ja nicht  lernen, szenisch, eine form finden, die das lesen zu einer notwendigkeit macht, eine art dialog mit dem textblatt jeweils, nachdenk-langatmikeit wexelt mit staccatoschüben,

 

 

hpf für alois und bert

zu beginn der schindludrigen apventszeit gschriebn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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Kommentar von Sweder:
(28.03.2012 um 18:08 Uhr)

„Vor langer zeit habe ich einem freund, der keiner mehr war, wir negierten uns, zum tod seiner frau mutter kondoliert, ich fühlte mit ihm. Heute hat ein bekannter seiner schadenfreude freien lauf gelassen, er erfuhr vom tod der mutter eines feindes. Alles fließt.“ Nur eins deiner vielen- im Dialog- verwendeten Filetstücke. Gut, dass der alte Bert Brecht nicht mehr lebt. Der es hätte klauen lassen und in seine Geschichten um „Herrn K“ als von ihm erdacht eingefügt. Aber vielleicht hättest Du es auch dem alten Herrn geschenkt... Danke, mein Lieber, dass die Zuwächse Zuwachs bekommen haben. Grandios, schlug bei mir ein, wie eine Bombe, ging hoch wie eine Rakete usw......... Gruß und Dank Sweder




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